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Mal wieder Geschwurbel über die Verantwortung der Medien

Peter Schneider Von Peter Schneider
23. September 2026
zusammengelegte Zeitung in Seitenansicht

Es ist so viel gesagt und geschrieben worden über die Verantwortung der Medien und ihrer Berichterstattung. Es ist gut, als seriöser Journalist daran erinnert zu werden. Deshalb treffen sich in regelmäßigen Abständen, ganz selbstreferenziell natürlich, Journalisten, um über sich, ihren Berufsstand und die Verantwortung, die damit einhergeht, zu sprechen, besser zu schwadronieren. Dass ein jeder Journalist Verantwortung, Haltung und Glaubwürdigkeit haben muss, hat jeder Journalist bereits zig Mal gehört, besser, hören müssen. Da erheben sich Verleger oder Chefredakteure und erzählen, wie guter und moderner Journalismus in Krisenzeiten geht bzw. gehen müsste. So weit, so gut. Oder nicht.

Das Problem: Sie erzählen immer das selbe, verkennen Tatsachen und ihre Worte haben oft mit der Realität der Journalisten vor Ort in den Redaktionen und der Menschen draußen, gelinde gesagt, wenig zu tun. Elfenbeinturmdenken oder einfach nur Abgehoben von den Alltagsumständen vieler Journalisten, ob lokal oder national, ob frei oder festangestellt.

Da werden hochtrabende und gut klingende Fragen im Gewandt von Floskeln gestellt, wie „Was passiert mit einer Demokratie, wenn Menschen sich vom Journalismus nicht mehr gehört fühlen?“ oder „Und wie können Medien Vertrauen zurückgewinnen?“

So auch kürzlich beim Stiftungstag der Brost-Stiftung in Essen. Dort plauderten Verlegerin Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, und Eric Gujer, Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), stellvertretend für viele andere gleichlautende Formate, über Vertrauen und Journalismus. „Die Stiftung fördert unter anderem Qualitätsjournalismus und damit Medienangebote, die verlässlich informieren, unterschiedliche Perspektiven abbilden und Teil eines demokratischen Diskurses sind“, heißt es in einem Vor-Ort-Bericht dazu auf der Webseite der Westdeutschen Allgemeine Zeitung (WAZ). Dabei geht die Autorin bei ihrer Berichterstattung rein deskriptiv und wenig kritisch-analytisch vor. Letzteres wäre hier geboten gewesen, auch, wenn sie mitunter ihrer eigenen „Chefin“ Contra geboten hätte.

Am Anfang wird herausgestellt, dass „nicht einmal jeder zweite erwachsene Internetnutzer in Deutschland den Großteil der Nachrichten für vertrauenswürdig“ halte. Wie traurig, aber das ist beileibe nichts Unerwartetes. Lediglich 45 Prozent der Befragten sagen laut dem Bericht aus, dass sie „den meisten Berichten vertrauen können“. Grundlage dieser Äußerungen sei der aktuelle Reuters Institute Digital News Report 2025 der Universität Oxford. Und: Am Besten schnitten noch der öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie Lokal- und Regionalzeitungen ab. Auch das ist nichts Neues, zeigt doch die die bekannte Langzeitstudie Medienvertrauen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz seit ungefähr 18 Jahren, dass das Vertrauen der Menschen in die Medien grundsätzlich stabil ist. Etwa 47 Prozent der Befragten geben laut der Mainzer Studie an, den Medien bei wichtigen Themen zu vertrauen. Regionale Zeitungen und öffentlich-rechtliche Sender hätten oft das höchste Vertrauen. Dabei hänge das Vertrauen „stark von der politischen Einstellung der Befragten“ ab. Es liest sich alarmierend, wenn geschrieben wird, dass nur noch jeder Zweite in Deutschland Vertrauen in die Medien habe. Dabei ist das nicht Besonderes, sondern ein statistischer – empirischer – Wert seit vielen Jahren. Dennoch hat die Medien- und Presselandschaft es nicht vermocht, daran bislang etwas (Grundlegendes) zu ändern.

