Olé, olé, olé! Gleich geht’s loo-os: Deutschland-Fahnen auf Autospiegeln, Balkonen, im Rasenbeton. Was uns medial erwartet, zeigten neulich ARD und ZDF: Als Weltnachricht Nr. eins stellte DFB-Bundeskanzler Nagelsmann den WM-Kader vor. Bisher wirkt die Vorfreude gebremst, obwohl das Zweigestirn Infantino/Trump die größte, schönste, spektakulärste Fußball-WM ever verspricht. Die größte wird’s auch, weil die Fifa das Turnier mit 48 Teams und 104 statt 64 Spielen zum Super-Size-Event aufbläht. Spektakulär sind aber vor allem die Wucherpreise.
Würden mich WM-Fans um Reisetipps bitten, tät ich ihnen zu einem WM-Kredit raten – bei der WM erwartet sie eine gewaltige Dollar-Zutzl-Maschine. Ein Hotdog mit Budweiser Plempl kann da schon mal 20 Dollar reißen, ein Parkplatz beim Stadion L.A. 300 Dollar. Für 29 Kilometer zum Stadion blechen Fußballfans im Nahverkehr von New Jersey statt 12,90 nun vermutlich 150 Bucks als WM-Zuschlag, eine Nacht in Houston wird in Stadionnähe schon mal für 2000 Dollar angeboten.
„Für Geld, da kann man alles kaufen – auch Leute, die dem Ball nachlaufen“, sang die Valentin-Wiedergeburt Fredl Fesl in seinem Fußball-Lied. Wer die Käufer sind, verrät die WM 2026. Beim Ticketverkauf der Plattform „Fifa Collect“ ermittelten Kontrollbehörden der Schweiz wegen illegalen Glücksspiel-Verdachts, weil man über diese Foren Zufalls-Kartenbündel vertickert, ohne dass der Fußballfan Einfluss auf die gewünschten Billetts hat. Tricketing statt Ticketing! Auf Wiederverkaufsplattformen für nicht gewünschte Spiele kassieren die gemeinnützigen Fifa- Sportfreunde dann noch mal 30 Prozent, was selbst bestimmte Vorrunden-Tickets mitunter auf mehr als 2000 Euro pusht. Steht im Buche Fifa auch geschrieben, Karten fürs WM-Finale sollen keine 1500 Dollar überschreiten, sind jetzt trotzdem vier für 2,3 Millionen Dollar aufgerufen. Beim Kauf würde die Fifa-Nostra mit 30 Prozent darauf 690 000 Dollar abräumen. Wo bleiben eigentlich Reisewarnungen unseres Außenministers? Nehmen Sie keine LGBTQ-Fahnen, Anti-AfD- oder sonstige Anti-Nazisymbole mit! Säubern Sie Laptop, iPad oder Handy von verdächtigen In- halten! Sonst könnten Sie wegen einer falschen Mail den Rückflug antreten. Sind Sie durch einen Römer im Genpool mit dunklem Haar vorbelastet, färben Sie die Haare vor der Reise zur WM blond, ICE-Mastinos reagieren schnell allergisch. Und kommt zum Unglück Pech dazu, landen Sie per Gratisflug in Honduras. Dagegen verkürzen Aufkleber von Elon Musk oder eine Maga-Kappe die Einreisezeit.
Fifa und DFB legen bekanntlich großen Wert auf das Engagement gegen Rassismus, für Völkerverständigung. Wegen der Einwanderungs- und Visabestimmungen der USA kann man sich bei dieser WM leider nicht mit Fußballfreunden aus Haiti oder Iran verständigen. Die müssen nämlich draußen bleiben – trotz bezahlter Tickets. Fans aus Algerien, Kap Verde, Senegal oder Tunesien dürfen bei der antirassistischsten WM aller Zeiten aber gerne dabei sein – wenn sie im US-Visa-Bond-Programm 10 000 Dollar hinterlegen
Sollten Sie trotz dieser positiven Vorgaben die Lust an der persönlichen Teilnahme der Super-WM verloren haben, können Sie die Spiele auch im Heimkino sehen und staunen, wass ich bei der Fifa-Mega-Maga-WM sonst noch alles ändert. Dass Schiedsrichter von der Fifa angehalten sind, nach 22 Minuten eine Trinkpause zu pfeifen, ergibt bei 31 Grad in Miami Sinn. Bei zehn Grad in Vancouver schaut’s eher nach einer für Werbespots geschaffenen Viertel-Teilung statt der sonst üblichen zwei Halbzeiten aus. Offenkundig dürstet die Fifa nach lukrativen Werbe-Trinkpausen. ARD und ZDF kassieren für die Pausen von drei Minuten pro 90 Sekunden Werbespot 108 000 Euro; die Fifa räumt durch den Verkauf der Übertragungsrechte vier Milliarden ab. Und ja, endlich gibt’s beim Finale eine Halbzeit- Show nach Super-Bowl-Muster.
