Mauer

Donald Trump macht ernst. Nun will er also die Mauer zwischen den USA und Mexico bauen.

Etwas kann man ihm dabei  sicher nicht absprechen: Fehlendes Selbstbewusstsein. Sein öffentliches Auftreten erinnert an einen neureichen Emporkömmling, der sein Bedürfnis nach exzessiver Bewunderung auch  durch ständige verbale  Selbstbeweihräucherung zu stillen versucht. Inszenierungen aus den Drehbüchern der Autokraten.

Jeder kennt diesen Rabaukentyp aus der Schule, dem Sportverein oder aus der Arbeitswelt: Die Ellenbogen sind ihre Denkorgane und das rüde Mundwerk ein dröhnend-scheppernder Lautsprecher, der nur die lauten und nicht die leisen Töne verbreitet. Wer Trump zuhört, gerät angesichts der Spracharmut und brutalen Diktion schnell ins Zweifeln, wie ein Mann mit einem derartigen  hochmütigen Verhalten Präsident der  Vereinigten Staaten werden konnte. Wer ein wenig in den Geschichtsbüchern blättert und 83 Jahre zurückgeht, findet eine Rede A. Hitlers mit ähnlicher agressiver – populistischer Diktion wie sie Trump am 20.1. in seiner präsidialen Antrittsrede demonstrierte. Auch damals in Deutschland  wie jetzt im Januar in Washington wollte der Redner ein Bündnis mit den Arbeitern eingehen, wollte dem Volk die Macht zurückgeben.“  Wir wollen nicht lügen und wollen nicht schwindeln. Ich habe es deshalb abgelehnt, jemals vor dieses Volk hinzutreten und billige Versprechungen zu geben. Ich will ihnen nicht versprechen, dass diese Wiederauferstehung unseres Volkes von selbst kommt. Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst, es muss mithelfen,“ so A. Hitler. Bei Donald Trump klang das so: „ Der 20. Januar 2017 wird als der Tag in Erinnerung bleiben, an dem das Volk wieder zu den Herrschern dieser Nation wurde…Vom heutigen Tag wird eine neue Vision unser Land regieren. Vom heutigen Tag wird es nur noch Amerika zuerst heißen, Amerika zuerst. Jede Entscheidung zu  Handel, zur Besteuerung, zur Einwanderung, zur Außenpolitik wird zum Wohl der amerikanischen Arbeiter und amerikanischen Familien gemacht. Wir müssen unsere Grenzen vor der  Verwüstung schützen, die andere Länder anrichten, die unsere Produkte herstellen, unsere Unternehmen stehlen und unsere Arbeitsplätze vernichten.“

So unvergleichbar beide Männer und Länder sind und der Nationalsozialismus in seiner historischen  brutalen Einzigartigkeit gewesen ist, so ähnlich sind die Personen sich doch in ihrem populistisch-propagandistischem Gehabe, in weiten Teilen ihrer Denkstrukturen, ihren medialen Inszenierungen und Denunzierungen von Journalisten oder anderen Bevölkerungsgruppen, wie dem Establishment mit finsteren ausländischen Mächten. die das amerikanische Volk, den amerikanische n Arbeiter und dessen Familie ausbluten lassen.

Auf heutigem  europäischem Boden spiegelt sich dies in Viktor Orbans Ungarn , in Polens nationalistischer Regierung oder  in Deutschlands AfD wieder. Alle sprechen sie von der Lügenpresse, wenn sie beim Lügen erwischt werden, oder deuteln sie, wie jüngst wie Trumps Sprecherin, als „ alternative Fakten“.

Erdogan, Präsident des immer grösser werdenden türkischen Freiluftgefängnisses, nannte in einer Pressekonferenz bereits „ Hitler-Deutschland“ als Vorbild – auch wenn er das später als Missverständnis darstellte.

Um ein Wort Gustav Heinemanns in diesem Zusammenhang zu verwenden : Sie zeigen mit einem Finger auf andere und vergessen das vier Finger auf sie zurückweisen.

