Corona-Virus

Corona-Zumutungen-Solidarität

Ja, es ist wahr: Corona ist eine Zumutung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem Wort noch „demokratisch“ hinzugefügt. Viele sind betroffen oder getroffen von den Einschränkungen durch Corona, die Politik genauso wie wir alle und zwar überall auf der Welt. Das Virus nimmt uns den Spaß am Leben, lese ich in manchen Blättern, verdirbt uns die Laune. Video-Konferenzen bestimmen den Alltag in Verlagen und Konzernen. Was wir alles hinnehmen müssen, nicht mehr tun dürfen, keine größere Party, keine größere Hochzeitsfeier, der Urlaub nach Spanien ist längst gestrichen. Der Alltag findet für viele Berufstätige im Homeoffice statt, keine Kollegen-Treffen, kein Austausch über das Wochenende. Stellenstreichungen, Kurzarbeit, die Lufthansa legt einen Teil ihrer Flotte still. Der Impfstoff gilt als Hoffnung, aber kaum ist eine Meldung auf dem Markt, die einen bevorstehenden Durchbruch meldet, wird sie dementiert. Also doch kein Impfstoff, kein Medikament in diesem, sondern frühestens im nächsten Jahr. Wir werden uns gedulden müssen.

Was alles ausfällt durch die Pandemie? Das Oktoberfest zum Beispiel. Millionen-Verluste für die Wiesn-Wirte, die Hoteliers. Der Karneval findet so nicht mehr statt, das Rheinland steht kopf, man lamentiert, muss es aber hinnehmen, die Weihnachtsmärkte fallen aus. Die Bundesliga spielt vor leeren Rängen wie gerade in Schalke, wobei man einräumen muss, dass dieses Spiel aus Schalker Sicht auch keine Zuschauer verdient gehabt hätte. Wien, ein Trauerspiel, so titelt die SZ ihre Wochenend-Geschichte auf ihrer Panorama-Seite. Die Fiaker haben nichts zu tun, also sind sie ohne Einnahmen. 140 Kündigungen gab es demnach bei der Sacher-Gruppe, 105 in Wien und 35 in Salzburg. Der Umsatz werde nach Angaben der Geschäftsführung nur noch 25 Prozent des Vorjahres betragen. Das Sacher, schreibt das Münchner Blatt, sei eine Institution. Wer je dort eine Torte mit dem gleichen Namen gegessen hat, oder besser verzehrt in diesen heiligen Räumen wie ich zum Beispiel, der wird das bestätigen. Man atmet dort den Hauch der Geschichte ein. Doch jetzt ist alles auf Sparflamme. Was wird werden, wer überlebt, wer geht den Bach, die Donau, die Isar oder den Rhein runter?

Die Touristik-Branche stöhnt wie kaum ein anderes wirtschaftliches Gewerbe. Wir haben in diesem Jahr zwei Italien-Urlaube storniert, von Freunden weiß ich Ähnliches zu berichten. Wir haben stattdessen Kurz-Urlaube gemacht, waren ein paar Tage in der Gegend des Feldbergs im Schwarzwald unterwegs, das schöne Hotel war halbleer. So sah es auch in der Pfalz aus, wo wir Kurzurlaub machten, im Kraichgau war es nicht anders. Ob die Hoteliers damit auskommen, ob die Kellner und die übrigen Beschäftigten davon leben können? Ich weiß es nicht. Aber die Einbrüche sind überall zu spüren. Ob es mit Südtirol klappt in ein paar Wochen, wer weiß das schon?

Milliarden-Zuschüsse des Staates

Corona mutet uns allen vieles zu. Der Staat greift mit Milliarden Euro-Zuschüssen Firmen unter die Arme, damit sie überleben. Bundesfinanzminister Olaf Scholz muss die höchsten Neu-Verschuldungen machen, die Deutschland je gehabt hat. Niemand redet von der schwarzen Null, das Thema Schulden des Staates wird plötzlich positiv besetzt gerade so, als wäre es der Normalfall. Ja, was soll der SPD-Minister denn anders tun? Ließe die GroKo alles laufen, ginge vieles unwiederbringlich verloren. Das Virus lähmt soziales Leben, unser Leben, weshalb Tausende gegen Einschränkungen demonstrieren. Das dürfen sie, keine Frage. Das Recht auf Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut. Dazu gehört auch, dass wir Meinungsfreiheit haben in Deutschland. Auch dies ein elementares Stück Freiheit, in der Vergangenheit schwer erkämpft. Aber gemach, Kritiker der Regierungs-Politik: Niemand will diese Rechte auf Dauer abbauen. Aber das Tragen der Masken, das Einhalten der Abstands-Regeln von 1,5 bis 2 Meter, sind lebens-, ja überlebenswichtig, der leere Sitzplatz im Theater oder in der Oper neben einem besetzten, all das ist nötig, wie der eingeschränkte Betrieb im Schwimmbad, das halbleere oder halbvolle Hotel, die übersichtlich besetzten Tische selbst im feinen Restaurant.