Es ist wie alter Wein in neuen Schläuchen, wenn Julia Becker sagt, dass Qualität mit einem Versprechen beginne. „Journalismus müsse dem Pressekodex verpflichtet sein, Informationen überprüfen und nach dem Vier-Augen-Prinzip arbeiten.“ Natürlich, was denn sonst? Das geschieht schon seit Langem, das lernt der junge Journalist in der freien Mitarbeit, auf der Journalistenschule oder später im Volontariat. Übrigens sind das wichtige Attribute nicht nur im Journalismus. Warum also das so herausstellen? Sie, Becker, möge sodann ins Feld führen, dass es eben auch Journalisten gibt, die das nicht mehr machen. Dann sind das aber keine Journalisten. Oder welche, die dafür keine Zeit mehr haben, weil Verleger sie mit Arbeit überschütten, sie für drei Kollegen aufgrund von personellen Einsparungen arbeiten und weil sie vielleicht selbst, leider, wegen des permanenten Drucks und der Arbeitsbelastung keinen Anspruch mehr in journalistische Qualität haben.

Becker setzt noch einen drauf: „Die Menschen bezahlen dafür, dass sie sich auf sichere, relevante Informationen verlassen können.“ Das ist selbstredend und klingt abermals abgedroschen. Handwerkszeug, das Rüstzeug des Journalisten, ist es, zu prüfen, Relevantes und Irrelevantes zu differenzieren und verschiedene Quellen zu betrauen und benutzen. Mehr noch: Mindestens zwei, am besten unterschiedliche, Quellen zu befragen zu einem Sachverhalt, Gegenseiten zu hören und zu berücksichtigen, einzuordnen, zu kritisieren, das „Haar in der Suppe zu finden“, wie mir einst ein Redaktionsleiter sagte. Wenn Becker. Journalisten daran erinnert, übt sie indirekt Kritik am Arbeitsstil vieler Kollegen, die ihrer Meinung nach nicht pressekodex-affin arbeiteten, scheint es. Was sagen ihre Funke-Redakteure dazu? Fühlen sie sich angesprochen oder angegriffen? Nun, weiß Becker und Co, wie es in den meisten Lokal- und Regionalredaktionen – ausgedünnt – tatsächlich aussieht, was für ein Produktionsdruck herrscht, wie miteinander umgegangen wird oder wie viele Überstunden tatsächlich geleistet werden müssen, um den immer steigenden Anforderungen gerecht zu werden? Vielleicht nicht unbedingt bei Deutschlands größtem Regionalblatt, der WAZ, aber selbst die Zeitung des Ruhrgebiets hat kräftig ausgedünnt und immer wieder Entlassungswellen hinter sich und auch noch vor sich – bestimmt. KI macht’s möglich.

Dann kommt der Chefredakteur der (rechts-)konservativ-liberalen NZZ, Eric Gujer, ins Spiel und führt laut Bericht an: „Vertrauen entsteht dann, wenn Leserinnen und Leser sagen können, dass sie einer journalistischen Stimme auch bei inhaltlicher Uneinigkeit Glauben schenken.“ Noch so ein Getöse. Das wollen doch die Leser auch haben. Sie wollen mit divergierenden Meinungen und Ideen konfrontiert werden, um sich selbst ein Urteil bilden zu können. Dafür steht ein ernstzunehmendes Blatt per sé. Sollte zumindest! Redaktionslinie bzw. Chefredaktionslinie, wenn es so etwas überhaupt noch gibt – schreibt doch jeder Redakteure nach seinem politischen Gusto auf, was er will im Kommentar oder im Leitartikel – hin oder her. Zu differenzieren und zu gewichten ist essentiell, vor allem im Kommentar. Erschwerend hinzu kommt für viele Redakteure in den Lokal- und Regionalblättern und -medien, dass für einen Kommentar und einem Leitartikel nur eine gewisse, kleine Anzahl an verfügbaren Zeichen zu Verfügung stehen, sodass auch allein schon aus Platzgründen nicht elaboriert werden kann.

