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Home Gesellschaft & Medien

So lebt der Mensch in Berlins Mitte

Gerald Uhlig-Romero Von Gerald Uhlig-Romero
21. November 2014

Weshalb strampeln wir uns ab, weshalb diese Tüchtigkeit, dieses Gerenne nach Anerkennung, diese Arbeitswut, diese Boshaftigkeiten, dieses Laufen im Hamsterrad, dieser Fortpflanzungseifer, was soll das Ganze? Worauf läuft es hinaus? Bei diesem Spiel wäre ich gerne ein eiskalter Killer, mit philosophischem Abschluss, der mittags gegen 12 Uhr unseren hysterischen Gefühlen zwischen die Augen schießt. Aber ich bin einer, der den schönen Sätzen und den jungen Mädchen hinterher rennt. Ich bin ein lernendes, vergessendes, geiles, zwanghaftes, erinnerndes, festhaltendes System. Wer einen Traum verwirklichen will, muss erst einmal von ihm erwachen, wie die Glut aus der Tiefe des Erdkerns.

Mit meinem Magma habe ich einige Mauern in mir, in dir zum Brennen gebracht, in Berlin und ein paar anderen Orten, während die meisten Leute immer nur Absicherungsinteressen verfolgen und von Gleichheit faseln. Gleichheit ist Tod, Stillstand, Stromlosigkeit, Blut ohne Fluss. Was Mut angeht, sitzen die meisten von uns in der Dunkelkammer der Feigheit. Haben sie bemerkt, dass sie in ihrem Leben immer nur Erfüllungsgehilfen der Anderen waren? Unser scheinbares Ich rennt und hetzt immer noch von einem Termin zum anderen, von einem Trend zum anderen, von einer geglaubten Unverwechselbarkeit zur anderen. Wenn man einige Zeit gelebt hat bemerkt man doch, welche Ansammlung von Vollidioten sich unter dem Pseudonym Erwachsene verbergen.
Die gutverdienende deutsche Mittelschicht treibt auf einem Floss, von Informationen übersättigt, gehetzt, ständig in Angst und Zukunftspanik. Sie will Alles und das sofort, denn der verdrängte Tod rückt unaufhörlich näher. Keiner hält sich selbst mehr aus, man ist überall und nirgends zugleich.Der Schlaf ist abgeschafft. Keiner will etwas verpassen. Schwimme mit oder gegen den Fluss, es ist völlig egal! Aber vielleicht sieht dein Therapeut das ja ganz anders. Nichts ist planbar, alles ist Zufall. Wobei der eine Zufall ins Glück wächst, der andere ins Unglück. Der eiskalte Killer, der ich nicht bin, wünscht sich manchmal, er wäre ein Känguru und könnte vom Beutel seiner Mutter aus die Welt betrachten. Von hier sieht er es genau: Es gibt keinen guten oder schlechten Menschen. Alle wollen wir nur eines: überleben und geliebt werden! Du musst versuchen mit allen Mitteln deines Schauspiels das zu werden, was die Leute von dir erwarten! Sonst hast du keine Chance. Es sei denn, dass du manchmal Milliardär bist. Nimm also dein Anpassungsalphabet zur Hand und werde ein Chamäleon im Zeitgeist, in dem jeder gefangen ist. Nachts allein an der Bar, im Bett, wirst du sehen, was dein Gehirn für deine Träume übrig gelassen hat. Jede Art von Gemeinschaften, religiös, politisch, wirtschaftlich wird sich mit der Zeit zu Räuberbanden entwickeln. Wenn du da raus willst, werden sie dich übel zurichten . Allein aber, draußen in der Prärie, wirst du elend verrecken.

Wir alle wollen jemand sein, gesehen werden, alle wollen Talkgäste im Leben sein, betrunken von sich selbst.(Eitelkeit ist Eigenliebe, die sich zeigt, Bescheidenheit ist Eigenliebe, die sich versteckt.) Es geht um die Kunst des Dabeiseins. Dabei ist jeder nur da als Gesprächstoff für die anderen. Die wenige Lebenszeit, die uns bleibt, zieht uns die Ruhe aus dem Leib. Gott verteilt keine Identitäten an die Menschen, wir müssen unser Gehirnmilieu so lange verändern, bis wir das endlich verstehen. Ich wusste doch auch nicht, welche Frau mich ins Leben werfen würde. Ich musste diese Mutter erst kennenlernen, sagte ich der jungen blonden Nutte, die ich zum Essen eingeladen hatte.

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Tags: BerlinHamsterrad BerlinLebenLeben in Berlin
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