Oben ist alles klar – Abstiegskampf spannend

Der 27. Spieltag der Fußballbundesliga brachte keine großen Überraschungen. Die ersten Vier der Liga gewannen ihre Spiele und zementierten ihre derzeitigen Positionen und im Tabellenkeller wird weiter gnadenlos verloren.

Die Meisterschaft ist bekanntermaßen schon länger vergeben, zumal Bayern München auch das im Vorhinein nicht leichte Spiel in Dortmund mit 1:0 gewann. Und das mit einer Taktik, die sie selbst bei ihren Gastmannschaften immer so bitterlich beklagt hatten: Bildung eines dichten Abwehrriegels vor dem eigenen Strafraum mit acht oder neun oder auch zehn Mann. Dafür wurde sogar das bislang so hochheilige Postulat des größtmöglichen Ballbesitzes hemmungslos über Bord geworfen. Borussia Dortmund war von dieser unerwarteten Defensiveinstellung offensichtlich völlig überrascht und fand im gesamten Spiel kein wirkungsvolles Mittel, dieses Bollwerk zu knacken. Das von ihnen so gerne praktizierte schnelle Umschalten hatte nicht die Spur einer Chance. Und wenn man dann doch mal zum Torschuss kam, wurde die Chance kläglich vergeben, z.B. durch Reus, oder Torwart Neuer bewies bei den seltenen Gelegenheiten seine Klasse. Bayern München hat anscheinend begriffen, dass noch so großer Ballbesitz im Mittelfeld bei gleichzeitigem Fehlen der einzigen wirklich torgefährlichen Spitzen Ribéry und Robben wenig zielführend ist, zumal das Mittelfeld zusammen mit Schweinsteiger und Alonso weiterhin jede Kreativität vermissen lässt.

Auch der zweite Tabellenplatz ist entschieden; Wolfsburg gewinnt das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart erwartungsgemäß 3:1 und scheint gefestigt und reif für die Vizemeisterschaft. Die Mannschaft hätte das Spiel sicherlich auch ohne die Hilfe von Schiedsrichter Tobias Welz gewonnen. Aber warum der Schiri in der 41. Minute nach einem Rempler von Caligiuri an Abwehrspieler Klein auf Strafstoß entschied, nur weil Caligiuri anschließend theatralisch zu Boden sank, bleibt wohl sein Geheimnis. Im Grunde eine Unverschämtheit, allerdings hielten sich laustarke Proteste in Grenzen, war doch zu Gunsten des Heimvereins entschieden worden.

Auch Leverkusen und Mönchengladbach erlaubten sich keine Schwächen und werden den dritten Champions-League-Platz sowie den Relegationsplatz unter sich ausmachen. Ich sehe da Gladbach im Vorteil.

Schalke 04 hat seine letzte, wenn auch nur noch hauchdünne Chance auf Platz 4 durch das enttäuschende und völlig überflüssige Remis in Augsburg verspielt. Auch die für die Europa-League entscheidenden Plätze 5 und 6 sind noch nicht abgesichert und in akuter Gefahr, allerdings kann Schalke wieder auf Torwart Fährmann und Stürmer Farfan, der in der zweiten Halbzeit zum Zuge kam, zurückgreifen. Augsburg scheint etwas die Luft auszugehen; bemerkenswert ist, dass die Mannschaft fast ein Dutzend Freistöße am oder kurz vor dem Schalker Strafraum nicht verwerten konnte.

Am Tabellenende haben Stuttgart, Paderborn und Hamburg verloren, während sich Freiburg und die Hertha mit jeweils drei Punkten sowie Hannover und Mainz mit je einem Punkt etwas absetzten konnten.

Wenn man sich das Restprogramm der in den Abstiegskampf involvierten Mannschaften ansieht, kann man zu der Erkenntnis kommen, dass Paderborn und Hamburg absteigen werden und Freiburg in die Relegation muss. Stuttgart hat in Wolfsburg lange Zeit gut mitgehalten und scheint spielerisch die größte Substanz zu haben; ich traue der Mannschaft zu, sich noch vor dem direkten Abstieg zu retten. Bei Paderborn ist unverkennbar, dass die Elf auf keine Erfahrungen im Bundesligaabstiegskampf zurückgreifen kann, die Rückkehr in die 2. Liga  ist wohl nicht mehr zu vermeiden. Die Leistung des Hamburger SV ist erneut als absolut desolat zu bewerten. Auch unter dem erneut neuen Trainer Knäbel waren die Schwächen in Abwehr und Sturm eklatant und erreichen kein 1. Liga-Niveau.

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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