Donald Trump

Donald Trump außer Kontrolle?

Wenn die schlimmsten Befürchtungen in der Wirklichkeit noch übertroffen werden, verschlägt es einem schlicht die Sprache. In den USA und bei ihren Verbündeten herrscht fassungsloses Entsetzen über den Geheimnisverrat des Präsidenten, zugleich macht sich eine resignierte Haltung breit nach dem Motto: So ist er halt.

Jedoch: Mit einem Schulterzucken abzutun, was der Mann im Weißen Haus sich an Ungeheuerlichkeiten leistet, genügt nicht. Die Republikaner sind dringend gefordert, den Präsidenten an die Kandare zu nehmen, statt weiter vor ihm zu kuschen. Bei allem Respekt vor den Wählern und dem Amt: Donald Trump ist eine grandiose Fehlbesetzung, und unter normalen Umständen wäre ein Amtsenthebungsverfahren fällig.

Die Umstände sind allerdings nicht normal. Heerscharen von Psychologen befassen sich mit dem Gemütszustand des mächtigen Mannes und rätseln über die Motive für den Verrat strengstens vertraulicher Informationen aus mutmaßlich israelischen Diensten an die Russen. Infantil, unbeherrscht, impulsiv, selbstgefällig… das Psychogramm enthält eine Fülle von Merkmalen, von denen jedes einzelne die Untauglichkeit für das Amt begründet.

Nun verstummen auch die Beschwichtiger, die bei Trumps Amtsantritt meinten, es werde schon nicht so schlimm kommen, die Verantwortung werde ihn disziplinieren, die Berater würden ihn in die Spur setzen. Nein, Trump lässt sich nicht beraten, nicht bändigen, im Gegenteil. Den Geheimnisverrat rechtfertigt er gegen alle Empörung, und während er Edward Snowden zum Staatsfeind erklärt und mit der Todesstrafe bedroht, weil der Geheimdienstinformationen öffentlich machte, reklamiert der Präsident für sich das Recht, zu tun und zu lassen, was ihm gerade in den Sinn kommt.

Für die Verbündeten ist das alarmierend, die Zusammenarbeit der Dienste leidet, Vertrauen ist zerstört. Wer also die Arbeit von Geheimdiensten für sinnvoll und unverzichtbar hält, muss vor dem unberechenbaren Trump auf der Hut sein. Der Schaden, den er mit seiner Unkontrolliertheit gegenüber den Russen angerichtet hat, ist erheblich und wird lange nachwirken.

Bildquelle: Wikipedia, Michael Vadon, CC-BY-SA-4.0

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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