Hotel Adlon

Journalisten sind empört: AfD-Chefin Petry gehört nicht auf den Bundespresseball

 

Der Bundespresseball fand in diesem Jahr erstmals im feinen Berliner Adlon-Hotel direkt am Brandenburger Tor statt. Eine Bühne mit einem Ambiente, wie geschaffen für den Ball. Der rote Teppich, im Adlon gehört er dazu. Für den Gastgeber des Balls, die Bundespressekonferenz, vertreten durch den gewählten Vorstand, hat der Ball ein peinliches Nachspiel. Denn eine ganze Reihe von Journalisten sind empört darüber, dass der Vorstand der Bundespressekonferenz auch die Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, zu diesem exklusiven Ereignis eingeladen hatte, ausgerechnet jene AfD, die es zulässt, dass Journalisten als „Lügenpresse“ beschimpft werden, eine Beleidigung, die durch den neuerdings gewählten Begriff „Pinocchio-Presse“ nicht besser wird. „Frau Petry gehört nicht auf den Ball“, so unisono Journalisten wie Dr. Sten Martenson, Vorsitzender der Bundespressekonferenz zwischen1990 und 1993, Uwe-Karsten Heye, Fernseh-Journalist und einst Schröders Regierungssprecher,  Ex-Panorama-Mann Christoph Lütgert, der ehemalige ZDF-Wirtschafts-Ressortchef und Kohls Regierungssprecher Friedhelm Ost, Volker Mauersberger, ehemaliger Chefredakteur von Radio Bremen, Norbert Bicher,  Ex-Sprecher des früheren SPD-Fraktionschefs und Verteidigungsministers Peter Struck.

„Es geht nicht darum,“ so Sten Martenson, früher nicht nur Vorsitzender der Bundespressekonferenz, sondern auch Parlaments-Korrespondent der „Stuttgarter Zeitung“ und danach Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, „vergangene Zeiten zu beschwören, in denen ein solcher Vorgang undenkbar gewesen wäre. Es geht um das aktuelle Selbstverständnis der Journalistinnen und Journalisten, die der Bundespressekonferenz angehören. Die Bundespressekonferenz war und ist Gastgeber des Bundespresseballs und ihr Vorstand ist verantwortlich dafür, wer auf die Gästeliste dieser Veranstaltung kommt. Auf jeden Fall nicht Möchtegern-Populistinnen wie die AfD-Vorsitzende Frauke Petry, deren Partei ein mehr als gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit und damit zu einer der wichtigsten Säulen einer Demokratie hat. Wer wie ihre Partei journalistische Arbeit nicht nur behindert, sondern diesen Berufsstand pauschal und aggressiv als „Lügenpresse“ schmäht, gehört nicht auf den Ball.“

AfD sitzt nicht im Bundestag

Die Karten für den Bundespresseball gibt es nämlich nicht im freien Verkauf, der Gastgeber lädt die Gäste ein und Mitglieder der Bundespressekonferenz können zusätzlich Freunde einladen. Früher war es üblich, die Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien zum Ball einzuladen. Die AfD sitzt aber nicht im Bundestag. Frauke Petry ist aber eingeladen worden. Was Friedhelm Ost, viele Jahre auch Bundestagsabgeordneter der CDU, doch mehr als verwundert. „Wenn ich Gastgeber bin, lade ich Freunde ein oder Menschen, die ich mal gern in meiner Nähe, in meinem Wohnzimmer haben will. Ich lade doch niemanden zu mir nach Hause ein, der mir dauernd vors Schienbein oder in den Hintern tritt oder mich beleidigt.“

Für Uwe-Karsten Heye ist die Einladung an Frau Petry eine „Verhöhnung der Pressefreiheit“,  ein „hohes Gut, das durch Frau Petry und ihre Partei nicht vertreten wird.  Ich finde das unglaublich, was der Vorstand der Bundespressekonferenz sich da geleistet hat.“ Christoph Lütgert, auch Chefreporter Fernsehen beim NDR und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, ergänzte: „Ich finde diese Einladung den Gipfel der Geschmacks-und Prinzipienlosigkeit.“

Unfassbar, diese Einladung

Mit „Abscheu und Empörung“ reagierte Volker Mauersberger, ehemaliger Fernsehmann der ARD. „Im guten alten Bonn war es üblich, dass bei den jährlichen Bundespressebällen zwischen der Politik und dem Journalismus eine gelockerte Stimmung aufkam, bei der man am Ende eines Jahres noch einmal im Smoking und Abendkleid miteinander über alles reden konnte.  Dieser Ball war unsere Einladung an die Politik, weiterhin vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, aber auch die Grenzen unseres Metiers zu beachten. Es bleibt für mich, der ich mehrere Male für die Veranstaltung des Balls mitverantwortlich war, unfassbar, dass eine Politikerin vom rechten Rand, der AfD, zu diesem Fest eingeladen wird, als wäre nichts gewesen.“

Frauke Petry und ihr Gefährte, so Mauersberger weiter, „benutzen das gute Parkett des ehrwürdigen Hotels Adlon zu einer Show, obwohl sie unseren Berufsstand immer wieder mit übelsten Diffamierungen beleidigt haben. Kollegen werden bei AfD-Kongressen als Lügner beschimpft und am Arbeiten gehindert.“

Volker Mauersberger ist nicht er einzige, der zudem betonte: „In Bonn wäre uns das nicht passiert. Diese Dame hat mit unserem Berufsstand nichts zu tun und ich möchte auch nicht mit ihr reden.“  Frau Petry und Leute versuchten doch nur, „auf unsere Kosten mediale Aufmerksamkeit zu erregen“. Da brauche man sich nicht zu wundern, wenn eine jüngste Forsa-Umfrage zu dem Ergebnis komme, dass der Aufstieg der AfD in allen Bundesländern auch mit der Präsenz von Petry und Co in deutschen Fernseh-Talkshows zusammenhänge. So hat es Forsa-Chef Manfred Güllner gerade erklärt.

