Deutsch-Chinesische Beziehungen

CHINESISCH-DEUTSCHE INDUSTRIESTÄDTE-ALLIANZ AUF ERFOLGSKURS

Vor drei Jahren wurde die Chinesisch-Deutsche Industriestädte-Allianz (ISA) gegründet. Die Initiative ging von der Stadt Foshan am Pearl River im Südosten der Volksrepublik aus. Inzwischen zählen über 20 chinesische und ebenso viele deutsche Städte zu dieser Allianz. Die Liste reicht von Aachen über Köln und Bottrop bis hin zu Wuppertal, von Foshan über Taizhou bis hin zu Jiangmen.

Chancen für Handel und Investitionen

Anlässlich der Hannover Messe werden sich am 1. April wieder Oberbürgermeister, Wirtschaftsförderer und Unternehmen treffen, um an der Eröffnungszeremonie „Invest in China & ISA“ teilzunehmen. Diese Allianz hat seit ihrer Gründung an Dynamik gewonnen. Sie bietet deutschen und chinesischen Firmen eine geradezu ideale Plattform, um Handelspartner, Investoren und joint venture-Firmen kennenzulernen und mit ihnen ins Geschäft zu kommen.

Mit seinen 1,4 Mrd. Einwohnern ist China der größte Markt der Welt. Die deutschen Exporte ins Reich der Mitte sind allein von 71 Mrd. € in 2015 auf über 93 Mrd. € im letzten Jahr gestiegen. Die Importe aus China erhöhten sich in dieser Zeit von fast 92 auf 106 Mrd. €. In einem aktuellen Bericht weist die Deutsche Bank darauf hin, dass „mit einem Plus von 8,1 % die deutschen Ausfuhren nach China auch 2018 robust waren“. Dabei profitierten vor allem die deutschen Hersteller von Investitionsgütern. Auch bei den Auto-Exporten mit einem Anteil von über 26 % an den gesamten Ausfuhren nach China – gab es im vergangenen Jahr ein Plus von 14,6 %; im Juli 2018 waren die Einfuhrzölle auf ausländische Autos und Kfz-Ersatzteile gesenkt worden.

Auch die Direktinvestitionen expandieren in beide Richtungen. Der aufsehenerregendste Deal war zweifellos die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka durch Midea, einem Unternehmen aus Foshan.

Insgesamt machen die Investitionen deutscher Firmen ein Vielfaches im Vergleich zu den Direktengagements chinesischer Unternehmen in Deutschland aus. Deutsche Autohersteller sind in der Volksrepublik sehr stark präsent und produzieren dort für den riesigen Markt. Ebenso sind deutsche Chemiekonzerne – allen voran die BASF – mit eigenen Werken, die Elektroindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau sowie andere Branchen im Reich der Mitte aktiv und machen dort erfolgreiche Geschäfte. Der Versicherungskonzern Allianz sieht gute Zukunftschancen, zumal es in der Volksrepublik bislang keine Rentenversicherung gibt. Oliver Bäte, der CEO der Allianz, vermutet, dass das Know how, “das wir in Deutschland sehr stark haben, also Rentenversicherung und betriebliche Altersvorsorge, sehr attraktiv für chinesische Konsumenten sein kann“. Das Reiseunternehmen TUI will sich mit der chinesischen Online-Reiseagentur Ctrip verbünden, um viele Chinesen als Kunden zu gewinnen. Immerhin gilt dieser Online-Reisevermarkter aus Shanghai, der monatlich rund 200 Millionen Nutzer hat, als der führende Tourismusanbieter Chinas.

Wachstum 2019: +6 bis 6,5 %

Chinas Präsident Xi Jinping ist bemüht, vor allem den Handelskonflikt mit den USA zu lösen. Dafür ist China zu manchen Zugeständnissen bereit – insbesondere auch zu einer Steigerung der Importe. Ebenso wird noch im Laufe diesen Jahres mit einem Gesetz ein wichtiges Signal an die USA sowie an die EU gesetzt: Damit sollen der erzwungene Technologietransfer unterbunden, das geistige Eigentum besser gewahrt und ausländische Firmen vor illegalen Einflussnahmen durch chinesische Regierungsstellen geschützt werden. So könnte es bei dem für Ende März in Florida stattfindenden Treffen des Präsidenten Xi Jinping und Donald Trump zu einem Deal kommen, der eine Eskalation des Handelskrieges vermeidet und die Beziehungen zwischen den USA und China entspannt. Das hätte gewiss auch positive Effekte für die chinesisch-europäischen Beziehungen sowie für den Welthandel insgesamt.

