Kein kirchlicher Segen für homosexuelle Paare

Der Stellvertreter Gottes – nein wir reden nicht über Winfried Kretschmann, der kann nur über Wasser laufen, politisch zumindest in Baden-Württemberg – Papst Franziskus hat entschieden bzw. eine Entscheidung der Glaubenskongregation (Congregatio pro doctrina fidei )in Rom „abgesegnet“. Genau, es geht um Segnen. Denn das wird nun höchstrichterlich und unfehlbar (zumindest für die katholische Kirche) homosexuellen Paaren verweigert. Es war schon fast eine Revolution, dass sich dieses tief mittelalterliche Gremium, zuständig für Häresie und Inquisition, Bücherverbrennungen, Menschenverbrennungen und andere Kernkompetenzen der katholischen Kirche damit überhaupt ernsthaft beschäftigt hat. Gut, man kann den Damen und Herren dieses Gremiums – uups Frauen waren ja gar nicht dabei, die zählen ja in der Kirche nix – zugutehalten, dass sie sich auch sehr ausführlich mit dem Thema sexualisierter Gewalt gegen Kinder beschäftigt haben. Das „Handbuch zum Umgang mit Missbrauch“, so wie es Kardinal Woelki ja gerade anwendet, ist aber eher ein PR-Instrument zur Abwehr von Entschuldigungs- und Entschädigungsansprüchen der Tausenden von unschuldigen Opfern perverser Kirchenvertreter (keine *innen, denn sexualisierte Gewalt in der Kirche ist ein Männerprivileg!). Aber nun diese menschenverachtende Entscheidung.

Der Papst (vom lateinischen papa = Vater) trägt neben „Bischof von Rom“ auch den Titel  „Pontifex Maximus“, was so etwas wie „Brückenbauer“ heißen soll. Damit hat es Papst Franziskus, ebenso wie seine Vorgänger nicht so wirklich. Anders lässt sich die aktuelle Entscheidung nicht deuten.

Segnungen sind, so nun Papst und Glaubenskongregation, nur möglich, wenn damit den Plänen Gottes gedient wird. Also im Klartext: Segnungen, also eine demonstrative wie öffentliche Anteilsverleihung an göttlicher Kraft oder Gnade sind also nur bei Personen oder Sachen möglich, die gottgefällig sind.

In der kirchlichen Praxis sind das z.B. Heteropaare, Kinder, Kirchenbesucher, Priester bei allerlei Gelegenheiten, aber auch Panzer, andere Tötungswaffenwaffen, Soldaten oder auch Diktatoren, von Hitler, Mussolini und Franco bis hin zu Juan Domingo Perón, Augusto Pinochet oder Ceausescu und viele andere mehr. Kriegspfarrer unterstützten im Zweiten Weltkrieg den Vernichtungsfeldzug in der Sowjetunion, bis heute hat die katholische Kirche dieses Thema unter den Teppich gekehrt.

Selig sind, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit

Der Papst bezeichnet sich als Nachfolger des Apostel Petrus und als Stellvertreter Gottes auf Erden. Wer nur flüchtig in die Bibel schaut, wird schnell fündig, dass es im Glauben an Gott eigentlich Platz für alle gibt. Die Kirche, so wird jetzt wieder und nicht unerwartet deutlich, hat aber schreckliche Angst vor Veränderung. Und hier trifft es eben homosexuelle Paare. Ihnen wird kein Platz in der Gemeinschaft Jesu gewährt.

Vielleicht sollten Katholiken wie Franziskus und auch der Kölner Skandal-Bischof Woelki ab und an mal im Neuen Testament oder besonders auch im Matthäusevangelium nachlesen. Dort steht doch u.a.: Selig sind, die geistlich arm sind; selig sind, die Leid tragen; selig sind, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit“ (Matthäus 5, 3f.).

Den Kirchenbossen scheint es jedenfalls nicht „nach Gerechtigkeit zu dürsten“. Anders ist es nicht erklärbar, dass Priester, die ihr Amt für sexualisierte Gewalt gegen Kinder missbraucht haben, ungeschoren davon kommen oder Diktatoren, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verantworten haben, sich immer des Segen der Kirche sicher sein konnten und können.

Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-H25547 / CC-BY-SA 3.0, via Wikipedia

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Uwe Pöhls
Über  

Der Sozialwissenschaftler und Geschäftsführer einer Medienagentur ist langjähriger Experte im Wasserbereich und führt regelmäßig Verbrauchertests mit Trinkwässern durch. Als Herausgeber des Blogs der Republik schreibt Pöhls regelmäßig auch zu anderen Themen.


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