Autohalde

IG-Metall sollte nicht mit dem Finger auf die SPD zeigen

Ob die IG-Metall im Nachhinein doch noch ein Einsehen hat, dass es nicht die SPD gewesen sein kann, die die Automobilindustrie in die Krise gebracht hat? Ebenso wie es auch nicht das Nein der Sozialdemokraten war gegen eine Kaufprämie für Autos mit Benzin- und Dieselantrieb. Es waren nicht die Sozis, denen die IG-Metall nun die Schuld an der Gefährdung der Arbeitsplätze vorwirft. Die werkeigenen Parkplätze reichen derzeit nicht aus für abertausende unverkäufliche Fahrzeuge der gehobenen Mittelklasse. Sie finden keine Käufer, weil sie Umwelt vergiftende Abgase produzieren, dafür aber  mit einer Betrugssoftware ausgestattet waren, die das genaue Gegenteil erzählt. Das gilt für VW, Audi, Mercedes und BMW, also für alle wichtigen deutschen Autobauer, die Milliarden Euro Strafgelder oder gerichtlich erzwungene Rückzahlungen an ihre betrogenen Kunden aufbringen müssen.

Die IG-Metall lässt sich nicht lumpen und tut alles, um die Bosse an der Spitze der Automobilwerke rein zu waschen  und – statt den Betrug (am Kunden) zuzugeben und klar zu benennen – macht nun der Versuch, die eigene ökonomische Talfahrt den Sozis zuzuschieben. Dass der Klimawandel verlangt, künftige Mobilität anders zu bewältigen als durch Autos  mit Verbrennungsmotoren, wird seit Jahren gefordert, ohne jeden Widerhall. Die Unlust, den Klimawandel ernst zu nehmen, muss teuer bezahlt werden.

Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, weil die Autobosse keine Lust hatten, darüber nachzudenken, wie sie dazu beitragen könnten, ihren Kindern und denen ihrer Mitarbeiter einen blauen Planeten zu erhalten, der nicht Gefahr läuft, auch und vor allem durch den Autoverkehr, unbewohnbar zu werden. Dass sich die deutsche Politik, vertreten durch die Kanzlerin, auch noch dazu hergeben würde, in der Brüsseler Chefetage zu intervenieren, um harte Maßnahmen zur  Begrenzung von klimafeindlichen Abgasen zu verhindern, zeigt wie vortrefflich dagegen jedenfalls die Lobbyarbeit der Auto-Konzerne funktioniert.

Statt in  einer Allianz mit der SPD, vielleicht auch mit Teilen der Unionsparteien, jedenfalls den Grünen, der Wissenschaft und der jungen Generation wie Friday for future, den Umbau der industriellen Produktion zum Schutz des Klimas voranzutreiben und dabei zugleich jene in der Wirtschaft zu stärken, die ebenso ein Umdenken fordern, meldet sich ausgerechnet die IG-Metall ab, den Schulterschluss einzugehen, und ihn mit den fortschrittlichen Kräften in der Zivilgesellschaft zu suchen. Statt sich auf den Weg zu machen und in der automobilen Produktion CO2-neutral denen zu folgen, die mutig auf Zukunftsinvestitionen wie auf E-Antriebsaggregate oder Wasserstoff zu setzen, zeigt sich die zuständige Gewerkschaft IG-Metall überzeugt, dass entgegen aller Erfahrung auch sparsame Benzin- und Dieselautos den CO2-Ausstoß ausreichend verringern würden. Wie das gehen kann, belegt die Autoindustrie hinreichend, in dem sie – wie man weiß – die dafür notwendige Software entwickelte. Wie sagt doch der Bayer: „Passt scho“.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Niek Verlaan auf Pixabay

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


'IG-Metall sollte nicht mit dem Finger auf die SPD zeigen' hat 2 Kommentare

  1. Avatar

    10. Juni 2020 @ 12:14 Christoph Mause

    Herr Heye – eine schöne Ergänzung zu meiner Polemik! 26 Milliarden Gewinn haben VW, Daimler und BMW in 2019 zusammen gemacht. Und alles, was den Vorständen einfällt, ist bei den Abgaswerten zu tricksen. Mit weniger Geld, als die drei Konzerne jetzt an Strafen zahlen, hat Elon Musk Tesla aus der Erde gestampft.

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  2. Avatar

    10. Juni 2020 @ 13:24 Kai Ruhsert

    „… zeigt sich die zuständige Gewerkschaft IG-Metall überzeugt, dass entgegen aller Erfahrung auch sparsame Benzin- und Dieselautos den CO2-Ausstoß ausreichend verringern würden.“

    Das ist doch Polemik.
    Dass wir in etwas fernerer Zukunft ohne fossilen Kraftstoff nahezu CO2-frei fahren werden, wird auch die IG-Metall nicht bestreiten.
    Dass Elektroautos jedoch mit fossilem Strom fahren, solange der Zusatzstrom von fossilen Kraftwerken erzeugt werden muss, ist Fakt. Das Wissen um diese Zusammenhänge war 2009 noch Allgemeingut gewesen, wie dieser Artikel aus der FAZ von 2009 zeigt: „Die Elektromobilität soll aus Nachtstrom der Braunkohlekraftwerke gespeist werden, dem Strom mit der schlechtesten CO2-Bilanz – nicht etwa aus zusätzlich produziertem grünen Strom, wie häufig suggeriert wird. … Wie immer die Emanzipation vom Verbrennungsantrieb ausgeht: Elektromobilität mit Akku wird in dem Zeitrahmen, in dem wir die CO2-Emissionen drastisch senken müssen, nicht die Lösung sein und taugt nur eingeschränkt als Vorbild für die bevölkerungsreichen Schwellenländer. Indien und China werden wegen geringer Erdgasreserven Autostrom aus ihren eigenen, reichlichen Kohlereserven erzeugen. Der E-Pkw mit Akku genügt nicht einmal dem abgewandelten Kantschen Imperativ: „Fahre nur solche Autos, von denen du wollen kannst, dass sie zugleich die gesamte Weltbevölkerung fahren könnte.““
    https://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-mehr/elektroautos-der-traum-von-der-elektrischen-mobilitaet-1753993.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3
    Daran hat sich trotz der Veränderungen des fossilen Strommix nichts Grundlegendes geändert – außer einem: Das Niveau der Diskussion ist erschreckend gesunken.

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