Beste Wahlwerbung bei Jauch und Plassberg

Ob bei Jauch oder Plassberg, beide boten den AfD-Vertretern die Bühne, die diese Politiker vom rechten Rand suchen, um Aufmerksamkeit zu erringen. Fernseh-Profis wie Christoph Lütgert schütteln darüber nur den Kopf, wie man AfD und Petry und ihren Vize Höcke quasi beste Wahlwerbung für ihre Partei machen ließen, ohne sie mit Argumenten zu stoppen.

Norbert Bicher, der heute für die Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet, sieht das ähnlich und denkt dabei an Bert Brecht. „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“

Übrigens: Ich habe am heutigen Mittwoch(9.12) dem Vorstand der Bundespressekonferenz eine Mail geschickt und darin meiner Empörung darüber Ausdruck verliehen, dass man die AfD-Chefin Petry  zum Bundespresseball eingeladen hatte. Bis zum Abend habe ich keine Reaktion aus Berlin erhalten.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'Journalisten sind empört: AfD-Chefin Petry gehört nicht auf den Bundespresseball' hat 5 Kommentare

  1. 10. Dezember 2015 @ 00:46 Jörg Müller

    Meine Güte, was für eine Empörung! 😀
    Haben Sie das Kleid von Frau Petry gesehen und ihr bezauberndes Lächeln? Allein deshalb war es schon gut, dass sie auf dem Presseball war! Und können Sie nicht wenigstens ein wenig drüber stehen und sich selbstkritisch fragen, ob an dem Pinnocchio-Vorwurf nicht auch ein klein wenig was dran sein könnte? Ein klitzekleines bisschen? Mh? 😉

    Ihr Kommentar klingt hysterisch! Nicht ernst zu nehmen. Befassen Sie sich mit echten Problemen oder vielleicht auch mal mit den Inhalten der AfD. Das führt dann hoffentlich auch zu was konstruktiverem als dieser Ausgrenzungsartikel.

    MfG

    Antworten

  2. 10. Dezember 2015 @ 00:52 Goggelmoggel der Mittelgroße

    Es ist schon faszinierend. Dem Autoren ist bewußt, wie decouvrierend er sich hier äußert?

    Antworten

  3. 10. Dezember 2015 @ 02:45 Journalisten sind empört: AfD-Chefin Petry gehört nicht auf den Bundespresseball - Der Blogpusher

    […] Startseite » Blogosphäre » Journalisten sind empört: AfD-Chefin Petry gehört nicht auf den Bundespresseball […]

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  4. 11. Dezember 2015 @ 23:17 Volker Balko

    Die AfD wird in ca. anderthalb Jahren die drittgrößte Fraktion im Deutschen Bundestag stellen – noch vor den Linkspopulisten und vor den besser verdienenden Grün-Utopisten. Spätestens dann wird es Normalität sein, dass führende Vertreter dieser Partei wie Prof. Dr. Jörg Meuthen oder Dr. Frauke Petry regelmäßig Gäste des Bundespresseballs oder vergleichbarer Veranstaltungen sein werden. Die „Rechten in der Richte“ (Botho Strauß) werden dann nicht mehr als Außenseiter wahrgenommen, sondern als „Trendsetter“, die sich ernsthaft für die Zukunft unseres Deutschlands und seiner Bürger engagieren.
    Abgesehen davon ist die offensichtlich hysterische Schnappatmung der befragten Journalisten verwunderlich: Die Entwicklung, die wir jetzt erleben – mit der zutage getretenenen Distanz zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung und der Abwendung der Enttäuschten – hat Botho Strauß schon 1993 in seinem „Anschwellenden Bocksgesang“ vorausgesehen: „[… ] Irgendwann wird es zu einem gewaltigen Ausbruch gegen den Sinnenbetrug kommen. Wenn man nur nicht mehr von ‚Medien‘ spräche, sondern von einem elektronischen Schaugewerbe, das seinem Publikum die Welt in dem äußersten Illusionismus, der überhaupt möglich ist, vorführte. Aber eines Tages geschähe es eben, über Nacht, wie in einer universellen Mutation, daß die Seher allesamt des Sinnenglaubens verlustig gingen vor dem Fernsehschirm, und dort würden noch fortgesetzt die seriösesten Anstrengungen unternommen, um das Publikum wieder einzufangen, es erneut zu illusionieren, einzupegeln auf die moderierten Frequenzen. Doch sie werden nicht mehr empfangen. Das Weltschaugewerbe wirkt auf einmal wie ein verstaubter Zirkus, hat auf einen Schlag alle suggestive, realitätszersplitternde Macht verloren. Die in den Kästen werben und werben noch, geradezu mit todesängstlicher Anstrengung – doch das Publikum lächelt unerbittlich und milde zugleich: es glaubt einen anderen Glauben. […]“

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  5. 12. Dezember 2015 @ 09:09 Andreas Kipping

    In den Kommentaren zum Bundespresseball wird sowohl von Herr Pieper als auch Herrn Gerbes nur von dem Vorstand und den Verantwortlichen für die Einladungen gesprochen. Die Namen der zuständigen Leute aber diskret verschwiegen. Wer hat da vor wem Angst?

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