Tafelbild mit Spruch: Jede Lüge braucht eine Zeitung, die sie schreibt!

Der verlogene Springer-Chef Mathias Döpfner

Es ist ein beeindruckendes Interview, das Springer-Chef Mathias Döpfner für das Springer-Blatt „Welt am Sonntag“ mit der fast hundertjährigen KZ-Überlebenden Margot Friedländer geführt hatte. Die Überschrift eine Warnung der Zeitzeugin: „Ihr müsst vorsichtig sein, dass so etwas nicht wieder geschieht.“ Aber dieses Interview ist zugleich Ausweis der Verlogenheit des Herrn Döpfner, der so einfühlsam fragen kann. Denn er lässt seit Jahren zu, dass ebenfalls in seinem Verlag die „Bild“-Zeitung immer offener als das Sprachrohr der AfD agiert und agitiert; – jener rechtsradikalen Partei, vor der Margot Friedländer in ihrem WamS-Interview explizit warnt.

Erschütternd, dass es einem beim Lesen die Luft abschnürt, schildert Margot Friedländer den Leidensweg ihrer Familie in der NS-Zeit, den sie als einzige überlebt hat. Und dann kommt das Gespräch auf den Antisemitismus in Deutschland heute.

Margot Friedlänger: „Ich bin enttäuscht, dass es jetzt so viele sind, die wieder jubeln.“

Döpfner: „Haben Sie das Gefühl, dass gerade etwas wegrutscht in Deutschland ?“

Friedländer: „Ein bisschen schon. Auf jeden Fall zu viel.“

Döpfner: „Woran machen Sie das fest ?“

Friedländer: „Wegen der AfD. Man gibt ihnen zu viel Aufmerksamkeit. Auch viele Journalisten tun das. Es ist nicht gut. Es ist zu viel in den Ohren der Menschen.“

Und genau die Denke dieser AfD befeuert Döpfners „Bild“. Der Verlagschef lässt seiner auflagenstärksten Zeitung Leine, gebietet keinen Einhalt. Bild hetzt in schlimmster AfD- und Querdenker-Diktion gegen den Staat, gegen staatliche Regelungen und Institutionen, versucht staatliche Autorität und damit die verfassungsmäßige Ordnung zu unterminieren, lächerlich zu machen. Und die AfD sagt: „Danke Bild“ – sogar schriftlich, für jedermann nachlesbar.

Corona, der willkommene Dauer-Aufreger. Vor wenigen Tagen auf S.1 von „Bild“ das Konterfei einer griesgrämigen Kanzlerin, die ihre Anti-Corona-Regeln „durchpeitschen“ will. Dagegen der „Bild“-Appell: „Hört auf mit Spaltungs- und Paniksprüchen….. Gleiche Rechte für alle Menschen, Geimpfte und Ungeimpfte ….. Schluss mit Einschränkungen unserer Grundrechte“. Und dann direkt an die Kanzlerin: „Wir brauchen Ihre Vorschriften nicht.“ Ebenfalls im Gleichklang mit AfD und Querdenkern greift „Bild“ dann auch noch das öffentlich-rechtliche Fernsehen an: „Schluss mit der Corona-Propaganda bei ARD und ZDF“.

Vor der verlags-eigenen TV-Kamera für’s Internet geht Bild-Chef Reichelt noch weiter. Er ergreift Partei für die Sängerin Nena, die sich schon öffentlich zu den Querdenkern bekannt hatte, rechtfertigt deren offene Aufforderung an die Fans bei einem Open-Air-Konzert in Berlin, die Corona-Regeln und das Hygiene-Konzept zu missachten und dichter aneinander zu rücken. Der Veranstalter selbst, nicht etwa das Ordnungsamt, hatte daraufhin das Konzert abgebrochen. Reichelt aber braucht den staatlichen Gegner, den er niedermachen will: „Wer ist denn bitte das Ordnungsamt in diesem Land. Das ist eine Rechthaber-Organisation. Was für ein Staat ist das denn geworden, in dem eine Suborganisation von  Ordnungsamt den Menschen verbieten darf, noch ein bisschen mehr Musik zu hören ?…..Das ist das Ergebnis einer berauschenden Angstpolitik. Von dem süßen Gift der Befugnisse können sie nicht genug kriegen.“

Noch einmal !!!: Das Ordnungsamt war beim Nena-Konzert gar nicht auf den Plan getreten. Der Veranstalter selbst hatte das Konzert vorzeitig beendet. Aber Bild-Chef Reichelt war seinen Hass auf den Staat losgeworden. Und weiter im Text: Grundrechte würden „brutalst eingeschränkt, ganz klar nach politischen Kriterien …die Grundrechte gelten nicht mehr für alle.“

„Besser spät als nie“, jubelte die AfD Berlin auf Twitter. „Danke Bild für die Übernahme sämtlicher AfD-Positionen.“

Dieselbe AfD, vor der die KZ-Überlebende, Margot Friedländer,  in dem von Springer-Chef Döpfner so einfühlsam geführten Interview eindringlich gewarnt hatte.

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Christoph Lütgert

Christoph Lütgert war Rundfunk-Korrespondent beim NDR, hat für Panorama gearbeitet und war später Chefreporter Fernsehen beim Norddeutschen Rundfunk. Lütgert wurde wegen seiner sozialkritischen Reportagen mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.


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