Journalisten, was bestimmt stimmt, aber auch eine herbe Kritik an Kollegen ist, hätten, so Gujer, in den vergangenen Jahren komplexe Probleme oft zu einseitig betrachtet. Es sei ihre Aufgabe, gerade dort hinzusehen, „wo man es eben nicht genau weiß“. Stimmt sicherlich, passiert viel zu selten – gerade im Lokalen, wo oft Hofberichterstattung praktiziert wird, mit Kritik an Stadtverwaltung, Ratsherren und Gesellschaft – „das sind doch unsere Leser, die wollen und können wir nicht verprellen“ (Zitat eines Redaktionsleiters aus Baden-Württemberg) – gegeizt wird und wenig Ressourcen für Investigatives und Langzeitrecherche(n) vorhanden sind.

Eric Gujer meint gemäß dem WAZ-Bericht, dass sich Redaktionen nicht vorschnell mit der ersten vermeintlich eindeutigen Antwort zufrieden geben sollten. Stimmt auch. Ist aber leicht gesagt, wenn man nicht bei großen Blättern wie der NZZ oder Medien arbeitet und am selben Tag mit der Geschichte in die Zeitung muss und eben keine Zeit für (längere) Recherche hat. Heike Faller nennt es in ihrem lesenswerten und interessanten „Zeit“-Newsletter zum „Besseren schreiben“ so: Nicht das aufschreiben, was alle aufschreiben und schon überall steht. „Bei tollem Erzähljournalismus kennt man die Grundthesen vorher nicht. Und die Journalistin oder der Journalist ist offen genug, die Annahmen, mit denen sie oder er in eine Geschichte gegangen ist, von der Wirklichkeit infrage stellen zu lassen.“ Und: „Reality bites: Das passiert oft am dritten Tag der Recherche, wenn man merkt, dass alles ganz anders ist als angenommen. Ist anstrengend, aber hier beginnt eigentlich Journalismus.“ Wie recht sie doch hat.

Deshalb sollten Journalisten (nicht nur beim Schreiben) nicht einfach nachplappern, was alle sagen, so ihr nachvollziehbarer und eigentlich logischer Tipp. Nicht nur viele Lokal- und Regionaljournalisten plappern, ein wenig umformuliert natürlich, leider allzu oft das nach, was sie in den Überregionalen lesen oder bei Lanz oder Maischberger hören (Stichwort Meinungsführerschaft und Schweigespirale) und übernehmen auch zu oft unreflektiert Regierungs- und Politik-PR und deren Sprache (Framing). Das sollten Becker und Gujer mal nach vorne stellen und sich kritisch hinterfragen, in wie weit das bei Funke und der NZZ passiert, statt mit Allgemeinplätzen oberlehrerhaft daher zu kommen.

Sabine Schiffer, Professur für Journalismus und strategische Kommunikation in Frankfurt am Main, hat kürzlich ein Interview zu Desinformation sowie Propaganda und journalistische Praktiken gegeben. Darin mahnt sie an, Medienbeiträge, die nur auf eine Quelle zurückzuführen sind, auch als solche zu kennzeichnen und nicht banal zu übernehmen. Es handele sich dann um „strategische Kommunikation und nicht um Journalismus“. Denn verantwortungsvoller Journalismus brauche zwingend eine zweite unabhängige Quelle – gerade, wenn es um Politik und Kriegs- und Verteidigungsberichterstattung gehe.

