Alltag unter Corona

Geschichte hautnah: Schreibaufruf #Mein Tag in der Corona-Krise

Der wissenschaftlichen Forschung eröffnet sich in der Corona-Krise eine einzigartige Situation. Das Leben und Zusammenleben der Menschen ist auf vielfältige Weise verändert, sei es in der Arbeitswelt, in Schulen und Universitäten, sei es im Gesundheitswesen, beim Einkaufen, in Sport und Freizeit. Zahlreiche Forschungsvorhaben nutzen die außergewöhnliche Zeit, um Daten zu erheben und Erkenntnisse zu erzielen. Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) gibt auf seiner Homepage eine Übersicht.

Ein herausragendes Beispiel ist der „Schreibaufruf #Mein Tag in der Corona-Krise“. Das wissenschaftliche Projekt des Stadtmuseums Lippstadt wendet sich an jedermann und lebt von der Beteiligung möglichst vieler Menschen. Es lehnt sich an an frühere Sammlungsaufrufe der Volkskundlichen Kommission für Westfalen und des Seminars für Volkskunde/ Europäische Ethnologie der Universität Münster.

Aber lesen Sie selbst. Und schreiben Sie selbst. Geschichte hautnah. Erlebt und überliefert.

Der Aufruf im Wortlaut:
Das Stadtmuseum Lippstadt sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt die Geschichte
der Menschen vor Ort. Es geht um Ihren Alltag, Ihre Erlebnisse und Strategien, das Leben zu gestalten, Ihre Gefühle und Gedanken.

Anlässlich der Ereignisse um die Corona-Krise mit ihren neuen Verhaltensregeln, die uns alle in unserem Alltag betreffen, bitten wir um Mithilfe. Wir möchten einen Tag in Ihrem Leben in dieser Krise für später, für nachfolgende Generationen festhalten.

Mitmachen kann jeder: jung oder alt, Mann oder Frau, Stadt- oder Landbewohner. Ob Sie in Deutschland oder an einem anderen Ort in der Welt geboren sind, ob Sie an einer Universität oder in einem Supermarkt arbeiten, ob Sie noch in der Ausbildung, pensioniert oder gerade arbeitslos sind – wir interessieren uns für Sie und Ihre Kinder und Ihre Erlebnisse an einem Tag in der Corona-Krise.

Geschichten aus dem Alltag

Wir sammeln Ihre Geschichten aus dem Alltag und machen die Corona-Krise damit zu einem historischen Ereignis. Sie haben die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben!

Erzählen Sie uns, wie Ihr Alltag allein und mit anderen aussieht: Wer hat Sie geweckt? Wo und was haben Sie gefrühstückt? Hat es Ihnen geschmeckt? Wie haben Sie auf das Wetter reagiert? Wie war Ihr Arbeitstag? Was hat Sie beschäftigt – Gedanken, Ängste,
Hoffnungen, Zuversicht? Was hat sich verändert in der Corona-Krise? Was planen Sie für die Zukunft?

Manche Menschen werden jede Stunde genau protokollieren, was sie getan und gefühlt haben; andere werden nur über die wichtigsten Abschnitte des Tages berichten. Sie entscheiden selbst, was Sie mitteilen möchten. Die Länge des Briefes spielt keine Rolle, auch nicht, ob er handgeschrieben oder getippt ist oder ob er vielleicht Rechtschreibfehler enthält.

Warum wollen wir das alles von Ihnen wissen?

Alles, was nicht in den Geschichtsbüchern steht, ist oft nach einer Generation vergessen. So wissen wir schon heute nicht mehr genau, wie der Alltag vor 50 Jahren aussah.

Von der Corona-Krise werden Geschichtsbücher berichten, aber wenn wir heute nicht genau aufschreiben, was jeder von uns erlebt, fühlt und denkt, dann werden nachfolgende
Generationen diese Krise nicht verstehen. Deshalb fragen wir SIE heute, wie SIE Ihren Alltag gestalten. Schreiben Sie über einen spezifischen Tag in der Corona-Krise und erzählen Sie den Menschen in der Zukunft von Ihrem Leben. Schreiben Sie Geschichte! Helfen Sie uns, ein Archiv für die Zukunft anzulegen. Kein Detail ist dabei unwichtig.

Was sollte in Ihrem Brief unbedingt stehen?

Damit wir Ihre Geschichten einordnen können, benötigen wir einige Informationen über Sie. Bitte teilen Sie uns in Ihrem Brief unbedingt mit:
• Ihr Geschlecht
• Ihr Geburtsjahr
• Ihren Geburtsort
• Ihren Wohnort
• die Anzahl und das Alter Ihrer momentanen Mitbewohner
• Ihren Beruf
• das Datum Ihres ausgewählten Tages während der Corona-Krise

Sie entscheiden, ob Sie Ihre Geschichte mit Ihrem Namen unterzeichnen oder nicht.
Ihre Geschichte schicken Sie uns in einem verschlossenen Umschlag zu.

Sie entscheiden, wann der Umschlag für wissenschaftliche Zwecke geöffnet und ausgewertet werden soll: Entweder nach 2 Jahren oder nach 50 Jahren. Schreiben Sie oben links eine „50“ auf den Umschlag, dann wird er erst in 50 Jahren geöffnet.

Warum überlassen wir allein Ihnen, was Sie schreiben möchten?

Warum schicken wir Ihnen keinen Fragebogen darüber, was wir wissen wollen? Ganz einfach: Wir möchten Sie nicht einschränken, weil wir Ihnen genau zuhören wollen. Wir wissen nicht, welche Themen Ihnen gerade am Herzen liegen und auch nicht, was für nachfolgende Generationen an Ihrer Schilderung Ihres Alltags in dieser Corona-Krise wichtig sein wird.

Kann man außer Texten noch etwas mitschicken?

Ja! Auch Fotos von „Ihrem“ Tag interessieren uns, Zeichnungen, Belege, alles, was flach
und aus Papier ist, können wir archivieren.

Was passiert mit Ihrem Brief?

Alle Briefe werden in den Magazinbereichen des Stadtmuseums Lippstadt in der Rathausstraße, später im Depot des Stadtmuseums für die Zukunft aufbewahrt.

Wohin mit den Briefen?

Ihren Brief schicken Sie uns bitte an das

Stadtmuseum Lippstadt
Rathausstraße 13
59555 Lippstadt

Stichwort/Betreff: „Mein Tag“

– oder werfen Sie ihn einfach in unseren Hausbriefkasten,
Rathausstraße 13.

Falls Sie Ihren Bericht per Email zusenden möchten, machen wir Sie darauf aufmerksam,
dass wir Ihre Email ausdrucken und dann in Papierform archivieren. Hierfür nutzen Sie bitte die Email-Adresse: stadtmuseum@stadt-lippstadt.de

Ansprechpartner:
Dr. Christine Schönebeck
Stadtmuseum Lippstadt
Rathausstraße 13
59555 Lippstadt

Bildquelle: Pixabay, Bild von Michael Gaida, Pixabay License

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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