Aber wie kam das WM-Sommermärchen eigentlich in die USA, wo Soccer so populär ist wie finnischer Gummistiefel- Weitwurf in Bayern? 2017 tauchte in Ermittlungsakten des FBI gegen argentinische Rechtehändler auch der Name Infantino auf. Nach der Wahl von Trump verschwand die Akte des mit US-Stimmen zum Fifa-Paten gekürten Gianni – die WM 2026 wurde an die USA vergeben. Für das Verschwinden der Akte stiftete Gianni statt einer Kerze an Maria seinem Amigo den Fifa-Friedenspreis – auch für die Beendigung nicht ausgebrochener Kriege.
In Los Angelos droht nun die Gewerkschaft der Gastronomie-Mitarbeiter „Lokal 11“ mit Streiks, falls nicht alle ICE-Banden von WM-Plätzen ferngehalten werden. Die Mullahs fordern, dass das Team Iran nicht im „Feindesland“ USA, sondern nurin Mexiko spielen soll. Jetzt rächt sich, dass Gierhals Infantino und King Kong Trump statt Komitee-Diplomaten das Turnier managen. US-Mittelstürmer Trump dribbelt um jeden Sinn herum, attackiert mit Rechtsaußen Hegseth gewohnt filigran Irans Abwehr und verweigert dem Team sportliche Unterkünfte. Da auf beiden Seiten nur Eigentore fallen und einzig Spritpreise steigen, droht der Dekret-Messi Trump nun Kuba mit der Übernahme, Oman gleich mit der Auslöschung.
Die WM in den USA, Kanada und Mexiko garantiert neue Flug- und CO2-Rekorde. Von Miami nach Vancouver sind es 4500 Kilometer. Gott sei Dank gibt’s laut Trump ja keinen Klimawandel, nur Zölle. Der DFB macht gute Miene zum lukrativen Spiel und nickt alles ab, wenn die Kasse stimmt. Warum kollaborieren demokratische Staaten mit als Sportorganisationen getarnten Banden der organisierten Kriminalität wie Fifa, IOC oder Uefa und lassen sich diktieren, was sie zu zahlen und tun haben? Was bei Spielen getrunken, gegessen, verkauft werden darf, wer Medienrechte kassiert! Also ich schaue – obwohl als Fußballer lange hyperaktiv – jedenfalls nicht mit zu. Wer weiß, viel- leicht läuft ja irgendwo Gummistiefel- Weitwurf. Selbst wenn Merz im Juni ein- schneidende Reformen verkündet, berichten ARD und ZDF vermutlich über Wichtigeres: Ein Heer von WM-Experten erklärt rund um die Uhr, dass der Ball rund ist. Und was macht Manuel Neuers Wadl?
Dieser Artikel wurde erstveröffentlicht in der SZ vom 29.5.2026
Mit Genehmigung des Autors Hans Well, Texter der aufgelösten „Biermösl Blosn“, heute tritt er mit seinen Kindern als „Wellbappn“ auf. Hans Well, geboren 1953 in Willprechtszell, spielt Gitarre, Steirische Harmonika, Bratsche, Saxophon, Trompete, Sopran Jagdhorn und Tenor-Alphorn. Er ist das 9. von 15 Kindern des Schulmeisters Hermann Well und seiner Frau Gertraud. Einen bayerischen Umweltskandal verspotteten die Biermösl Blosn einst, indem sie die Bayern-Hymne umdichteten: „Gott, mit dir, du Land der Baywa, deutscher Dünger aus Phosphat..“












