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Schulterschluss beim DFB? Zum Lachen – Der „Spiegel“ analysiert die WM und das Scheitern der Deutschen

Alfons Pieper Von Alfons Pieper
26. August 2018
Analyse

In einem Punkt muss man dem „Spiegel“ widersprechen. In seiner Ankündigung schreibt er auf Seite 4:“ Die Lehren aus der deutschen WM-Katastrophe.“ Das hätten sie bei einem der Alten des deutschen Fußballs lernen können, bei Otto Rehhagel, der hätte nie von einer Katastrophe im Zusammenhang mit Fußball, mit Gewinnen oder Verlieren gesprochen. Katastrophen waren für ihn Nachrichten, die mit dem Tod von engsten Freunden und Nächsten zusammenhingen, oder mit Erdbeben, Seuchen. Aber doch nicht mit Fußball. Blamabel war der Auftritt der deutschen Elf oder Zwölf oder Dreizehn. Und wie das Hamburger Nachrichtenmagazin herausgefunden hat: Es war keine Mannschaft, die da bei der WM auf dem Platz stand, es waren Deutsche und Ausländer, jeder spielte für sich, keiner half dem anderen. Zusammenhalt, Teamgeist, Kampfgeist, wenn man so will deutsche Tugenden? Nichts davon. Elf Freunde wollt ihr sein? Von wegen. Überheblichkeit aber jede Menge. Man wähnte sich mindestens im Halbfinale, ehe der erste Ball auf russischem Boden gespielt worden war und landete dann auf dem Hosenboden.

Zwei Monate nach der Pleite wartet man in Deutschland immer noch auf die tief schürfende Analyse des Bundestrainers. Die wird er kaum bringen können, wenn er an allen Spielern und Gewohnheiten und Bequemlichkeiten festhält, wie das die selbst ernannten Experten erwarten. Es beginnt schon mit dem Begriff „Mannschaft“, wie ihn der smarte Oliver Bierhoff, der DFB-Manager creierte. La Mannschaft. Heute kann man darüber nur lachen. Da liefen Millionäre auf dem Platz herum, jeder war sich zu schade, mal reinzugrätschen. Kampf, Schweiß, das sind die Dinge der Alten, die früher hinter dem Ball herliefen. Und wenn ich im „Spiegel“ lese, dass Jogi Löw versprochen habe, dass seine Spieler wieder Grad fressen würden, dann kann ich auch darüber nur lachen. Wer soll das machen? Grass fressen, also rennen, fighten um jeden Ball, sich schmutzig machen. Erwartet er das auch von Herrn Kross, dem Erfinder des schweißfreien Spiels, wie das vor Wochen schon die SZ formulierte.

Hummels klang wie ein Veteran

Wer die Passage über Mats Himmels liest im „Spiegel“, fragt sich, wer die Redakteure des Magazins mit den Internas gefüttert hat. „Er ist nicht mehr so spritzig, es fehlt ihm an Tempo. Im Trainingslager hielt er vor Journalisten ein kurzes Impulsreferat zur Mentalität heutiger Jungstars. Himmels redete über Talente, die im Training keine Bälle mehr einsammelten, keine Tore mehr schleppten.. Er klag wie ein Veteran. Aber alle am Tisch nickten zustimmend. Hummels stand in Russland nie zur Disposition.“

Und weiter fragt der „Spiegel“: Warum er den müden Khedira wieder aufstellte? Ein Fehler, wie Löw später vor DFB-Funktionären eingeräumt haben soll. Viele von Löws Personalentscheidungen werden inzwischen kritisiert, so die Nicht-Nominierung von Sandro Wagner, der Mann mit brennendem Ehrgeiz. Und dann die Personalie Özil. In den Augen Löws an guten Tagen ein kleines Genie, das ein Spiel entscheiden kann. „Aber wann hatte Özil seinen letzten guten Tag in der Nationalmannschaft?“ Wenn man das alles liest im „Spiegel“, fragt man sich, warum wurde der Vertrag mit dem Bundestrainer vor der WM verlängert? Ich habe mich nach dem frühen Ausscheiden, dem müden, ja lustlosen Gekicke der Deutschen gefragt, warum Löw nicht zurückgetreten ist. Was will der Mann denn noch erreichen? Er war Dritter bei der WM in Deutschland, dann in Südafrika, schließlich Weltmeister in Brasilien. Klasse. Aber jetzt hat er nichts in den Händen.

