Peinlich, Herr Laschet

 
Armin Laschet ist CDU-Chef in NRW und Oppositionsführer im Landtag des bevölkerungsreichsten Landes der Republik. Zugleich, das ergibt sich aus den genannten Aufgaben und der Größe der Partei, der er in NRW vorsteht, ist er der natürliche Herausforderer der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, SPD-Vorsitzende in Nordrhein-Westfalen. Und dass Laschet jede Chance nutzt, um Frau Kraft zu attackieren, ja ihr eins auszuwischen, ist legitim, es liegt auf der Hand. Das ist seine Pflicht.

Die Frage ist jedoch, ob der gute Mann dabei immer eine gute Figur macht. Und da, Herr Laschet, kommen die Zweifel und die werden nicht nur von Leuten mit der anderen Feldpostnummer vorgetragen, sondern sie werden auch und vor allem genährt von Kritikern der eigenen Partei, die schlichtweg die Kompetenz des CDU-Mannes aus Aachen für höhere Aufgaben vermissen. Und es ist ja wahr, dass er bei jeder Kirmes auftritt und dass kein Mikrophon vor ihm sicher ist. Die Folge dieser Allgegenwart: Niemand weiß, was Laschet wirklich will und was er kann.

Jetzt hat er etwas gemacht, worüber man nur den Kopf schütteln kann. In seiner Funktion als Lehrbeauftragter der Universität Aachen hat Laschet Klausuren korrigiert und diese ans Prüfungsamt verschickt. Auf dem Weg dahin sind sie abhandengekommen. Fehler der Post oder von wem auch immer? Aber anstatt dies zu melden, setzte sich Laschet hin und rekonstruierte die Noten anhand von Notizen. Das Peinliche daran: Laschet hatte auch Noten an Studenten vergeben, die an der Prüfung gar nicht teilgenommen hatten. Ein Master-Student, der ein leeres Blatt abgegeben hatte, erhielt von Laschet eine Top-Note. Dass die SPD prompt von „Kniffel-Armin“ spottet, darf nicht verwundern.

Laschet verteidigt seine merkwürdige Art der Notenvergabe als „sachgerechte Lösung“, mit der er eine Nachprüfung habe vermeiden wollen. Hört sich gut an, klingt solidarisch, ist aber naiv und provinziell. Hier geht es um wissenschaftliche Arbeiten, nicht um irgendeinen Beitrag für einen Kaninchenzuchtverein. Hinzu kommt: Während Laschet davon sprach, sein Vorgehen sei mit der Geschäftsführung des Studiengangs abgestimmt, pochte die Uni darauf, dass der CDU-Chef vor der Rücksprache mit dem Prüfungsamt seine Benotung anhand der Notizen vorgenommen habe.

Eines kann man jetzt schon sagen: Von Krisen-Management scheint der NRW-CDU-Chef keine Ahnung zu haben.

So kann es kommen, wenn ein Politiker pausenlos angreift und stets mit dem berühmten Finger auf andere zeigt. Noch einmal, die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft muss nicht von der Opposition in Schutz genommen werden. Aufgabe der CDU in NRW ist es, die Schwächen der Regierung, im Falle von NRW, der rot-grünen Koalition schonungslos anzuklagen. Aber manchmal wird halt zu schnell und vorlaut Attacke und Empörung gerufen.

Jetzt hat Laschet ein Problem. Er muss erklären, warum er gehandelt hat, wie er gehandelt hat. Die Sache mit den Noten einer Klausur im Stil von Laschet ist mehr als peinlich. Dass er sein Amt als Lehrbeauftragter der Uni zurückgab, ist geschenkt, weil selbstverständlich. Viel schlimmer für ihn ist der Verlust an Glaubwürdigkeit. Dem CDU-Mann dürfte das Grinsen, was er sonst das ganze Jahr über zur Schaut stellt, vergehen.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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