Die Gauland Welt

Springer im Gleichschritt mit der AfD: Gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen

Mal wieder hetzt der Springer-Verlag gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Es scheint Verlagschef Döpfner, der so gerne öffentlich moralisiert, gleichgültig zu sein, dass seine Blätter willige und billige Stichwortgeber für die extrem rechte AfD sind. Meist ist es die „Bild“-Zeitung, und jetzt ist es die „Welt“.

Der jüngste Anlass: Ein drei-Minuten-Bericht des NDR-Magazins „Panorama“ über einen Bundeswehroffizier. Der hatte – unstreitig, weil nachlesbar !!! – bei Instagram sogenannte „Likes“ für Beiträge eines rechtsextremen Nutzers vergeben.

Man kann darüber diskutieren, ob diese Likes des Offiziers so schlimm waren, wie Panorama sie bewertet. Aber Springers „Welt“ will gar nicht diskutieren; das Blatt will, was Springer schon seit langem betreibt, das gebührenfinanzierte Fernsehen eliminieren, vernichten. Und dafür ist jeder Anlass recht – diesmal eben ein dreiminütiger Magazin-Beitrag. Da marschieren Döpfner und seine Schreiber im Gleichschritt mit so einschlägig bekannten Reaktionären wie Alexander Gauland, Alice Weidel oder der geschasste Verfassungsschützer Hans-Georg Maaßen. Die wollen alle dasselbe: Weg mit ARD und ZDF.

Anführer im jüngsten Shitstorm gegen das Magazin „Panorama“ ist Welt-Autor und Blogger Rainer Meyer, der sich „Don Alphonso“ nennt. Man muss wissen, dass dieser Don Alphonso früher für die FAZ schrieb und die „Welt“ ein „rechtsreaktionäres Drecksblatt“ nannte. „Zum Kotzen, dieses Pack !“ Dann wurde er – bei seinen maßlosen Ausfällen nicht verwunderlich – von der FAZ rausgeschmissen. So kotzt er jetzt mit diesem Pack von der „Welt“. Alles eben eine Frage des Charakters. Don Alphonso, den die AfD gerne und oft verlinkt, hyperventiliert verbal, wenn er sich in seine Hetztiraden gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen steigert.

Springer-Mann Alphonso meint nicht etwa Springers „Bild“-Zeitung, die mit Ihren Verdächtigungen, Skandalisierungen und Lügen immer wieder Existenzen vernichtet. Nein, er meint diesen drei-Minuten-Beitrag von „Panorama“, wenn er wettert: „Eine Schande für den Journalismus“ oder wenn er das Magazin der „Unverfrorenheit“. bezichtigt. „Und all das wird bezahlt mit dem Geld der Gebührenzahler.“ Don Alphonso überschlägt er sich sprachlich manchmal derart, dass man mindestens zweimal lesen muss, um die Häufelung seiner Unterstellungen und Beschimpfungen zu erfassen. Zitat: „Und eine ARD, deren Unwahrheiten, Versagen, Täuschen, Verdächtigen, Unterstellen und Framen in Zusammenarbeit mit linksextrem Vernetzten mit den Zwangsgebühren der Bürger bezahlt werden.“ Aha, da geht’s also gar nicht mehr um „Panorama“. Es geht gegen das öffentlich-rechtliche System insgesamt, dem man die Gebühren und damit die Existenzgrundlage entziehen will. Das vereint Springer und die reaktionäre Rechte. Denn der ist ein weltoffenes, liberales und mitunter auch kritisch-kratzbürstiges Programm zuwider, auch wenn es das bei ARD und ZDF leider immer weniger gibt. Aber es gibt es wenigstens noch. Und das soll eliminiert werden.

Auszug aus dem AfD-Programm: „Die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten werden privatisiert“. Die Rundfunk- und Fernsehgebühren werden „ersatzlos abgeschafft“. Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen: Man sollte „über eine Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nachdenken“.

Vier Schlussbemerkungen:

Bei BildTV kann jedermann nachschauen, wie schrecklich Fernsehen à la Springer sein kann: handwerklich miserabel, krawallig und trotzdem langweilig.

Die renommierte und vielfach preisgekrönte Journalistin Carolin Emcke – Print und nicht öffentlich-rechtlich – hat es ein paar Wochen lang versucht: Sie hat ausschließlich privates Fernsehen (RTL, SAT1, Vox und andere) und keine Minute öffentlich-rechtlich geschaut. Ihre Bilanz der Verzweiflung kann man nachlesen.

Welt-Herausgeber Stefan Aust hat viel und gerne für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gearbeitet. Eine Win-Win-Situation. Denn das öffentlich-rechtliche Fernsehen bekam sehenswerte Produktionen und Aust hat hervorragend verdient – bezahlt aus den „Zwangsgebühren“.

Als politisch interessierter Fernsehzuschauer kann man nur hoffen, dass die Oberen im Panorama-Sender NDR standhaft bleiben, ihren Reportern und Redakteuren Rückendeckung geben und nicht – wie schon mal früher – vor dem Shitstorm einknicken. Sie würden sich sonst mitschuldig machen an einem Niedergang des öffentlich-rechtlichen Systems.

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


'Springer im Gleichschritt mit der AfD: Gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen' hat einen Kommentar

  1. Avatar

    4. August 2020 @ 14:26 Traugott Hübner

    Diese klaren und zutreffenden Worte waren notwendig; sie sind geradezu wohltuend. In den letzten Jahrzehnten hat sich hinsichtlich Journalisten-Ethos und Objektivität bei den Springer-Zeitungen „BILD“ (z.B. Diskriminierung von Ausländern schon in den Siebzigern) und „Welt“ (z.B. vehementer Einsatz FÜR den Irakkrieg!) nicht viel gebessert. Es drängt sich die Vermutung auf, dass einige Verantwortliche des Verlags das strategische Ziel verfolgen, die AFD zumindest soweit zu stärken, dass keine Regierung gegen die Union zustande kommt. Mehrere Szenarien sind für die Entwicklung der AfD denkbar. Ein gefährliches Szenario: Abspaltung des Flügels. Die von den extrem Rechtsradikalen „befreite“ AfD gilt dann schon als gemäßigt, die Stimmen aus CDU/CSU werden sich mehren, jetzt könne man aber doch… – wie wird sich die Springer-Presse verhalten?

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