Aber nicht nur Löw hätte seinen Hut nehmen müssen, auch Oliver Bierhoff, der mit Özil den Schuldigen meinte benennen zu müssen, den man hätte zu Hause lassen sollen. Warum wurde denn die Causa Özil/’Gündogan/Erdogan nicht vor der WM vom Tisch gebracht? Warum ließ man Özil sprachlos ins Turnier ziehen? Der „‚Spiegel“ berichtet, er habe mit Trainern, Beratern, Klubchefs, Managern, Spielern und DFB-Insidern gesprochen, an Löws Fachkompetenz zweifle niemand, aber an seinen Führungsqualitäten. Ich dachte immer, das gehört zusammen. Mich hat nicht gewundert, dass Löw, Bierhoff und Grindel den Schulterschluss geprobt haben vor einigen Tagen. Stichwort Grindel, der Präsident des DFB, den ein ehemaliger Sprecher des größten Sportverbandes der Welt als „schlechtesten Präsidenten“ bezeichnet hatte, den man je gehabt habe. Grindel, ein Journalist, der über das ZDF und seine Zugehörigkeit zur CDU Bundestagsabgeordnete wurde, nebenbei als Schatzmeister des DFB fungierte und sich schließlich zum Präsidenten wählen ließ. „Ein Karrierist“ nennt ihn jemand, der vorgibt, ihn zu kennen. Was hatte der mit Fußball zu tun? Nun gut, er wollte als Präsident auch mal den Pokal in Händen halten.

Ein Hardliner führt den multikulti DFB

Der DFB hat über sieben Millionen Mitglieder in fast 25OOO Vereinen, eine bunte Mischung   aus vielen Nationen in einem Verband. Wie bunt das zugeht, erkennt der, der sich mal die Aufstellungen in den Vereinen anschaut. Dort, gerade auf der unteren Ebene, in den Kreis-und Bezirksklassen findet Integration statt. Da spielt es keine Rolle, wie man aussieht, woher man kommt, welche Hautfarbe man hat. Entscheidend is aufm Platz, hat Adi Preißler, Dortmunds ehemaliger Meisterspieler mal gesagt. Aber was will der Grindel da? Er war in der Fraktion der Union als Hardliner bekannt. „Multikulti ist Kuddelmuddel“ hat er mal gesagt. Aber der DFB ist multikulti. Übrigens gilt das auch für die Bundesliga. Und in der Nationalmannschaft sind Namen wie Özil, Boateng, Gündogan der Normalfall. Oder Sané, oder Rüdiger, ein Schwarzer.

Es heißt in dem Spiegel-Bericht, bei der WM sei eine überhebliche Mannschaft gescheitert. Selbstverliebtheit, Hybris, Leistungsverweigerung, Selbstzufriedenheit, Begriffe, wie sie das Magazin nennt mit Blick auf die Spieler, man könnte sagen, auf den Charakter der Spieler gemünzt. Und dann befasst sich das Hamburger Blatt wieder mit Löw, dem Freigeist, der es sich nach dem Gewinn der WM zu gemütlich gemacht habe. Bildungsreisen zu Champions-League-Spielen seien ihm oft zu aufwändig gewesen. Niemand habe ihm auf die Finger geschaut. Ja ist denn niemand alarmiert gewesen nach dem miserablen Auftritten der Mannschaft quasi im gesamten letzten Jahr? Ist niemand stutzig geworden, als man gegen Österreich verlor, die gar nicht für das Turnier in Russland qualifiziert waren? „Wir sind eine Turniermannschaft“, der Spruch machte bei uns die Runde, will sagen, frei nach Löw: die „Mannschaft kann, muss, wird sich steigern.“ Nach dem Verlust des ersten Spiels gegen Mexiko hat ein ehemaliger Bundesligatrainer, so zitiert ihn der „Spiegel“, das Urteil gefällt: „Das ist keine Mannschaft.“ Stimmt.

 

Bildquelle: pixabay, user geralt,  CC0 Creative Commons

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Tags: AnalysenBierhoffDFBDFB-FührungFußballFußball-WMGrindelLöwscheitern DFB-ElfWeltmeisterschaft
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