El Hassan Screenshot Youtube

Künftige Moderatorin der WDR-Wissenschaftssendung „Quarks“ wegen Antisemitismusvorwurf unter Druck

Der WDR hat mal wieder einen ordentlichen Skandal an der Backe: Ab November soll Nemi El  Hassan als eine Moderatorin für die Wissenschafts-Sendung Quarks arbeiten. Diese Ankündigung hat Proteste ausgelöst. Nemi al Hassan ist 28 Jahre alt. Sie hat vor sieben Jahren beim bislang wüstesten und mit antisemitischen Äußerungen geradezu gespickten Al Quds- Marsch in Berlin teilgenommen. Sie hat als sehr junge Frau für die Beeinflussung in einer islamistisch eingestellten Hamburger Moschee geschwärmt. Sie hält laut Bundeszentrale für politische Bildung den Dschihad   – also umgangssprachlich gesehen – den Kampf um die muslimische Dominanz und gegen widerstreitende Auffassungen – für eine Art individuelle Wahrheitssuche.

Volker Beck fragte dieser Tage ungläubig, ob der folgende Tweed von Nemi El Hassan stamme beziehungsweise aus ihrem Account: „I call on Germany to pay Reparations to all Palestanians, who are indirect Victims oft he Holocaust.“

Das wird sich also noch klären. Alle Palästinenser sollen abgeleitete Opfer des Holocaust sein? Abgeleitet? Eine zumindest sehr merkwürdige Auffassung, die zu erklären ist.

Nemi El Hassan ist eine noch junge Frau. Sie ist Ärztin, sie ist auf You Tube zu finden, sie schreibt über sich und ihren Weg in Studium und Beruf in Zeit und TAZ; sie geht auf die Bühne, um durchaus beeindruckend im Reim zu reden, slam Poetry zu betreiben, sie will offenkundig öffentlich unbedingt wahrgenommen werden – auch mit  kritischen Äußerungen zu stockkonservativem Islam und Patriarchat, sie will Zustände aufbrechen. Und sie hat einen Fehler eingestanden und sich entschuldigt.

Sie gerät ob aus Naivität oder damit rechnend in die scharfe Auseinandersetzung zwischen denen, die die Rechte der Juden in Europa verteidigen und denen, die diese Rechte missachten. Sie muss das rückhaltlos klären.

Sie bewegt sich in Europa auf einem Terrain, auf dem Naivität nicht akzeptiert werden kann. In der Schweiz wurde beispielsweise nun bekannt, dass der dortige Presserat die Beleidigung von Juden in eine gängige, nicht zu ahnende Norm packte, die scharfen Worte in Richtung eines offenkundig rechtsgerichteten Zeitgenossen als kritikwürdig bezeichnete. In Frankreich verlassen fortwährend Juden das Land aus Angst vor islamistischen Anschlägen auf sie. In Großbritannien steht ein Teil der altehrwürdigen Labour Party im bitteren, erhärteten Verdacht, antisemitisch zu sein. Und dass in der Bundesrepublik Jüdinnen und Juden Furcht vor Verfolgung und vor Angriffen auf sie haben ist bekannt.

El Hassan ist offenkundig einer der vielen, die alle Möglichkeiten der heutigen Kommunikation extensiv nutzen. Manche sind gleichzeitig mit Opfermentalität und Sendungsbewusstsein ausgestattet, auf den Augenblick fixiert und durchaus beruflich versiert. Sie wollen wahrgenommen werden, am besten Symbol werden, die eigene „Wahrheit“ in jedes Mikro und in jeder Kamera, zu sprechen, die sich entgegenstreckt. Verletzungen, die so ein Verhalten hinterlässt, die Ängste auslösen und schreckliche innere Bilder aktivieren, dürfen nicht ignoriert werden. Klarheit – auch im WDR mit seiner Personalpolitik – ist nötig. Und weil das so ist, geht in diesem Fall Quarks nicht.

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Klaus Vater
Über  

Redakteur 1972 und bis 89 in wechselnden Redakteursaufgaben. 90 bis 99 wiss. Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion, Büroleiter Dreßler, 2000 Sprecher Bundesarbeitsministerium, dann des Bundesgesundheitsministeriums, stellv. Regierungssprecher; heute: Publizist, Krimiautor, Lese-Pate.


'Künftige Moderatorin der WDR-Wissenschaftssendung „Quarks“ wegen Antisemitismusvorwurf unter Druck' hat einen Kommentar

  1. Avatar

    16. September 2021 @ 21:52 Horst Schulte

    Sie haben das m.E. gut analysiert und die richtige Schlussfolgerung gezogen. Mal sehen, wie es weitergeht.

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