Der Rhein ein Rinnsal. Der mächtige Strom hat sich zurückgezogen. „Stein statt Rhein“, stöhnt der Kölner Stadtanzeiger über das erschütternde Schicksal der einst so stolzen europäischen Lebensader. Die Pegelstände auf historischem Tief. Die Schifffahrt in Gefahr. Der Rhein als Sinnbild für die Sünden, die die Menschheit der Natur angetan hat.
Der Rhein, mehr als nur ein Fluss, sondern die „Wiege Europas“. Gerade in diesen Tagen, in denen der Zustand des Stroms Sorge bereitet, kommt die Lektüre des Buchs von Günter Müchler wie gerufen: „Der Rhein. Eine Zeitreise. Grenzfluss und Wiege Europas.“
Der 80jährige Journalist, viele Jahre Programmdirektor des Deutschlandfunk, hat die Geschichte des Stroms, der Europa über die Jahrtausende mal getrennt, mal verbunden hat, in siebzehn Episoden spannend beschrieben. Von Caesar bis Adenauer, von den Nibelungen bis zu den Rheinromantikern. Ein spannender Blick auf den Fluss, der das Schicksal der Schweizer, Österreicher, Franzosen, Deutschen und Niederländer bestimmt hat. „Der Rhein. Die große Völkermühle“, wie ihn Carl Zuckmayer genannt hat. Der „kulturelle Urstrom Europas“, wie Müchler schreibt. Spannend, lehrreich, unterhaltsam.
Das letzte Kapitel gilt dem ersten Kanzler der Republik, dessen Tod den Rhein zu einem Schauplatz der Weltpolitik werden ließ. Als Konrad Adenauer am 25. April 1967 beerdigt wurde, waren Staatsmänner aus aller Welt Trauergäste im Kölner Dom, das Fernsehen übertrug weltweit von den USA bis Japan. Und um die Welt gingen auch die Bilder, als der 91jährige Tote auf einem Schnellboot der Bundesmarine über den Rhein von Köln nach Rhöndorf gefahren und dort auf dem Waldfriedhofe bestattet wurde. Der Rhein als Mittelpunkt der Bonner Republik, für die „der Alte“ listenreich und erfolgreich gekämpft hatte.
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Von Adenauers Größe ist der amtierende Kanzler Friedrich Merz sehr weit entfernt. Über das Chaos, das er in den letzten Wochen angerichtet hat – in der eigenen Partei und im ganzen Land insgesamt – ist in den Medien alles gesagt. Das Echo für ihn vernichtend. Als Oppositionsführer hat er seinen Vorgänger Olaf Scholz einmal beschimpft als „Klempner der Macht“. Und damit einen ganzen Berufsstand herabgewürdigt.
Hochmut kommt vor dem Fall. „Er kann es nicht“ werden stöhnende Parteifreunde zitiert. Oder um es in Anlehnung an einen Liedtext von Herbert Grönemeyer aus den achtziger Jahren zu sagen: „Gebt den Klempnern das Kommando. Das Land gehört in Klempnerhände.“ Damit es rund läuft.
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Patrick Schnieder, der Verkehrsminister, den Merz entlassen wollte, der ihm zuvorkam, indem er selbst den Schlussstrich zog, hat in seiner Abschiedsrede vor den Mitarbeitern seines Ministeriums ein Goethe-Gedicht zitiert: „Willkommen und Abschied.“ Was auf den ersten Blick als eine Beschreibung des eigenen Schicksals wirkt, könnte auch als düstere Prognose für die Zukunft von Merz verstanden werden. Sein Abschied aus dem Kanzleramt nach den kommenden Landtagswahlen scheint für manche Christdemokraten eine durchaus reale Option zu sein. „Palastrevolte“ schreibt der Spiegel über die Seelenlage in der CDU.
Bildquelle: Zeichnung vom Niehler Wochenmarkt: Wolfgang Schieffer (Waldmaler.de)












