Buchtitel

Ein Kontinent und seine Herren Diktatoren – Michi Strausfeld lässt Lateinamerika erzählen

Ausdrücklich adressiert Michi Strausfeld ihren Lesern: „Dies ist ein politisches Buch“

Auf mehr als 500 Seiten blättert sie die Geschichte Lateinamerikas auf, und lässt sie von lateinamerikanischen Schriftstellern erzählen. Sie sind die Chronisten eines mehr als halben Jahrtausends, das 1492 begann, als Christoph Kolumbus in das Bordbuch seines Schiffes die erste Begegnung mit Eingeborenen auf der der Küste vorgelagerten Insel Guanahani beschreibt.

 Er glaubte, in Indien gelandet zu sein. Ein Irrtum, dem er bis zu seinem Lebensende aufsaß. Mehr als 500 Jahre sind vergangen, seit die blutige spanische Eroberung des neuen Kontinents begann, und im Ausguck eines der drei Schiffe, der Santa Maria, Nina und Pinta, der Spanier Rodrigo de Triana nach 70 Tagen auf See endlich Land entdeckte.

Kenntnisreich lässt uns Michi Strausfeld teilnehmen an ihren Begegnungen mit Menschen, die sie nach dem Studium Romanistik, Hispanistik und Anglistik in Lateinamerika kennenlernte. Darüber verging ein halbes Jahrhundert, in dem ihre „große Liebe“ zur lateinamerikanischen Literatur und zum Kontinent wachsen konnte.

Ein Buch, das in vielen Facetten, die Geschichte der Begegnung Spaniens mit dem „neuen“ Kontinent beschreibt. Vor 500 Jahren ein Spanien, das Aufklärung nicht kannte. Ein intolerantes Land, das glaubte, die katholische Religion „mit Schwert und Kreuz, zum Wohle aller Menschen verbreiten zu müssen“. So auch in den neu eroberten Gebieten Amerikas, zu einem Zeitpunkt als in Spanien die religiöse Toleranz endete und die brutale Vertreibung von Mauren und Juden begann, die sich in Lateinamerika gegen die Eingeborenen fortsetzen sollte.

Bis heute ist der Kontinent ohne soziale Balance. Noch immer bleibt dabei Frage und Suche nach Antwort: „Was die Ursache für die unfassbare Ungleichheit ist, und was davon ist selbst -, was fremdverschuldet“.  Für Michi Strausfeld. kommt hinzu, dass heute falsche Antworten auf die Probleme der Weltgemeinschaft wie Klima, soziale Spaltung, Armut, Korruption, alles auch in Lateinamerika besonders ausgeprägt, dazu zwingen, sich mit dem Kontinent zu beschäftigen. Brasilien etwa, könnte mit der Vernichtung der Regenwälder mindestens so viel Unheil anrichten wie der Norden des blauten Planeten durch klimaschädliche Produktivität und Industrie täglich zur Erderwärmung beiträgt. Neben der wachsenden politischen Bedeutung des Kontinents, zeigt Michi Strausfelds in den „Gelben Schmetterlingen“, wie groß die literarische Schatztruhe Lateinamerikas ist, die sie sowohl in kenntnisreicher Wiedergabe des literarischen  Fundus mit Porträts der  Protagonisten, zumal oft enge Freunde, ergänzen kann. Michi Strausfeld wurde auf dem Literaturfestival 2012 in Buenos Aires als eine der 50 wichtigsten Persönlichkeiten gewählt, die sich als Vermittlerin für lateinamerikanische Literatur verdient gemacht haben. Sie erhielt viele Auszeichnungen. Spätestens mit dem jetzt vorgelegten Band „Gelbe Schmetterlinge und die Herren Diktatoren“ werden sicher weitere folgen. Ein wichtiges politisches Buch ist hier vorgelegt und kann helfen, den Blick auf diesen Teil der Welt zu schärfen. (S.Fischer Verlage.de)

Bildquelle: Titelbild

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


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