Auschwitz

Das braune Netzwerk

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) strahlt heute Abend, am 11. Januar 2016,  ab 22.10 h einen Film aus, der in seiner politischen Aussage von einer in der ARD eher seltenen politischen Eindeutigkeit ist: Das braune Netzwerk ist der Titel dieser Dokumentation der Berliner Produzentin und Autorin Caterina Woj unter der Mitarbeit von Andrea Röpke. „Der Film zeigt das Netzwerk einer Allianz von Rechtspopulisten und Antidemokraten,“ so die Autorin, „die am Aufbau einer außerparlamentarischen Bewegung arbeiten. Über AfD, Neue Rechte und identitäre Bewegung führt die Spur zu einer radikalen Szene von Holocaust – Leugnern, deren Verbindungen bis in eine der reichsten Familien Deutschlands reichen.“

Das ist im öffentlich–rechtlichen Fernsehen noch nicht zu sehen gewesen. Diese politische Dokumentation, die auch eine Familiengeschichte ist, hat verdienstvoller Weise der WDR ermöglicht. Was er nicht ermöglicht hat, ist ein populärer Sendeplatz im eigenen Programm und im Ersten Deutschen Fernsehen. In einer sich mehr und mehr ausbreitenden dumpfen Gleichgültigkeit, Ignoranz und Bösartigkeit in Deutschland braucht es mehr filmische Darstellungen wie „Das braune Netzwerk“ zu Uhrzeiten, die nicht am späten Abend oder in der Nacht liegen.

Caterina Woj: „Die Sendeplätze im Ersten sind schwer umworben, meist viele Monate im Voraus belegt. Bedauerlich, dass manche wichtige Stoffe dort kurzfristig keinen Platz finden.“ Das ist bedauerlich, wohl wahr, es ist aber auch fahrlässig unpolitisch von denen, die in der ARD wie im WDR solche Entscheidungen treffen. Für ihren Film über Frauen in der rechten deutschen Szene galt das im Übrigen auch. Was treibt die Autorin an: „Hasstiraden wohin man schaut. Gegen die Politik unserer Regierung, gegen Angela Merkel und ihre Flüchtlingspolitik. Gegen die Presse und gegen jeden politisch anständig Denkenden. Ich habe mich gefragt, wer befeuert diese Entwicklung auf der Strasse? Wer sind die modernen Brandstifter von heute?“

Für die Autorin findet eine Art schleichender Prozess statt, der die Demokratie gefährdet.

„Meiner Meinung nach berichten die Medien zu wenig, zu einseitig, zu subjektiv… es ist ein schleichender Prozess, der an die Zeiten der Weimarer Republik erinnert … und damit wird das Thema Aufklärung wichtiger denn je.“ Es sind gefährliche Leute über die in dieser Dokumentation von ihr berichtet wird. Die und ihre Gesinnungsgenossen können auch gefährlich für die Autorin werden. Das weiß sie und ihr Team: „Ich arbeite eng zusammen mit der Fachjournalistin zum Thema Rechtsextremismus Andrea Röpke, die seit Jahren, ungeachtet jeder Gefahr, über die Zustände in diesem Land berichtet. Mit ihr viele Kollegen hinter den Kulissen, junge, politisch wache Menschen, die Filmaufnahmen machen, über Jahre mit schlechter Bezahlung oder gleich ehrenamtlich. Die fragen auch nicht nach der Gefahr sondern tun es einfach.“

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Der Fernseh- und Radiojournalist arbeitete als Kulturredakteur und später als ARD Korrespondent in Washington und Mexiko. Seit 2002 ist Hafkemeyer Professor an der Berliner Universität der Künste.


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