Dann geht es bei dem Treffen in Essen um die viel zitierte Nähe im Journalismus. Für Julia Becker sei Nähe eine entscheidende Voraussetzung – „besonders greifbar werde dieser Anspruch im Lokaljournalismus“, heißt es im WAZ-Text. Stimmt. Aber es gibt wieder einmal eine Einschränkung und einen Widerspruch dabei. Nun, wieso hat etwa die Funke Mediengruppe ihre diversen Stadtteilredaktionen geschlossen und sie an einem Ort „gebündelt“? Viele Bürger und Leser in den Stadtteilen der Ruhrgebietsstädte sind gerne in die kleinen Redaktionen in den jeweiligen Stadtteilen gekommen, haben sich informiert, ausgetauscht mit den Redakteuren und so sind viele interessante Storys entstanden. Für viele Menschen ist nun ein wichtiger Anker und Ort zum Austausch weggebrochen. Für viele ist der Weg in die Innenstadt nun zu weit oder sie wollen ihn nicht mehr auf sich nehmen. So verliert die Redaktion Geschichten, Beziehungen und vor allem die angeführte Nähe zu den Bürgern /Lesern. Zweitens sind viele Redaktionen – spätestens nach den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris – zu geschlossenen Entitäten geworden. Die arbeiten heutzutage zu oft huis clos. Früher konnte man unbeschwert und ohne vorher Anmeldung die Redakteure (an)treffen. Heute ist das nur noch in Einzelfällen möglich. Viele Redakteure und Journalisten sollen auch vom Bürger nicht mehr „gestört“ werden, hört man aus Verlagshäusern. Lieber sollen sie eine Mail oder – auch rückläufig – zum Telefonhörer greifen, um ihr Anliegen vorzutragen. Leser und Bürger berichten davon, dass viele Redaktionen nicht mehr erreichbar sind – weder per Mail (man bekommt keine Antworten) noch per Telefon (man wird nicht durchgestellt oder bekommt auch hier keinen Rückruf). Das ist alles, aber dezidiert keine Nähe, von der Julia Becker redet.

Es reicht nicht aus, wenn Reporterinnen und Reporter den Menschen, über die sie berichten (sollen), immer wieder im Rathaus, auf dem Marktplatz, im Verein oder bei öffentlichen Veranstaltungen begegnen. Auf Terminen im Rathaus oder sonst wo kann nicht über Hinz und Kunz oder über eine andere spannende Sache in der Form gequatscht werden wie, wenn man sich Zeit nimmt und den Bürger in die Redaktion einlädt. Auf Terminen wird oft monothematisch das jeweilige Thema abgehandelt und der Redakteur hat aufgrund von Zeitdruck nicht die Muse, sich länger als gebührend mit den Menschen zu unterhalten.

Man kann kritisch anführen, dass heute ein wesentliches, digitales Kommunikationsmittel hinzugekommen ist und persönliche Nähe ersetzt. Nur sind Mails oder eben Social Media natürlich hilfreich, effizient und zeitsparend, aber wirkliche Nähe wird damit nicht erzeugt. Auch bekommt man nicht immer unmittelbar eine Rückmeldung. Im persönlichen Gespräch ist sie geboten – allein schon aus Höflichkeit, die hinter den Bildschirmen (zunehmend) zu verschwinden droht.

Becker sagt letztlich auch, dass „Vertrauen jeden Tag neu erarbeitet werden muss – vor allem dadurch, mit den Menschen zu sprechen, statt über sie.“ Mein Reden. Seit der sogenannten Flüchtlingskrise von 2014 und 2015 sprechen wir Journalisten aber nach wie vor viel zu häufig über diese Menschen statt mit ihnen oder geben ihnen keine Stimme. In vielen Regionalblättern liest man von Flüchtlingsheimen, von Straftaten der Flüchtlinge und von Herausforderungen in der Arbeit mit geflüchteten Menschen. Dass sie sich selbst mal zu Wort melden, ein Interview oder ein anderes Format bekommen, geschieht eher selten. In linksliberalen oder weniger bürgerlichen Medien liest man schon öfter mal ein Portrait über Geflüchtete, die sich gut integriert haben, Arbeit gefunden haben oder das Abitur mit einem Einer-Schnitt absolvierten. Daran sollte etwas geändert werden – auch, wenn es um andere Gruppen geht.