Wir müssen uns gedulden, uns zurückhalten. Allzu tolle Feiern in größeren Gruppen, das wäre Leichtsinn, gerade jetzt, da der Herbst da ist, es kühler geworden ist, virushaltige Aerosole durch Zugluft zu uns gelangen. Warum dann das Verbot von Alkohol? Weil der Genuss von Bier und Wein eben zu Leichtsinn führen kann mit all den Folgen.

80 bis 90 Prozent der Bevölkerung können die einschränkenden Maßnahmen gegen die Pandemie nachvollziehen, ja sie teilen sie sogar, hat eine Umfrage ergeben.  Natürlich sind wir alle nicht begeistert, dass es so ist, wie es ist. Aber es muss sein. Wer dennoch demonstrieren will, soll das tun. Es ist sein Recht. Aber er möge auch genau hinsehen, wer welche Protestveranstaltung organisiert, wer dahinter steht, wer in der ersten Reihe marschiert mit welchen Plakaten. Wer welche Reden hält? Man möge genau hinschauen, welche Trittbrettfahrer davon profitieren wollen, rechte Absahner demokratischer Rechte, Rechte, mit denen diese Extremisten nichts im Sinn haben. Monitor-Chef Georg Restle hat es kürzlich kurz und knapp auf den Punkt gebracht: „Wer nichts dagegen hat, mit Identitären und Nazis gemeinsam zu marschieren, wer das sogar billigend in Kauf nimmt, der macht sich am Ende zum nützlichen Idioten dieser Extremisten. Wir könnten es auch mit Goethe sagen: „Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist.“

Soziale Spaltung wird vertieft

Pandemie, Populismus, soziale Spaltung, die durch Corona weltweit vertieft wird. Auch dies ist die Folge, dass der Graben zwischen arm und reich noch tiefer wird. Wir dürfen die Regeln, die unser Leben einschränken, jetzt nicht abschütteln, auch wenn Verzicht auf Feiern schwer fällt, auf Urlaub auf Mallorca, auf Umarmungen von Freunden, die man länger nicht gesehen hat, wobei manches aus der Bussi-Gesellschaft verzichtbar ist, weil es gestellt ist, reine Schau.

Der Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ erinnert an die Pandemie vor 100 Jahren, die Influenza-Pandemie 1918, auch Spanische Grippe genannt, die über 50 Millionen Menschen das Leben gekostet und 500 Millionen Menschen weltweit infiziert hatte. Zwei Jahre wütete die Seuche, zwang wie heute die Menschen zu Schul- und Firmenschließungen, Abstandhalten, Maskentragen. Zwang die Menschen zum Verzicht. Dann das Aufatmen nach dem Ende der Pandemie. Die Zeitung schildert die Folgen: „Die Klamotten wurden freizügiger. Auf Pflichterfüllung folgte Sorglosigkeit, der Drang nach Nähe wurde ausgelebt. Die Geburtenrate explodierte weltweit.“ Die Spaßbedürftigkeit ist da, aufgestaut durch die anhaltende Corona-Krise. Wir werden uns gedulden müssen, müssen, wie das Berliner Blatt schreibt, den Impuls, heute schon Spaß haben zu wollen, unterdrücken. „Wir entscheiden jetzt, wer später die Party mit uns feiern wird. Und ob wir selbst dabei sein werden.“ Bisher hat Deutschland diese Krise gut gemeistert, durch Verzicht, Zurückhaltung, Vorsicht. Auch das ist eine Art von Solidarität, jeder kann etwas dafür tun, für sich und die Mitbürger. Das ist der Sinn der Masken, des Abstands, Rücksicht auf andere, um selber Achtung zu erfahren. Die Regeln haben ihren Sinn, halten wir uns dran. Die Krise ist noch nicht vorbei.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Lothar Dieterich, Pixabay License

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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