Leonardo da Vinci, Selbstportrait 1512

Leonardos Erbe- Über die Erfindungen da Vincis

Matthias Eckoldt, Autor mehrerer Sachbücher und Romane, hat ein Buch über einen großen und gewiß auch großartigen Mann geschrieben, über den in diesem Jahr sicher noch sehr viel publiziert wird, zumal wenn er 500 Jahre tot ist: Leonardo da Vinci. Das im Penguin Verlag erschienene Buch(„Leonardos Erbe“) trägt den Untertitel „Die Erfindungen da Vincis – und was aus ihnen wurde“. Ohne zuviel zu verraten will ich gleich zu Beginn sagen, es ist ein spannendes Werk geworden mit einer überraschenden These und überraschenden, auch amüsanten Wendungen, wie sie auch im frühen 16. Jahrhundert nicht unüblich waren, weder im Norditalien der Renaissance noch im Frankreich Franz I., in dem da Vinci zu Amboise an der Loire seinen Lebensabend verbracht hat und wo er auch gestorben ist: „Da ich einsehe, daß ich einen Stoff von großem Nutzen und Reiz nicht mehr wählen kann, weil die vor mir geborenen Menschen schon alle nützlichen und notwendigen Themen vorweggenommen haben, so will ich es machen wie einer, der wegen seiner Armut zuletzt auf den Jahrmarkt kommt und dort, zumal er sich nicht anders versorgen kann, all jene Sachen nimmt, welche die anderen schon angesehen und nicht genommen, sondern wegen ihres geringen Wertes zurückgewiesen haben.“ Diese Worte da Vincis hat der Autor nicht ohne Bedacht ausgewählt, weil er sich an einer von drei möglichen Thesen abarbeiten will.

 War da Vinci ein Unversalgenie?
War er nicht nur eine, sondern vielmehr mehrere Personen?
Oder: Ist das Bild, das wir seit langer Zeit von Leonardo da Vinci haben, von maßgeblichen, gravierenden Missverständnissen geprägt!?
Handelt es sich bei ihm gar um eine Legende der Nachgeborenen, fragt Matthias Eckolt. Dann müßten seit dem Todesjahr des Mannes, der mit dem Christus-Porträt „Salvator Mundi“ das teuerste Gemälde der Welt geschaffen hat,  sehr viele Dinge geschehen sein, die ihn zum Ingenieur und Architekten werden ließen. Daran zweifelt Eckoldt unter anderem mit dem Hinweis auf des Menschen Traum vom Fliegen. 2000 Jahre vor Leonardo läßt Homer seinen Technikfreak Dädalus eine Flugmaschine bauen, von der da Vinci natürlich wußte, als er seine erschuf. Er geht spannende Wege, um seine These zu verfolgen und zu begründen und, ohne hier viele Beispiele zu nennen, beginnt er doch mit einem Mann, der bereits 50 Jahre nach dem Tod dieses großen Künstlers mit der ersten Biografie über ihn begann, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: Es war Giorgio Vasari, der Hofmaler der Medici, der es sich bis zu seinem Tode 1574 zur Lebensaufgabe gemacht hatte, alle bedeutenden italienischen Künstler der zurückliegenden drei Jahrhundert zu porträtieren und mit da Vinci aufzuhören.

Vasari hat nicht nur für Leonardo geschwärmt, er war auch der erste, und einer von ganz wenigen, die den da-Vinci-Nachlass durchforschen durften, wenn auch die argwönischen Erben, allen voran Francesco Melzi, immer dabei waren. Allerdings, bei aller Bewunderung und Schwärmerei des Italieners, von Erfindungen ist in seinen Schriften nichts zu lesen, schreibt Eckholt. Es gebe auch keine Modelle, schließlich gingen die Notizbücher durch die Jahrhunderte bemerkenswerte und auch merkwürdige Wege, dienten nicht als Anregungen für spätere Erfindungen, auch nicht für das U-Boot. Schließlich ist bis in die frühen Jahre des vergangenen Jahrhunderts da Vinci für die Menschen der Maler und nicht der Erfinder gewesen. Mit einzigartigen, nur selten zu sehenden Werken. Das hat Eckoldt in seinem sehr lesenswerten und auch spannenden Buch einleuchtend dargelegt, nicht ohne Bewunderung für den großen Künstler, den  Weisen, den sehr gebildeten, charmanten Mann und guten Sänger. Als Erfinder stellte ihn endlich Benito Mussolini heraus während einer großen Ausstellung 1939 in Mailand, als der Duce der Öffentlichkeit den nach ihm zweitgrößten Sohn Italiens vorstellte: Leonardo da Vinci!

Matthias Eckholdt: Leonardos Erbe- Die Erfindungen da Vincis und was aus ihnen wurde. Penguin Verlag. München. 2019. 320 Seiten. 1o Euro. ISBN978-3-328-10328-8

Bildquelle: Public Domain

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Der Fernseh- und Radiojournalist arbeitete als Kulturredakteur und später als ARD Korrespondent in Washington und Mexiko. Seit 2002 ist Hafkemeyer Professor an der Berliner Universität der Künste.


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