Ausstellung Richard Löwenherz

Richard Löwenherz zieht die Massen an

Das Thema ist ziemlich alt, rund 800 Jahre ist es her das Leben  von Richard Löwenherz, einer sagenumwobenen Gestalt aus dem Mittelalter. Erstmals widmet  mit dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer eine erstklassige Ausstellung diesem englischen Herrscher. „König-Ritter-Gefangener“ heißt der treffliche Titel. Und die ersten Monate der Zurschaustellung von rund 200 Exponaten rund um den König und die Zeit geben den Machern der Ausstellung Recht. Das Interesse ist riesig, wie es heißt. Vor kurzem wurde der 50.000ste Besucher begrüßt. Es sind Junge und Ältere, Familien, Schulklassen. Und das Schöne: Die meisten sind mehr als zufrieden mit dem Gebotenen. Der eine oder andere hätte es gern mal etwas heller, wenn er die Handschriften näher begutachten will, aber die alten Kunstwerke bedürfen der Schonung, mehr Licht würde ihnen schaden.

Der König ist ein Phänomen. Obwohl er kaum etwas Vorzeigbares bewirkt hat, obwohl kaum etwas von ihm geblieben ist, was bis heute zählte, obwohl der englische König, der von 1189 bis 1199 regierte, in der ganzen Zeit seiner Herrschaft vielleicht insgesamt nur sechs Monate in der Heimat verbrachte und die Sprache seiner Untertanen nicht beherrschte, trotz allem wird er verehrt, als hätte er wahre Wunder für England geschaffen. Und: Dieser Mann gilt  als eine Art Idealbild des Ritters, der nie kapitulierte, der besser mit dem Schwert umzugehen verstand als die Konkurrenten seiner Zeit. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Richard es mit den Tugenden nicht so genau nahm. In der heutigen Sprache wäre er auch ein Killer, der Gefangene einfach abschlachten ließ. Ein Gotteskrieger, der ein Massaker an Muslimen befahl.

Zum Königsreich gehörten Teile Frankreichs

Sein Königreich ging weit über England hinaus und umfasste weite Teile des Westens von Frankreich. Eine geographische Karte veranschaulicht Richards Reich, das er von seinem Vater Heinrich II ererbt hatte oder besser so: Die Kinder besiegten den Vater und Richard, der Lieblingssohn seiner Mutter Eleonore, übernahm das Regiment.

Ritter, Rabauke, ein schlechter Sohn, ein schlechter Gatte, ein schlechter König, aber ein kühner Krieger. Diese Urteile finden sich in den Werken von Historikern über Richard. Sein größtes Werk war vielleicht die Einlösung eines Gelübdes, was zum dritten Kreuzzug führte, der immerhin von 1189 bis 1192 dauerte. Auf dem Weg dahin hat er ganz nebenbei die Insel Zypern eingenommen, um sie dann großzügig, wie das so Herrschers Art damals war, weiter zu verschenken. Auf dem Rückweg wurde er dann wider alle Sitten festgenommen und festgesetzt auf der Burg Trifels, aber auch in Hagenau, Speyer, Worms und Mainz festgehalten. Seine Gefangenschaft muss man sich aber nicht so hart vorstellen, es ging ihm dort sehr gut, es wird berichtet, dass er von seinem Gefängnis aus sogar die Regierungsgeschäfte weiter betreiben konnte.

Lösegeld von 23 Tonnen Silber

Sagenumwoben wie alles um diesen Mann war dann auch das Lösegeld, das man vom Königshaus in England erpresste. 23 Tonnen reinen Silbers, kaum vorstellbar diese Menge. Um das Geld aufzubringen, musste vieles versilbert, fast alles zusammengekratzt werden. Am Ende war das Königreich fast ruiniert, hatte aber seinen König zurück. Er starb nicht so ganz ritterlich, von einem Armbrustschützen wurde er erschossen. Sein Pech, er hatte die Ritterrüstung abgelegt.

Zur Faszination Richard Löwenherz gehört, dass die Zeit und der Mann verfilmt wurde, zuletzt 1991 mit den Hauptdarstellern Sean Connery und Kevin Costner. Und wer die Legende liebt, schaut sich Robin Hood noch an.

Seine spannende Geschichte kann man sich in der Ausstellung anschauen, in einem Film, an Hand der Dokumente, der dargebotenen Schriften. Darunter sind kostbarste Handschriften, die erstmals in Deutschland zu sehen sind, Reliquiare, Skulpturen und Waffen. Der Geschichtsinteressierte stösst auf die damals herrschenden Dynastien: die Plantagenets, die Kapetinger, die Staufer und Welfen sowie die Ayyubiden im Nahen Osten. Die Ausstellungsstücke stammen aus Museen und Bibliotheken aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, England und der Schweiz.

Die Ausstellung ist durchaus besucherfreundlich. Man versteht sie auch ohne Führung  und man kann sogar auf einen Audio-Guide verzichten. Die Räume sind, wie oben erwähnt, etwas abgedunkelt, aber das muss bei älteren Stücken so sein, aber sie sind großzügig angelegt. Als wir das Museum am Sonntag besuchten, konnten wir uns in aller Ruhe umschauen.

Historisches Museum der Pfalz Speyer. Domplatz, 67336 Speyer. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Eintrittspreis: 14.50 Euro. Die Ausstellung geht bis zum 15. April 2018.

 

 

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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