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft wird 2019 voraussichtlich 6 bis 6,5 % (2018: + 6,6 %) erreichen. Das ist zwar weniger als in den vergangenen Jahren, aber dennoch ein Signal, dass sich die Dynamik Chinas fortsetzt. Immerhin ist das Bruttoinlandsprodukt in dem letzten Jahrzehnt von 4.600 auf 14.100 Mrd. US-Dollar (2018) gestiegen. Seit einiger Zeit setzt Peking immer stärker auf ein qualitatives Wachstum mit einem Kampf gegen die Umweltverschmutzung ebenso wie mit Verbesserungen der Gesundheitsversorgung und des Bildungssystems.

Auf dem jüngsten Volkskongress in Peking kündigte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang zudem eine Senkung der Mehrwertsteuer von 16 auf 13 % für die Wirtschaft und von 10 auf 9 % in der Bauindustrie an. Ebenso sollen die Sozialversicherungsbeiträge, die die Unternehmen für ihre Beschäftigten zahlen müssen, deutlich verringert werden. „Die Firmen sollen sich so vital wie Fische im Wasser fühlen“, so lautete der Wunsch des chinesischen Regierungschefs.

Hindernisse abbauen, Partnerschaft stärken!

Deutsche Unternehmen drängen darauf, dass die politische Führung der Volksrepublik China die immer noch bestehenden Regulierungen für ausländische Investoren weiter abbaut. Allerdings sind nur wenige davon angetan, in Deutschland und Europa Hindernisse gegen chinesische Firmen aufzubauen. Die sicherheitspolitische Überprüfung von bestimmten chinesischen Investitionen, die Deutschland und auch die EU implementieren wollen, dürften nicht allzu sehr verschärft werden. Nach wie vor steht die Stärkung und Verbesserung der Partnerschaft mit China im Vordergrund. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dies auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2019 zutreffend formuliert: „Wir werden noch so fleißig, noch so toll, noch so super sein können – mit 80 Millionen Einwohnern werden wir nicht dagegen ankommen, wenn sich China entscheidet, dass man mit Deutschland keine guten Beziehungen mehr haben will.“ So wie die Bundeskanzlerin hat auch der Staatspräsident Xi Jinping wiederholt für den Multilateralismus geworben. Die globalen Interdependenzen sind inzwischen so stark geworden, dass unilateraler Protektionismus, Restriktionen im Außenhandel und bei Investitionen den internationalen Wettbewerb verfälschen und zu Wohlstandsverlusten der Nationen führen. Gute gegenseitige Beziehungen sind deshalb das wichtigste Ziel der ISA mit den über 40 Mitgliedstädten. Deutsche wie Chinesen streben über diese Drehscheibe win-win-Entwicklungen an – mit Informationen, wichtigen Hinweisen für Handelsfirmen ebenso wie für Investoren, mit Angeboten von Gewerbegebieten für Neugründer und vieles mehr.

Deutsch-Chinesische Gesundheitskonferenz

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der im November letzten Jahres nach China reiste, besuchte in Foshan auch das ISA-Büro und plädierte dort für eine Ausweitung der Aktivitäten über den Industriebereich hinaus. „Wir sind derzeit dabei, dass wichtige Feld der Ausbildung und Qualifizierung von Arbeitnehmern in China zu bestellen“, kündigt Staatsminister a. D. Ernst Schwanhold, Geschäftsführer der Gesellschaft für Politik-, Kommunikations- und Strategieberatung (PKS) in Berlin, an. Zudem werden am 2. April bei der 1. Deutsch-Chinesischen Gesundheitskonferenz die Chancen und Herausforderungen in der Gesundheitswirtschaft im Vordergrund stehen. Im Kurfürstlichen Schloss in Mainz werden bei diesem Symposium Experten aus China und Deutschland unter anderem über die E-Health-Entwicklungen, innovative Arzneimittel und Therapien – etwa bei der Krebsbekämpfung – diskutieren und Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten. Interessierte Firmen aus dem Gesundheitsbereich sind zu dieser Konferenz am 2. April in Mainz, die der Bürgermeister der Stadt Foshan, Zhao Hai, eröffnen wird, eingeladen.

Ebenso können deutsche Unternehmen, die China-Kontakte suchen, an dem ISA-Treffen mit vielen Firmen aus der Volksrepublik am 1. April auf der Hannover Messe teilnehmen. Anmeldungen für beide Veranstaltungen sollten über die PKS GmbH per Email an isa@pks-gmbh.net erfolgen.

Bildquelle: Pixabay, Conmongt, Pixabay License

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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