Feuer und Zorn: Bannon bringt Trump in Bedrängnis

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, sagt der Volksmund. Doch der Bruch zwischen Donald Trump und Stephen Bannon lässt sich wohl endgültig nicht mehr kitten. Der US-Präsident hat seinen ehemaligen Chefstrategen aufs Schärfste kritisiert. Bannon habe, als er gefeuert wurde, „nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand“, sagte Trump. Die Angelegenheit war dem Twitter-Freund eine ausführliche Stellungnahme wert.

Es geht um das Buch von Michael Wolff, das kurz vor dem offiziellen Erscheinen in Auszügen schon in der New York Times und dem britischen Guardian zu lesen ist. Unerfreuliche Auszüge, versteht sich, und Trump reagiert entsprechend verärgert. Ganz wie es der Buchtitel sagt, mit Feuer und Zorn. „Fire and Fury: Inside the Trump White House“.

Seifenopern sind nichts dagegen. Der US-Präsident fällt über seinen dereinst engsten Vertrauten her, spricht ihm jeden Anteil am eigenen Wahlerfolg ab und behauptet, Bannon habe während seiner Zeit im Weißen Haus falsche Informationen an die Medien lanciert, um sich selber wichtig zu machen. „Das ist das einzige, was er gut macht“, schilt Trump seinen Ex-Berater, der auch für ihn die Medien fütterte. Bis August 2017, als Trump ihn in die Wüste schickte, galt Bannon als Architekt des rechtspopulistischen republikanischen Wahlerfolgs.

Auch danach noch brüstete sich der ultrarechte Ideologe, der eigene Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur in Abrede stellt, mit seinem engen Draht zum mächtigsten Mann der Welt. Eine unschätzbare Quelle für den Journalisten und Buchautor Michael Wolff, dem Bannon nicht nur vieles erzählte, sondern offenbar im Weißen Haus auch viele Türen öffnete.

Mehr als hundert Gesprächspartner soll Wolff getroffen haben. Der Präsident kommt – erwartungsgemäß – nicht gut weg bei dem, was die Menschen in seiner Nähe über ihn ausplauderten. Und was Bannon erzählt, kann Trump nicht nur politisch, sondern auch juristisch zu schaffen machen. Von den Attacken auf die Familie ganz zu schweigen.

Mögliche illegale Russlandkontakte während des Präsidentschaftswahlkampfs sind bereits Gegenstand peinlicher Ermittlungen von Justizministerium und Kongress. Nun behauptet Bannon, Donald Trump Junior, der Sohn des Präsidenten, sein Schwiegersohn Jared Kushner und Wahlkampfleiter Paul Manafort hätten im Juni 2016 die russische Anwältin Natalia Weselnizkaja getroffen und von ihr schädliche Informationen über die demokratische Bewerberin Hillary Clinton zugesagt bekommen. Das sei, meint Bannon, „unpatriotisch“, „Verrat“ und ein Fall für das FBI.

Trump keilt zurück. Männer vom Schlage Bannons wollten das Land nicht aufbauen, sondern „niederbrennen“, schimpft der Präsident. Das zielt auf Bannon, trifft aber den Rechtsaußenflügel der Republikaner insgesamt, der ihm an den Lippen hängt. Vor gar nicht langer Zeit gehörte Trump selbst dazu und wetterte gegen das Establishment. Jetzt, so scheint es, könnte er sich nach dessen Schutz sehnen. Falls ihm in der Russlandaffäre etwas nachzuweisen wäre, würde ihm das allerdings auch nicht mehr helfen.

Bildquelle: pixabay, User thommas68, CC0 Creative Commons

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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