Idomeni

Schamlose Scharfmacher, gegen die die Linke sich leider nur lahm artikuliert. Ein Beispiel aus Radolfzell: Geschäftige AfD vor Ort und seltsam unlebendige linke Sprüche aus der Mottenkiste.

Das sind die ziemlich trüben Aussichten auch für Radolfzell: die Scharfmacher der AfD sind auf einem rabiaten Vormarsch, ihr schändliches Tun ist gewissenlos.

Und: wirklich schade, dass dümmliche Sprüche wie „Nazis raus“  – WOHIN denn Bitte??? –  und „Nie wieder Rassismus“ – dabei ist der doch bereits mitten unter Uns – auf der Demo letzten Mittwoch am ehemaligen SS-Standort so gezeigt und geschrien wurden, als sei die Welt stehen geblieben; ist sie aber keineswegs.

So bar jeder politischen Argumente dieser plakativen Art von nur unkonkret behaupteter Opposition hat jedoch die indolente AfD–Elite fürchterlich leichtes Spiel und biegt sich in ihrer hochneurotischen emotionalen Kälte vor dumpfem Hohngelächter angesichts unseres öffentlich fehlenden gedanklichen Widerstands, unser konkret politischer Entwurf – nicht zu erkennen, auch eine humanistische Grundhaltung, die die so genannte Mitte überzeugt, wird unsererseits kaum formuliert.  Und dabei gibt es doch etliche demokratische Errungenschaften, die wir als Basis ernstnehmen und selbstbewusst hochhalten, auf der wir aufbauen können!

Von den phantasielosen stramm Linken leider völlig unterschätzt, wird die der AfD eigene strategische Aufrüstung, die raffiniert von skrupellosen Propagandatypen in die asozialen Netze und pathologischen Echoräume hineingehetzt wird.

Flankiert vom Gewalt explizit verherrlichenden Zyniker Stephen Bannon – im AfD-Newsroom des Bundestages – durch uns Steuerzahler*innen brav finanziert. Aktuell will Bannon mit der versierten Goldman-Sachs-Managerin Weidel eine EU-weite Propagandazentrale in Brüssel etablieren.

Jeder Klick macht Kasse, ganz egal, ob kommerziell oder ideologisch, die Werbeindustrie ist ganz versessen auf die Sensationsgier der Willigen.  Durch eklige Appelle an niederste Instinkte angestachelt, geschieht weltweit eine fatale Entpolitisierung der Bürger*innen zu verblödeten Endverbraucher*innen. So mischt sich die gezielte Manipulation kommerziell und politisch in ihrer schleichenden persönlichen Entmündigung, ja das kalt kalkulierte Manipulieren ergänzt sich auf beiden Ebenen. Denn auch hier – entscheidend für den Profit ist die „Stückzahl“, die Quantitäten allein zählen!

Überfordert durchs permanente Online-Geblinke, Gepiepe, Geflacker – so reduzieren sich die in ihrer potenziellen Wahrnehmungskraft zunehmend moralisch heruntergekommenen smart-phone – user zu umgänglichen Objekten von Exhibitionismus und Voyeurismus. Bloß nicht SELBST DENKEN, bloß nicht KRITIKFÄHIG werden, ist zu anstrengend, dumpf aufhetzen ist „einfach geil“, diese in Wahrheit ja wenig selbstbewussten Menschen sind sich einig im rohen Hass, als Teil einer Gruppe, muss man die eigene Ratlosigkeit als vereinzeltes Individuum nicht weiter unangenehm zur Kenntnis nehmen. So findet der eigentlich schmerzhafte Mangel an Selbst-Achtung sein Ventil in der Ver-Achtung anderer Mit-Menschen. Das Aufhetzen mit Parolen im Netz ersetzt den realen Stammtisch. Frau Weidel redete neulich so triumphal vom „gesunden Menschenverstand“ über die Geflüchteten, verdammt nah am NS-Schlagwort vom „gesunden Volksempfinden“.

Dabei gibt es in Wahrheit kein einziges Argument gegen das global gesunde DEMOKRATIE-Motto:

„DEMOKRATIE – die bunte Freiheit, mit gleichen, klar geordneten Spiel-Regeln für Alle!“

 

Bildquelle: flickr, Mario FornasariCC BY 2.0 

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Marianne Bäumler

Die Theater-, Film- und Literaturkritikerin schreibt für diverse Zeitungen und arbeitet für den öffentlich rechtlichen Rundfunk. Sie promovierte über Erich Kästner, lehrte an der Universität Marburg, arbeitete als Dramaturgin und machte Dokumentarfilme für den WDR und andere ARD-Sender.


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