Kritik wird da als Bedrohung empfunden und nicht wie sie J.F. Kennedy in seinem Buch Zivilcourage definierte  als „ Liebe zum Vaterland „.

Der Psychologe Thomas Fritzsche stellt bei Trump die Frage, ob er eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat. Diese Frage stellt sich ja auch grundsätzlich  bei vielen bekannten Populisten.

Fritzsche schreibt: “Gleichen wir die häufigsten Kriterien und sein öffentliches Verhalten ab, finden wir eine deutliche Nähe zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung.“ Im DSM, einem internationalen Diagnosemanual, müssen für die Diagnose fünf der folgenden Punkte erfüllt sein: Übertreiben der eigenen Leistungen und Talente; Phantasien über grenzenlosen Erfolg, Macht, Brillanz, Schönheit; Überzeugung, “besonders“ zu sein; Bedürfnis nach exzessiver Bewunderung; ausbeuterisches Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen, fehlende Bereitschaft, die Gefühle oder Bedürfnisse anderer anzuerkennen: arrogantes, hochmütiges Verhalten .“

Populismus ersetzt Politik. Statt dem sprichwörtlichen und mühseligen Bohren von dicken Brettern, wie sie in demokratischen Prozessen üblich sind, setzten die Autokraten auf Deals, Entscheidungen, die oft aus dem Bauch heraus getrieben werden. Dies deutet sich schon in Trumps Chinapolitik an, der er einen besonderen Bypass mit einer neuen Europa bzw. Russlandpolitik verschreibt . Putin wird als Freund gewürdigt, die EU wird verdammt, der Brexit gelobt und Theresa May als erste europäische Politikern von Trump eingeladen. Ein Szenario, welches sich die größten Pessimisten Anfang des Jahres nicht vorstellen konnten.

Neben der Abschaffung der Gesundheitsreform Obamas folgt der Ausstieg aus dem transpazifischen Handelsabkommen TPP. Ein Freihandelsabkommen, welches Neuseeland und Australien jetzt auch ohne Amerika wollen. Trump treibt so die asiatisch-pazifischen Länder, alle Partner der USA, direkt in die Arme Chinas, das bekanntlich ja auch entsprechende Handelsinitiativen gestartet hat.

Trump macht China erst stark. Um ihr Handelsdefizit zu finanzieren, müssen sich die USA jeden Tag rund drei MRD. Dollar auf den internationalen Kapitalmärkten leihen. Größter Kapitalgeber ist China, welches mit seinen Währungsreserven massenhaft amerikanische Staatsanleihen kauft. Der Ausbruch eines Handelskrieges, ein Sinken der Nachfrage nach Dollaranleihen mit dramatischen Zinssteigerungen zuhause würden die USA in die Rezession treiben und dies umso schneller, je drastischer Trump die Steuersenkungen betreibt und die öffentliche Verschuldung  u.a. durch den Mauerbau erhitzt.

Der Dealmaker hat in der Vergangenheit seine großen Pleiten nur mit Hilfe der Banken überlebt. Sein Land wird am Ende seiner politischen Laufbahn leider auf sehr viel größere Hilfen angewiesen sein. Beispielsweise durch Freunde, es zu erhalten und nicht zu vertreiben gilt.

Bildquelle: HolgerHw, NOE-Schaltechnik, Wolfgang Köller – Referenz-Bericht, NOE-Schaltechnik, Süßen, NOEplast, http://www.noeplast.com/3.html
Naturstein-Mauerwerk oder Beton? Stützmauer betoniert mit einer Strukturmatrize die einem Trockenmauerwerk nachempfunden wurde.
Einzelheiten zur Genehmigung

Bildquelle: Wikipedia, NOE-Schaltechnik, Süßen, CC BY-SA 3.0

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Martin Schmuck

Als Journalist arbeitete Schmuck für die DPA und den WDR und leitete das ZDF-Landesstudio NRW in Düsseldorf bevor er Sprecher des Bundesfinanzministers unter Peer Steinbrück wurde. Heute ist der Autor Kommunikationsberater.


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