Narzissmus

Die Bazille des Jahres – ein Zwischenruf

Die menschliche Gattung hat sich auf dem Planeten Erde so breitgemacht, dass sie mittlerweile ein großes Fressen ist. Da sie aber auch deshalb so zahlreich Individuen hervorgebracht hat, weil sie es seit den Anfängen verstand, sich die großen Räuber vom Hals zu halten, sind von diesen kaum noch welche übrig, von ihnen wird eine Grande Bouffe nicht ausgehen.

Aber die kleinen Räuber…

Die kleinen Räuber, Bakterien und Viren oder wie nicht nur die Saarländer sagen: die Bazillen, sie sind nicht auszurotten, sie stehen bereit, und je mehr es zu fressen gibt, umso mehr gibt es von ihnen. Okay, ich weiß, sie fressen uns nicht, aber wir dienen ihnen zur Vermehrung, und das läuft gelegentlich auf das gleiche hinaus, okay?

Die kleinen Räuber sind ebenso Individuen wie Donald Johnson oder Boris Trump, Annoying Dicks, wie die Amis sagen, sie schauen nur auf das Ihre. Jeder frisst so viel er kann, und wenn die Wirtsgattung dadurch zu Grunde geht und mit ihr die Lebensgrundlage der Gattung der kleinen Räuber, dann ist es für das räuberische Individuum egal, es kann halt an nicht mehr denken als an sich. Das sollte die Leser nicht verwundern, fiel es doch selbst genialen Artgenossen wie Hillary Blair und Tony Clinton schwer, an mehr als nur an sich zu denken.

Ach, wäre das schön, sagen nun die Ideologen des Grünfraßes, wenn so die Erde wieder in ihr Gleichgewicht käme! Dumm nur, dass die Erde so wenig ein Gleichgewicht kennt wie die kapitalistische Produktionsweise. Stattdessen schwankt sie von einem Extrem ins andere, das ist ihr Lauf, da ist sie der hirnlosen Plusmacherei in ihren Eingeweiden verblüffend ähnlich.

Nein, auch die Bazillen sind keine List überweltlicher Vernunft, sie rücken der menschlichen Gattung nur auf die Pelle, sie nehmen ihr nichts ab.

Die Evolution des Lebens auf der Erde hat Verstand als soziales und technisches Verständnis bei zahlreichen Lebewesen mit sich gebracht und beibehalten, weil es sich für diese, für ihr Gedeihen und Überleben lohnt. Vernunft als Gabe, über sich selbst, die eigene Gruppe und den Lebensraum vorausschauend hinauszudenken, tritt biologisch nur beim Menschen auf, wenn auch nicht gerade gehäuft. Sie ist potentiell das Rettende und wäre es real mit Sicherheit dann, wenn die kleinen Räuber tatsächlich Inkarnationen des Weltgeistes wären und gezielt die Stinkstiefel wegfräßen. Wie viele würden liebend gern an die Vorsehung glauben …

Aber so ist die Welt nicht. Statt dem Himmelszauber aufzuhelfen, werden die Bazillen die menschliche Gattung immer wieder ohne Ansehen der Person dezimieren, da hilft nix. Doch wird es vermutlich nicht dahin kommen, dass sie den Menschen kurzerhand den Garaus machen. Das Kleinzeug vermehrt sich zwar erschreckend schnell, aber es verliert auch rasend schnell die Form.

Und jetzt ganz fundamental: Die Evolution ist ohne Plan und ohne Ziel. In ihr verbirgt sich kein wildentschlossener strafender Gott, ebenso wenig ein mildtätiger. Deswegen werden wir nie genau wissen können, was auf uns zukommt und was aus uns wird, da sollte man den Landeiern aus dem Silikon-Tal und ihren Spinnereien von künstlicher Intelligenz und transhumanem Hokuspokus nicht auf den Leim gehen.

Die Bazille, das ist die Anarchie des Lebens, das gefeiert sein will.

Bildquelle: Pixabay, Bild von John Hain, Pixabay License

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Karl-Heinz Klär

Historiker und Soziologe. 1983-87 Büroleiter von Willy Brandt. Langjährige Tätigkeit als Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei im Rheinland-Pfalz.


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