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Home Politik

Fußball- die schönste Nebensache der Welt? Von wegen.

Alfons Pieper Von Alfons Pieper
19. April 2026
Politischer Frühschoppen 19.4.2026 , Fabrik K14, Oberhausen

Plakat zu "Seim - Politischer Frühschoppen"Fußball kann so schön sein- wenn ihr Lieblingsverein Deutscher Meister wird, obwohl das schon Seltenheitswert hat, es sei denn, Sie sind einer von den über 400000 Bayern-Fans in der Republik, dann ist das normal. Fußball ist beileibe nicht nur Sport und nicht nur die schönste Nebensache der Welt,  Fußball hat sehr viel mit Politik zu tun. Das erfuhr DFB-Präsident Bernd Neuendorf beim „Politischen Frühschoppen“ in der Fabrik K14 in Oberhausen, den der frühere Chefredakteur der „Neuen Westfälischen“

in Bielefeld, Thomas Seim, seit einigen Monaten veranstaltet. Auf dem Podium saß neben Neuendorf der ehemalige WDR-Fußball-Reporter Manni Breuckmann und der nahm den DFB-Chef in die Zange. Es ging um die Fußball WM in diesem Sommer in Mexiko, Kanada und in den USA. Und Breuckmann hielt Neuendorf vor, dass die Fifa vor vier Jahren die Russen nach ihrem Einmarsch in die Ukraine „rausgeschmissen“, also sie vom Turnier in Katar ausgeschlossen hatten. Und wie sieht der Plan B des DFB aus, wenn einer der WM-Austragungsorte, nämlich die USA, zur kriegführenden Partei wird? Und ist sie das nicht längst?

Spannende Frage, die der DFB-Präsident diplomatisch zu umgehen versuchte. Boykott der Spiele durch den DFB? Man merkte dem DFB-Präsidenten an, dass er sich angesichts dieser Frage nicht wohl fühlte, schließlich hatte man sich qualifiziert, gehört-das ist meine Interpretation- zum erweiterten Favoritenkreis und soll freiwillig ausscheiden, einfach zu Hause bleiben?  Was erreicht man damit? Hat der Boykott von Olympia in Moskau was gebracht, der in Los Angeles? Soll der Sport die Probleme der Politik lösen? Also eierte(pardon) Neuendorf herum, warf Breuckmann vor, den sachlichen Ton gegen den emotionalen zu vertauschen und gab sich präsidial. Plädierte dafür, die Dinge pragmatisch anzugehen, aber  Breuckmann ließ nicht locker und war schnell bei einem anderen, mindestens ebenso unbeliebten Zeitgenossen wie Gianni Infantino einer ist: Donald Trump, der die Bomben und  Raketen auf den Iran hat fallen und manches zerstören lassen. Der damit gedroht hat, den Iran in die Steinzeit zurück zu bomben. Gut, im Augenblick herrscht so etwas wie eine Waffenruhe, aber der Krieg ist nicht vom Tisch, der unberechenbare Mann in Washington könnte zu jeder Zeit wieder auf den Knopf drücken, um Teheran klein zu kriegen, damit sie die Meerenge von Hormus wieder freigeben und endgültig auf ihr Atom-Programm verzichten.

Ich mag das Regime in Iran nicht, das seine Kritiker rücksichtslos einsperren, foltern und hinrichten lässt, das vor Monaten Tausende von Demonstranten im Land hat erschießen lassen. Es zu verteidigen fällt einem schwer, weil es ein Unrechts-Regime ist. Aber wer gibt Trump das Recht, dieses Land anzugreifen, töten und zerstören zu lassen? Trump ist alles andere als ein Vorbild, er ist dabei, die älteste Demokratie auf der Welt mindestens in ein autokratisches System umzuwandeln mit einer Einschränkung der Pressefreiheit und der Aufgabe einer unabhängigen Justiz, wie es guter Brauch in einer Demokratie sein muss. Die Regierung, ein Präsident Trump dürfen nicht entscheiden, was Recht ist. Trump behauptet, er sei das Recht. Und zeigt damit, wes Geistes Kind er ist. Es geht um den Grundsatz: die Stärke des Rechts gegen das Recht des Stärkeren.

Verrückt sei Trump, meinen die einen, von Sinnen andere, die nach einem Impeachment-Verfahren rufen, um den Irren im Weißen Haus abzulösen. Und wie war das noch mit dem Friedenspreis, den Infantino erfunden hat, wohl um den mächtigen Herren in Washington gnädig zu stimmen, weil der so enttäuscht war, dass man ihn, der viele Kriege(sieben oder acht oder neun) beendet hat, bei der Verleihung des Friedensnobelpreises übergangen hatte. Und hatte Neuendorf nach dieser ziemlich unwürdigen Zeremonie in diesem Zusammenhang Infantino und Trump Recht gegeben? Weil Trump gerade den Krieg Israels in Gaza zu einem Ende geführt hatte? Hätte Neuendorf da nicht einfach dröhnend schweigen können, nichts sagen, sondern sich seinen Teil über Infantino und Trump denken? Und hat der DFB-Präsident durch sein Eingreifen nicht verhindert, dass Israel von internationalen Sportfesten der UEFA und der FIFA ausgeschlossen wurde?  Ja, natürlich gibt es die besondere Verantwortung des deutschen Volkes gegenüber dem Volk Israels, die Vergangenheit und die Verbrechen der Nazis an den Juden liegen nicht nur mir in solchen Debatten schwer im Magen. Das hat nichts damit zu tun, dass man Israels Premier Netanjahu wegen seiner kriegerischen Politik gegenüber den Palästinensern kritisiert und diesen auch wegen seiner militärischen Angriffe auf den Iran verurteilt. Netanjahu ist ein Kriegstreiber, das sage ich und meine das auch so.

