Man hat den Eindruck, dass Öffentlichkeit und Medien gerade testen, ob die Verwendung von KI bei Vorträgen und Publikationen insbesondere seitens politischer Personen skandalisiert werden sollte.
Auch ich habe in einem Ministerium für verschiedene Minister und Staatssekretäre Reden oder Veröffentlichungen geschrieben, ohne je erwähnt oder an den Tantiemen b.z.w. Zeilengeld beteiligt worden zu sein. Ich bin dabei davon ausgegangen, dass der Redner oder ausgewiesene Autor letztlich nur das verwendet hat, was seiner Ansicht nach gesagt oder geschrieben werden sollte. Meine Zuarbeit habe ich als mit dem Gehalt abgegolten betrachtet.
Was will man denn von einem Politiker hören? In erster Linie doch, wie er die Lage sieht, wo er originelle Besonderheiten markiert und was er vorhat zu tun – und bei Vorträgen vor allem geht es dem Publikum um den persönlichen Eindruck, wie er auftritt und wie er spricht! Für all die Vorbereitungen von Texten und Bildern war der gute alte Redenschreiber bestens informiert über seinen Herrn, KI hätte dabei nicht geholfen – so wenig wie Wikipedia, offizielle Statistiken oder wissenschaftliche Berichte – die Zuarbeit beruhte auf einem persönlichen Vertrauensverhältnis.
Die eben genannten Wissensquellen sind natürlich auch fehleranfällig und manipulierbar, so dass das persönliche Hintergrundwissen wachsam sein muss, Widersprüche zwischen Fakten bemerken und Plausibilitäten überprüfen sollte. Ob KI dabei hilft, ist eher unwahrscheinlich: in autoritären Staaten oder unter dem Einfluss problematischer Milliardäre können auch KI-Systeme ganz falsche Fakten oder Formulierungen enthalten. Wer würde sich bei Musks GROK über Ziele der AFD informieren lassen oder „truth social“ für eine Wahrheitsquelle halten?
Andererseits ist auch die Übernahme von Textpassagen aus Wikipedia oder aus Positionspapieren von Lobbygruppen hochproblematisch!
Wichtig scheint daher vor allem zu sein, dass Meinungs- und Absichtsformulierungen persönlich zu verantworten sind, also auch im Wortlaut von der vortragenden Person verfasst oder voll inhaltlich akzeptiert sind. Im Übrigen sollte es Sitte werden, übernommene Textpassagen als Zitat zu markieren, auch wenn sie aus Chat GPT stammen. Die Medien sollte aber auch differenzieren, ob die monierten KI-Passagen überhaupt wesentlich für die Aussagen des Autors sind oder Darlegungen ohne Originalitätsanspruch.
Die Nutzung von KI wird auch aus dem öffentlichen Diskursen nicht mehr auszuschließen sein – so wenig wie in Bildungsprozessen, Prüfungssituationen und Kriegen. Die Welt wird durch KI sicher effizienter, aber auch ein Stück weiter entmenschlicht.












