Bayern Arena

FC Bayern: Geld gewinnt – Wenn Milliardäre gegen Millionäre kicken

Das waren noch Zeiten, als der gute alte Otto Rehhagel sagen konnte: Geld schießt keine Tore. Sonst wäre Werder Bremen damals nie Meister geworden. Aber damals waren die Unterschiede -gemessen an heute- minimal. Heute spielt der Milliardär von der Säbenerstrasse in Bayerns Metropole gegen die Millionäre aus Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Gladbach. Und als Fan von SO4 füge ich hinzu: Der letzte Altmeister in der Bundesliga, Schalke, hat wie mehrfach berichtet, 200 Millionen Euro  Schulden. Der andere Altmeister aus Nürnberg kämpft in Liga Zwei um Abstieg oder Verbleib.

Das Pokalendspiel Bayern gegen Leverkusen habe ich mir nur gegen Ende angeschaut. Wie erwartet, haben die Bayern klar mit 4:2 gewonnen. Über den Fernseh-Reporter musste ich schmunzeln. Als ich einschaltete, stand es 3:1, er sah immer wieder Chancen für die Leverkusener, sah das Spiel nicht entschieden. Ich habe mir mehrfach die Augen gerieben, dachte, der will den Bayer-Spielern Mut machen. Das Spiel war durch, die Bayern mussten doch gar nicht alles geben, um zu dominieren.

Nein, ob im Pokal oder in der Meisterschaft: Es gibt keine Spannung mehr, die Bayern sind meilenweit vor der Konkurrenz, die eigentlich nur noch dann gewinnen kann, wenn die Münchner total von der Rolle sind, über den Ball treten, wenn sie mindestens zwei Spieler wegen groben Foulspiels verlieren. Was sie aber nicht tun. Warum sollen sie den Gegner foulen, wenn sie ihn doch einfach überlaufen und ausspielen können.

Gladbachs Manager Max Eberl lieferte gerade einen hübschen Vergleich für die nächste Saison. Bayerns Überlegenheit sei so, als wenn er, Eberl, gegen den einstigen Wunderläufer Usain Bolt, den Weltrekordler über 100 Meter, antreten müsste. Chancenlos ist Gladbach, sind die Dortmunder, die Leipziger. Sie mögen mal ein Spiel gewinnen, die Gegner mögen während  der Saison mit einigen Punkten vorn liegen, am Ende gewinnen die Bayern. Nicht wahr, Freunde vom Borsigplatz. Manuel Neuer, der kommt aus Schalke, betonte das Ziel der Kicker aus dem Freistaat: Titel holen. Der Mann hat keinen Humor. Jetzt haben sie mal eben den Sané verpflichtet von Manchester City, vorher war er bei den Blauen. Er soll in München 20 Millionen Euro verdienen, besser bekommen. Dass die Bayern dann noch besser werden, möglich, dass sie dann, wenn sie Ernst machen, überhaupt kein Spiel mehr in der Bundesliga verlieren. Kann sein, aber ist das dann noch interessant?Ok, sie könnten noch den Kai Havertz aus Leverkusen holen. Und dann? Werden sie dann noch unbesiegbarer als heute? Unbesiegbar lässt sich nicht steigern.

Langeweile pur,  ob mit oder ohne Zuschauer. Auf dem Konto des FC Bayern liegen halt die vielen Millionen von den Sponsoren, von Audi, Adidas und wer sonst noch gern sein überschüssiges Geld nach München schickt, damit die Bayern gewinnen und gewinnen und gewinnen. Klar, warum sollen sie ihr Geld auch woanders hinschicken, die beste Werbung ist in München. Achtmal hintereinander Meister, Zweimal das Double. Dass sie unbesiegbar werden, wenn nichts Schlimmes passiert, was ich ihnen nicht wünsche. Die Zeiten, da es Überraschungsmeister wie Kaiserslautern, Bremen oder den BVB gab, früher gar Gladbach , sie sind vorbei. Die Schalker träumen von 1958, die Kölner singen meisterlich.

Nein, der Titelkampf ist entschieden, ehe der Ball wieder ins Rollen kommt, das gilt auch für den Pokal. Bin gespannt, wie die Bayern in der Champions-League abschneiden, da sie in Deutschland nicht mehr gefordert werden und im Grunde mit angezogener Handbremse gegen den Rest der Liga spielen können. Oliver Kahn hat kürzlich vor einer solchen Entwicklung gewarnt, als er sagte: Wir dürfen uns nicht zu Tode siegen. Das ist längst so, Herr Kahn. Geld schießt Tore und der FC Bayern ist der mit Abstand reichste Klub in der Republik und daran wird sich nichts ändern. Nein, die Bayern müssen künftig auch nicht absichtlich verlieren oder nur noch die 2. Mannschaft aufstellen, damit die anderen nicht die Lust am ungleichen Wettkampf verlieren. Aber vielleicht sollten wir den Vizemeister küren. Nein, auch der ist ja ein Verlierer.

Schade. Es ist langweilig im deutschen Fußball. Eine europäische Super-Liga als Ausweg? Dann wäre quasi pausenlos Champions-League, Juventus, Real, der FC Barcelona, der FC Bayern, PSG, Liverpool, Manchester City und United, Chelsea, Ajax Amsterdam, Porto und/oder Lissabon, vielleicht lassen sie die Schwarz-Gelben auch mitspielen in einer solchen Liga der Reichen. Ob sich das rechnet?

Es geht um Geld, nur noch um Geld, das hat diese Saison ohne Zuschauer gezeigt. Ob die Zeiten sich nach Corona ändern, ich glaube es nicht. Und jetzt ein Blick ins Archiv, für die Bayern-Gegner bitter: In seiner ruhmreichen Geschichte gewannen die Bayern 73 Titel, 30mal die deutsche Meisterschaft, 20mal holten sie den Pokal, achtmal den deutschen Supercup, sechsmal den Ligapokal, fünfmal siegten sie in der Champions-League, einmal gewannen sie den UEFA-Cup, einmal denEuropa-Pokal der Pokalsieger, zweimal den Weltpokal, hier mach ich Schluß. Ist ja langweilig.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Photoholiday, Pixabay License

 


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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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