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Home Kultur Buchbesprechungen

Ein unvergänglicher Sommer – Ein Roman von Isabel Allende

Jörg Hafkemeyer Von Jörg Hafkemeyer
19. August 2018
Buchtitel "Ein unvergänglicher Sommer"

Es ist das Jahr 1982. Salvador Allende, der demokratisch gewählte chilenische Präsident ist neun Jahre tot. Gestürzt von General Pinochet und seinen Putschisten, dabei ums Leben gekommen. Da kommt ein Buch heraus, von einer international unbekannten Frau: DAS GEISTERHAUS von Isabel Allende.  Und wird ein Welterfolg. Der gleichnamige Film des dänischen Regisseurs Bille im August 1993 ebenfalls. Wahrscheinlich hat kein Putsch in Lateinamerika nach dem Zweiten Weltkrieg Deutschland, Europa so aufgerührt wie der gegen Allende in Chile 1973.

Und wer sich nicht schon davor für die Literatur des südamerikanischen Landes interessiert hatte, fing spätestens nun an, wenigstens Pablo Neruda zu lesen und Jahre später in schmerzhafter Erinnerung an jene Zeiten den großartigen Film NERUDA von Pablo Lorrain anzuschauen. Nun also, lange 45 Jahre später, veröffentlicht die unterdessen 75jährige Isabel Allende, eine entfernte Verwandte des gestürzten Präsidenten, ihr neues Buch „EIN UNVERGÄNGLICHER SOMMER“. Die Autorin, die kurz nach dem Putsch aus Chile nach Venezuela floh, lebt unterdessen in Kalifornien, ist US – Staatsbürgerin. Ich habe sie das erste Mal seinerzeit in Caracas getroffen und sie als eine sehr gut zuhörende, intelligente Gesprächspartnerin erlebt.
Worum geht es? Es geht um eine gescheiterte, zerbrochene Ehe und um Donalds Trumps Ächtung lateinamerikanischer Migranten. Da ist zum Beispiel ein Frau, die im New Yorker Stadtteil Brooklyn haust, über die die Autorin kürzlich in einem längeren Interview unter anderem sagte: „Sagen wir, dass es in der Figur Lucia, der Chilenin, einige persönliche Züge von mir gibt. So wie es in den Figuren oder den Themen immer etwas Persönliches gibt. Aber es ist Fiktion, keine Erinnerung. Sie basiert auf einigen chilenischen Journalistinnen, Freundinnen von mir, die die Repression während des Militärputsches erlebt haben und so wie ich in das Exil gegangen sind oder gehen mussten. Das war nicht nur ich, verschiedene Frauen haben das auch erlebt.“
Sie sagt von sich, sie wolle Geschichten erzählen: „Ich glaube, es ist genug, eine Geschichte zu erzählen, und die Leserin oder der Leser zieht seine eigenen Schlüsse.“ Das kann man so sehen. Dennoch ist es ein politisches Buch schon auf Grund ihrer eigenen Erlebnisse als Ausländerin nach der Flucht aus Chile in Venezuela, als Ausländerin zunächst nach ihrer Übersiedlung von dort in die USA. „Ich weiß, was es heißt, als politisch Verfolgte in ein anderes Land zu kommen,“ hat sie einmal gesagt. Nur, so hat sie seit dem „GEISTERHAUS“ nicht mehr geschrieben und das wurde von der Literaturkritik gefeiert. Mit jedem Grund.
Was ist das für ein Buch geworden, „EIN UNVERGÄNGLICHER SOMMER“? Es ist gut zu lesen und hat viel mit der eigenen Geschichte der Autorin zu tun. Und die ist gewiß spannend. Auch wenn die Mexikanerin Elena Poniatowska Isabel Allende als ein „kommerzielles Phänomen“ bezeichnet, was sie in gewisser Weise auch ist, ihr jetzt herausgekommenes Buch hebt sich deutlich von ihren vorherigen ab: Es hat eine schlüssige Dramaturgie, eine gute Geschichte, es ist auch authentisch. Das gilt vor allem für das Thema Migration, denn, davon ist Isabel Allende überzeugt, nichts werde die Menge von Verzweifelten aufhalten. Auch in dieser Hinsicht sei Donald Trump eine Katastrophe: „Er behandelt Immigranten aus Lateinamerika, die keine Papiere haben, wie Kriminelle. Und er macht da überhaupt keine Unterschiede. Es gibt Kinder, die hierher gekommen sind, als sie ein Jahr alt waren. Sie sind hier aufgewachsen, sprechen Englisch, sind nie in das land zurückgekehrt, aus dem sie gekommen waren, und jetzt sollen sie zurück. Wohin sollen sie zurück?“  Die Geschichte von Lucia und Richard in Brooklyn ist sehr persönlich, überhaupt nicht kitschig und seit einiger Zeit wieder einmal ein Buch von Isabel Allende, das überzeugt. Dazu passt auch der Anfang und das Ende mit dem Satz von Albert Camus: „Mitten im Winter erfuhr ich endlich, daß in mir ein unvergänglicher Sommer ist.“
Isabel Allende: Ein unvergänglicher Sommer. Suhrkamp. ISBN 978-3-518-42830-6. 350 Seiten. 24 Euro.
Bildquelle: Buchtitel; Ein unvergänglicher Sommer – Ein Roman von Isabel Allende.
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Tags: BuchbesprechungEin unvergänglicher SommerIsabel AllendeMigrationUnmenschlichkeit TrumpsUSA
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