Gesprochen wurde selbstredend auch über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Auch hier wurde moniert, dass Augenhöhe in der Beichterstattung nicht vorhanden gewesen sei. Dass der Osten Deutschlands als Sonderkategorie gesehen wird in vielen deutschen Medien. Becker sagt dem Bericht zufolge, viele westdeutsche Medien hätten in einer Tonalität berichtet, durch die sich Menschen vor Ort nicht ernst genommen fühlten. „Die Unterscheidung zwischen ‚denen da drüben‘ und dem Rest des Landes hat eher Distanz geschaffen, statt Verständnis zu ermöglichen.“ In wie weit die Zeitungen der Funke Mediengruppe, die mit ihrer Zentralredaktion in Berlin etliche Medienhäuser in Deutschland beliefert, auch dazu beigetragen hat, wird nicht thematisiert.

Zurück zur Nähe. Redakteure hätten eine „Bringschuld, zuhören, nachzufragen und auch in Regionen sichtbar zu sein, die weit von den politischen und medialen Zentren entfernt sind“, meint Becker im überzogenen „Verlegerton“, der naturgemäß stets mehr fordert als auf die Bedürfnisse der Redaktionen einzugehen. Viele Redakteure oder Betriebsräte trauen sich auch nicht mehr aufzulehnen gegen Neuerungen oder arbeitsverdichtende Vorgaben von oben. Zu groß ist ihre Angst vor Sanktionen oder dem Jobverlust.

Wenn man sich aus der Fläche zurückzieht, Redaktionen schließt und dabei auch regelmäßig Personal abbaut, kann doch keine Zeit mehr für Nähe und Sichtbarkeit in der Region gegeben sein.

Auch wurde über die wichtige Frage nach Haltung im Journalismus gesprochen, worauf Becker lediglich antwortet: „Entscheidend ist vielmehr, ob Bericht und persönliche Meinung voneinander getrennt werden.“ Eine persönliche Einschätzung müsse als solche gekennzeichnet sein. Was hat das mit journalistischer Haltung zu tun? Haltung ist, auch das zu vertreten, wenn andere oder die Mehrheit, eine andere Haltung, Meinung, vertreten bzw. vertritt. Oft knicken Redaktionsverantwortliche ein, wenn ein Leserbrief oder ein Anruf aus dem Rathaus kommt, der sich nicht einverstanden gibt mit der Berichterstattung, die natürlich fehlerfrei sein muss. Dann wird ein Gefälligkeitsbericht nachgeliefert, um die erhitzten Gemüter zu besänftigen. Geht so Haltung?

Eric Gujer fordert gar mehr Demut von den Journalisten. Nur wobei konkret? Er wird laut dem Bericht in der WAZ so zitiert: „Journalisten dürfen ihrem Publikum nicht vorschreiben, was es denken soll. Vielmehr müssen wir relevante Sichtweisen abbilden, sie anhand von Fakten überprüfen und ihre Widersprüche offenlegen.“ Passiert nur leider zu selten in der NZZ, wenn beispielsweise über Migration und Migranten in Deutschland berichtet wird und ein düsteres und migrationsfeindliches Bild gezeichnet wird. Da herrscht ein Kanon von rechtsliberalen und zum Teil reaktionären Einstellungen in den Artikeln vor, die alles andere als „relevante Sichtweisen“, nämlich der von Migranten und nicht-rechtsliberalen Argumenten, berücksichtigt. Es wird vielmehr dem Leser eine Meinung aufgedrückt, die ihm Angst machen soll – vor dem Islam, Migration und Integration. Bestes und jüngstes Beispiel ist Gujers Leitartikel über die angeblich zunehmende Islamisierung in Europa mit dem reißerischen Titel „Kampfansage der Jihadisten – in Europa schreitet die Islamisierung voran: Die Anschläge des 11. September 2001 waren ein Weckruf. Der weltweite Machtanspruch des militanten Islam lässt sich nicht mehr leugnen“ vom 11.September.

Letztlich gewinnt man den Eindruck, die Herren und Damen, die da geschwollen über Nähe, Haltung, Pressekodex, Glaubwürdigkeit und Verantwortung im Journalismus reden, halten selbst nicht das, was sie propagieren.

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