Windenergie_Trassen

Lange Leitung beim Strom

Die großen Konzerne wie VW, Daimler, BASF, Bayer und einige andere sind landauf, landab bekannt. Doch rund 90 % aller Firmen unserer Republik zählen zum Mittelstand – zum Handwerk und Handel, zur Industrie und zum Gewerbe sowie insbesondere zum vielfältigen Dienstleistungsbereich.

Mahnungen zum Mittelstand

Viele dieser mittleren und kleinen Unternehmen sind die „hidden champions“ mit Exportquoten von bis zu  70 %. Sie beschäftigen über 50 % der Arbeiter und Angestellten, sie bilden etwa 75 % aller Azubis aus. Sie zahlen durchweg ganz korrekt Steuern und Beiträge in die Sozialversicherungssysteme. Sie stehen nicht in den vorderen Reihen staatlicher Subventionsempfänger. Der Mittelstand fordert indessen vom Staat eine konsistente Ordnungspolitik, vor allem einen fairen Wettbewerb, weniger Interventionen mit immer mehr Gesetzen und Verordnungen.

Die Eigentümer-Unternehmer wie Miele, Trumpf, Oetker, Claas und viele andere blicken auch nicht wie die großen Aktiengesellschaften auf den kurzfristigen Profit, mit dem die Aktionäre bei Laune gehalten werden sollen. Vielmehr haben sie zumeist die nächste Generation im Blick, die die Tradition der Unternehmen mit Erfolg fortsetzen sollen. Damit sind die Mittelständler jene dynamischen Unternehmer, die als Motoren und Gralshüter unserer Sozialen Marktwirtschaft aktiv sind.

Vor diesem Hintergrund darf der jüngste Alarm-Ruf des Präsidenten der Familien-Unternehmer, Reinhold Eben-Worlée, nicht überhört werden. Zum einen fordert er Steuersenkungen – vor allem auch für die Fachkräfte in den Betrieben – sowie eine Verringerung der Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Große Sorgen äußert er insbesondere über die kräftig gestiegenen Energiekosten, vor allem beim Strom. Denn der ungehemmte und unkoordinierte Ausbau der erneuerbaren Energieanlagen habe „Deutschland bei den Energiekosten an die Spitze der globalen Wettbewerber katapultiert“.

Energiewende: Explosion der Kosten…

Die Energiewende bescherte bislang eine Explosion der Strompreise. Die Subventionen für Sonnen- und Windstrom erreichen immer neue Rekordhöhen. Allein die EEG-Lasten dürften in diesem Jahr weit über 25 Mrd. € betragen. Hinzu kommen noch weitere Lasten auf den Stromverbraucher zu: Milliarden für die Strom- und Umsatzsteuer, für Konzessionsabgaben und Netzentgelte. Alles in allem werden an die 60 Mrd. € allein für Steuern und Abgaben den privaten Haushalten und Betrieben für ihren Strombezug in diesem Jahr in Rechnung gestellt. Da Wind und Sonne nur sehr diskontinuierliche Energiespender sind, liefern diese Quellen mal zu viel, mal zu wenig oder auch mal gar nichts. Solange es an Speichern und Stromleitungen fehlt, lässt sich mit diesen erneuerbaren Energieträgern keine Versorgungssicherheit garantieren. Ohne Kohle und Gas wird es in Zukunft nicht gehen; damit werden sich die einst angekündigten ehrgeizigen Klimaziele nicht erreichen lassen, zumal ab 2022 die CO2-freien Stromlieferungen aus den deutschen Kernkraftwerken endgültig wegfallen.

…und keine Versorgungssicherheit

Der Bau von großen Stromspeichern ist nicht in Sicht. Die Errichtung neuer Pumpspeicherwerke stößt auf den Widerstand von Bürgerinitiativen; Politiker scheuen die Auseinandersetzung und geben deshalb schnell solche Planungen auf. Auch für Großanlagen, in denen Strom aus regenerativen Quellen zu Gas oder Wasserstoff umgewandelt werden könnten, finden sich bislang keine Investoren. So werden Milliarden, die den Betreibern von Solar- und Windparks an Subventionen für teils überschüssige Stromlieferungen gezahlt werden, weiterhin völlig unsinnig verpulvert.

Unkalkulierbare unterirdische Trassen

Auch der dringend notwendige Ausbau der Stromleitungen geht bislang nur zögerlich voran. So ist der Verlauf der neuen Nord-Süd-Trasse nicht einmal festgelegt. Über drei große Leitungen sollen ab Mitte des nächsten Jahrzehnts Windstrom – vor allem aus Offshore-Anlagen – von Nord- nach Süddeutschland transportiert werden; die vierte Trasse soll den Westen anbinden. Die Verfahren für die Anträge und Planungen dieser Stromleitungen sind kompliziert und werden lange Zeit in Anspruch nehmen. Ob deren Realisierung bis 2025 gelingen wird, ist derzeit nicht sicher.

Denn es geht dabei um die Verlegung von einigen tausend Kilometer Erdkabeln. Dafür müssen breite Korridore – wohl bis zu 1000 Meter – geplant werden. Da die Politik dem Widerstand gegen Hochspannungs-Freileitungen nachgegeben und der Erdverkabelung den Vorrang eingeräumt hat, wird dies zu sehr langen Bauzeiten und extrem hohen Kosten führen. Allein für die Trasse Südlink von Brunsbüttel in Norddeutschland nach Bergrheinfeld im Süden dürften die Kosten bei 10 Mrd. €, für die Leitung Südostlink von Wolmirstedt/ Sachsen-Anhalt nach Landshut/ Bayern bei über 5 Mrd. € liegen.

Energiewende am Ende?

Diese Kosten werden die Stromverbraucher tragen müssen; sie sind um ein Mehrfaches höher als der Bau von Freileitungen mit Hochspannungsmasten. Denn die Erdverkabelung bedeutet auch einen  tiefen Einschnitt in die Landschaft, in Felder und Wälder, in Gebirge sowie in Städte und Dörfer. Zudem müssen Revisionsschächte entlang der Leitungen errichtet werden, um die Kabel zu verbinden und im Falle einer Störung auch reparieren zu können. Schon haben Landwirte, unter deren Feldern die Leitungen verlegt werden sollen, finanzielle Forderungen angemeldet; über den Trassen können sie zwar weiterhin Ackerbau betreiben, doch fürchten sie negative Auswirkungen der Erderwärmung von unten als Folge des Stromtransports. Die von der Politik immer noch so hochgepriesene Energiewende entwickelt sich immer mehr zu einer unendlichen Geschichte und zu einem unkalkulierbaren Abenteuer mit immer höheren Milliarden-Lasten. Wen wundert’s wenn da der Präsident der Familien-Unternehmer mahnt: „Es wird also Zeit, dass die Politik den Bürgern erklärt, dass der aktuelle energiepolitische Weg gescheitert ist.“

Bildquelle: BdR, UP 2017

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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