Bernd Neuendorf wird froh gewesen sein, dass der Moderator des Frühschoppens, Thomas Seim,  das Gespräch geschickt auf die schöne Seite des Fußballs lenkte. Der DFB ist schließlich nicht nur die erste Bundesliga, der Fußball findet nicht nur bei Fußball-Weltmeisterschaften statt und erregt das Interesse von Millionen Zuschauern. Fußball, der DFB , das sind 8 Millionen Mitglieder in 24000 Vereinen, an jedem Wochenende finden 70000 Spiele statt. Es handelt sich um Amateure, die hinter dem Ball herrennen, als gäbe es einen Preis zu gewinnen, die jubelnd in die Luft springen über ein gelungenes Tor und sich schwarz ärgern über einen verschossenen Elfer. Das ist der Fußball, der, gäbe es ihn nicht, erfunden werden müsste, weil er für die Gesellschaft so wichtig ist, für das Zusammentreffen aller sozialen Schichten, hier spielt es keine Rolle, woher der Junge kommt, der so trickreich Fußball spielt. Es spielt keine Rolle, ob er Deutscher ist oder Ausländer, diese Spaltung lässt der Fußball nicht zu, er verbindet und bindet.

Der Fußball lebt vom Ehrenamt, den Tausenden und Abertausenden von Betreuern und Trainern, die sich um die Schüler kümmern und längst auch um die Schülerinnen, Frauen-Fußball ist auf dem Weg nach ganz oben. Oft machen die Helfer und Trainer das alles ohne Entgelt, ein Bier danach und ein Schulterklopfen sind Lob genug. Ich kenne das, habe als Schüler für den damaligen Bezirksligisten Schwarz-Weiß Meckinghoven gespielt, wir waren mehrfach Kreispokalsieger.  Als Lohn spendeten uns die Senioren einen Stiefel Bier. Ich kann mich noch gut an unseren Betreuer- oder nannte er sich Jugendwart?- erinnern. Er hieß Emil Kuhnert, war ein ehemaliger Kumpel auf der Zeche Emscher Lippe gewesen. Jeden Samstag war er da, hat das Tor zum Sportplatz aufgeschlossen, unsere Trikots verteilt, unsere Schuhe inspiziert, ob sie auch geputzt waren. Und wenn wir spielten, ging er mit dem Hut rum und bat die zumeist älteren Herren um eine Spende für seine Jungs. Zu Auswärtsspielen fuhren wir alle-auch bei Regen und Schnee-mit dem Rad, Emil passte auf uns auf, dass im Straßen-Verkehr nichts passierte.

Worldcup FußballFußball ist unser Leben, diese Melodie lief vor Beginn der Podiums-Diskussion, der Song gesungen von der Mannschaft um Franz Beckenbauer, Sepp Maier und  Gerd Müller, die 1974 gegen die Niederlande mit 2:1 gewannen und Weltmeister wurden.  Ich sah, wie einige der Zuhörer mitsummten.  Das Siegestor schoss Müller, Trainer war der Mann mit der Mütze, Helmut Schön. Aber damit sind wir schon wieder bei den Profis, die nun mal das Bild des Fußballs in der Öffentlichkeit ausmachen. Ein alter Freund fragte mich im Vorbeigehen, ob ich denn noch die 54er Mannschaft im Kopf hätte. Was für eine Frage: Turek, Posipal, Kohlmeyer,  Eckel, Liebrich, Mai, Rahn, Morlock, Ottmar Walter, Fritz Walter, Schäfer. Auswechselspieler gab es keine. Auch damals war der Fußball nicht nur die schönste Nebensache der Welt. Deutschland siegte mit 3:2 über Ungarn und war plötzlich wieder wer. 9 Jahre nach dem von Nazi-Deutschalnd angezettelten Krieg, 9 Jahre nach dem Ende einer Schreckensherrschaft, die Juden das Fußballspielen untersagte.

Heute zeigen die Bundesliga-Mannschaften immer mal wieder auf großen Transparenten, wofür sie stehen:  Gegen Ausländerhass. Und für ein friedliches Zusammenleben.   Und den Fußball-Fans in ganz Deutschland rufe ich zu: Lasst Euch das nicht gefallen mit dem Hass auf Ausländer durch die AfD, ohne Ausländer und ohne Deutsche mit Migrationshintergrund könnten weder die Bayern, noch die Dortmunder oder die Schalker eine schlagkräftige Mannschaft bilden. Und das gilt ähnlich für die Nationalmannschaft.

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