Impfung gegen Corona

Das Spiel mit dem Impffeuer

Vergessen sind die Zeiten zu Beginn diesen Jahres, als die Bundesregierung und die EU-Kommission hart kritisiert wurden, weil sie nicht genug Impfstoffe geordert hätten. Nun gibt es bereits seit Monaten die Vaczine gegen das Corona-Virus im Überfluss. Doch nicht einmal 90.000 Menschen lassen sich derzeit pro Tag den ersten Piks in den Oberarm geben; 240.000 werden pro Tag gezählt, die die Zweitimpfung erhalten wollen. Mit diesem Schneckentempo wird sich die Marke von rund 80 % Geimpften, die dringend notwendige Herdenimmunität gegen das Corona-Virus, in absehbarer Zeit nicht erreichen lassen; bisher wurden gerade einmal rund 60 % der Bevölkerung geimpft. Deshalb wird schon überlegt, mit kleinen Geschenken, Geld oder gar Bratwürsten bislang Nichtgeimpfte an die Spritze zu locken.

Große Unkenntnis und Dummheit

Was in Impfzentren, Arztpraxen, Fußballstadien, Firmen und an anderen Orten an Impfaktivitäten entwickelt wurde, war gewiss bewundernswert. Doch mehr als ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes ließen sich bis heute nicht gegen die Corona-Pandemie impfen. Dabei hat es an Mahnungen und Warnungen, an Informationen und Hinweisen nicht gemangelt.  Die Bundeskanzlerin Angela Merkel wandte sich geradezu flehentlich an ihre Landsleute, sich endlich impfen zu lassen. Dennoch ist es nicht nur der harte Kern der Leugner und Verschwörungstheoretiker, der gegen das Impfen Front macht. Es mag zum einen Unkenntnis, zum anderen jedoch auch Dummheit sein, die dazu führen, dass fast ein Drittel der Bevölkerung die großen Gesundheitsrisiken falsch einschätzen oder diese vollends negieren.

Über 90.000 Corona-Tote

Jeder, der persönlich erlebt hat, dass sein Freund, ein Verwandter, Kollege oder Nachbar von dem Corona-Virus gepackt wurde und auf der Intensivstation eines Krankenhauses beatmet werden musste, hat die Risiken begreifen können. Immerhin sind inzwischen seit dem Frühjahr 2020 über 90.000 Menschen an oder mit Corona gestorben. Viele tausend leiden an den Folgen dieser Erkrankung, manche sogar mit einer Langzeitwirkung. Die meisten konnten nur überleben, weil wir über eines der besten und auch teuersten Gesundheitssysteme verfügen. Doch nach wie vor gilt: Vorbeugen ist besser als heilen! Das trifft insbesondere für die individuelle Risikovorsorge zu. Wer sich mit dem Impfen gegen das Covid-Virus schützen kann, sollte sich dagegen nicht verweigern. Im persönlichen Gespräch mit dem Hausarzt sind mögliche Risiken gut abzuwägen. In der Regel ist das Risiko unendlich größer, wenn jemand sich nicht impfen lässt.

Drohende 4. Welle

Schon zeichnet sich die 4. Welle ab: Die Deltavariante von Corona ist auch hierzulande auf dem Vormarsch. Die Zahl der 7-Tage-Inzidenzen wird derzeit von Tag zu Tag höher, steigt geradezu steil an – auf über 70 etwa in Hamburg und Nordrhein-Westfalen, auf deutlich über 60 in Berlin und anderswo. Bei den Neuinfektionen sind es heute bereits wieder wesentlich mehr als 5.200; vor einem Jahr lag die Zahl gerade bei 1.300. Die Infektionsgefahr ist bei Ungeimpften mehr als zehnmal so hoch wie bei Geimpften. Das sind alarmierende Fakten, die niemand missachten sollte.

Über 3 Millionen Impfdosen auf Lager

Geradezu unverständlich ist, dass nun die niedergelassenen Ärzte befürchten, weit mehr als 3 Millionen Impfdosen ungenutzt wegwerfen zu müssen. Einige schlagen bereits vor, den „Eismann von Bofrost“ vorbei zu schicken, damit bei Wahrung der Kühlkette die nicht verimpften Vaczine für internationale Impfstoffspenden eingesammelt werden können. Vielen Ländern der Dritten Welt wäre damit über die COVAX-Initiative bestens zu helfen. Manche Arztpraxen überlegen zugleich, ganz aus der Impfkampagne auszusteigen. Es ist in der Tat kaum zu fassen, dass viele Millionen Menschen sich bei uns einfach nicht impfen lassen, zumal die Wahrscheinlichkeit, an der neuen Delta-Variante zu erkranken, für Geimpfte außerordentlich gering ist.

3G-Regel konsequent anwenden!

Das Verhalten der Einzelnen, die sich verweigern, ist geradezu unglaublich: Sie spielen leichtfertig mit den Gefahren einer schweren Erkrankung. Ebenso verhalten sie sich völlig verantwortungslos und unsolidarisch gegenüber allen anderen Menschen, denen sie tagtäglich begegnen. Es ist deshalb richtig, die sogenannte 3 G-Regel konsequent durchzusetzen: Nur wer geimpft, getestet oder genesen ist, darf in Zukunft am öffentlichen Leben noch teilnehmen. Denn Ungeimpfte sind außerordentlich gefährlich für die Gemeinschaftsbegegnungen – sei es im Fußballstadion oder im Restaurant, sei es im Fitnessstudio oder im Kino. Gegen Dummheit ist bekanntlich kein Kraut gewachsen, gibt es auch kein Medikament. Wer sich nicht impfen lässt, muss auf jeden Fall die Konsequenzen spüren. Dass die geimpften Bürgerinnen und Bürger für diese Gruppe der Verweigerer weiterhin noch die teuren Tests bezahlt, muss so schnell wie möglich beendet werden. Wer mit dem Feuer spielt, muss auch die Kosten für das Löschen des Brandes selbst tragen.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Alexandra_Koch, Pixabay License

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


'Das Spiel mit dem Impffeuer' hat einen Kommentar

  1. Avatar

    21. August 2021 @ 17:52 Rainer Kirmse , Altenburg

    CORONA-HERBST

    Die Virologen liegen im Streit,
    Impfmüdigkeit macht sich breit.
    Wie lange sind die Leute immun,
    Was ist mit Schulkindern zu tun?
    Wie sind die Regeln beim Reisen,
    Was muss man alles vorweisen?

    Corona-Herbst und vierte Welle,
    Die Delta-Version ist zur Stelle.
    Das Virus mutiert munter weiter,
    Bleiben wir wachsam und heiter;
    Trotzen furchtlos, mit Verstande
    Auch noch der Omega-Variante.

    Corona-Weihnacht Nummer zwei,
    Impfen und Testen bis in den Mai.
    Mit Maske begrüßen wir den Lenz,
    Noch immer im Blick die Inzidenz.
    So bleibt das Ende der Pandemie
    Im Land wohl noch länger Utopie.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

    Antworten


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