Statue des Davids auf der Piazza della Signoria in Florenz

Nicht einmal Corona kann Italien einigen

Auch Italien hat- wie in Deutschland- die zweite Corona-Welle erfasst, nach einem Sommer des Vergnügens, als alles gut aussah. Jetzt könnte das ganze schöne Land in die rote Zone geraten, nicht nur Campanien und Neapel, sondern auch die Toskana und Mittelitalien. Der deutsche Urlauber, der sonst seine Träume auf dem Stiefel auslebt, hat Italien zumindest für den Rest des  Jahres aus dem Kalender gestrichen. Und wer weiß schon, wie es weitergeht, wir wissen es ja in Deutschland auch nicht. Die Lage in Italien spitzt sich immer weiter zu. Inzwischen hat man knappe 33000 neue Infizierte am Tag,  623 Tote täglich. Schon wird das schlimme Bild von Bergamo an die Wand gemalt, als im Frühjahr Militärkonvois Hunderte von Särgen abtransportieren mussten, da keine Bestattungen stattfinden durften. Italien taumelt, hieß es gestern im ZDF und das meinte der Moderator nicht nur gesundheitlich.

Jetzt ist die Lage wieder schlimm, berichten Ärzte davon, wie sie an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gelangt, Pflegerinnen und Pfleger mit ihren Kräften am Ende seien.  Dabei ist der höchste Punkt der neuen Pandemie-Welle noch nicht erreicht. Ein Land am Limit? Inzwischen darf man nicht mehr von der einen Gemeinde in die andere fahren und gehen- es sei denn, man hat belegbare Gründe dafür, wie einen Arzt-Besuch oder das Erreichen des Arbeitsplatzes. Was ist passiert? Das ist die Frage, die sich viele stellen. Im Sommer war es doch noch so gut gewesen im Land, Ministerpräsident Giuseppe Conte wurde fast gefeiert in den Medien für sein Konzept, das aufzugehen schien. Doch dann kam der Urlaub und nicht wenige Italiener fuhren zum Beispiel nach Spanien, dem Inbegriff des Hotspots in Europa. Aber auch die Italiener, die zu Hause geblieben waren, vergaßen schnell und gern die auferlegten Regeln  wie Abstand und Maskenpflicht. Auf Sardinien wurden die Diskos wieder geöffnet und es wurde dort großzügig gefeiert. Man durfte wieder heiraten, Hochzeitsgesellschaften mit 200 Gästen waren erlaubt  und fanden statt. Rechnet man alles zusammen, kann man sich ein Bild ausmachen, warum auch in Italien, dem Land, das zunächst so gut mit Corona fertig geworden war, die Pandemie mit voller Wucht wieder zuschlug.

Damit das nicht vergessen wird: Wie bei uns in Deutschland sind viele unterstützende Maßnahmen getroffen worden, die Familien geholfen haben. Wenn eine Familie nicht zu Hause arbeiten konnte, wurde ihnen der Babysitter bezahlt. Wie zum Beispiel das für manchen Krankenpfleger und manche Krankenschwester der Fall war. Die Schulen haben Gelder bekommen, um Laptops den finanzeill weniger bemittelten Kindern kostenlos zur Verfügung zu stellen. Praktisch haben Arbeitnehmer so etwas wie Elternzeit bekommen, wenn alle anderen Möglichkeiten an finanzieller und sonstiger Hilfe ausgeschöpft waren. Kredite braucht man für die nächsten zwei Jahre nicht zu bedienen, Steuern müssen zum großen Teil und für eine bestimmte Zeit nicht gezahlt werden. Arbeitgeber sind befreit von ihrem Anteil am Arbeitslosengeld. Es wurde und wird weiter eine Mange von staatlicher Seite getan und gezahlt, damit der Laden am Laufen gehalten wird, um es mit der Sprache der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sagen.

Es wurde auch massiv investiert in Krankenhäuser, leider nicht genug, um den Mangel an Personal-Ärzte, Pfleger, Krankenschwester, Mitarbeiter in der Verwaltung- zu beheben. So blieben in manchen Regionen Ventilatoren unausgepackt, Geräte, die die Kliniken dringend brauchen. Es wurden Kommissare für die Gesundheit ernannt, nicht alle waren kompetent für diesen Job, wie der Fall Kalabrien neulich gezeigt hat. Dort wurde der erse Kommissar danach gefragt, wieviele Intensiv-Plätze in seiner Region zur Verfügung stünden. Nachdem er die Frage nicht beantworten konnte, wurde er von Conte gefeuert. Der Nachfolger hat zum Diensteintritt keine bessere Figur gemacht: Auf Facebook lief ein Video über ihn, vor Monaten aufgenommen, in dem er sagte, dass der Mundschutz keine Hilfe gegen Corona darstelle.  Motto: Masken verursachten nur mehr Müll, der wiederum eine weitere Goldgrube für die Mafia sei.

Davor hatte schon Roberto Saviano vehement im Frühjahr gewarnt, als er mit der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ sich in die Wolle geriet. Saviano, ein Journalist, der seit Jahren auf der schwarzen Liste der Mafia und deshalb unter Polizeischutz steht, hatte dafür plädiert, dass der Staat schnell und unkompliziert den Millionen Menschen unter die Arme greifen müsse, sonst würden sie „Hilfen“ aus anderen, nicht sauberen Quellen bekommen.

Ein großes zusätzliches Problem hat die Pandemie geschaffen: Weil Corona-Kranke alle medizinischen Kräfte beschäftigen, werden andere Krankheiten nicht ernstgenommen, muss man fast sagen, da deren Behandlung und auch nötige Operationen verschoben werden. Die Folge: Menschen stehen Schlange vor den Krankenhäusern. Ein ganz schlimmer Fall ereignete sich, als ein Mann einen Herzinfarkt erlitt und eine Stunde lang auf den Krankenwagen warten musste. Er starb.

Der Verlauf der Corona-Pandemie stabilisiert natürlich nicht die ohnehin wackelige politische Lage in Italien. Jede Entscheidung der Regierung Conte wird von der Opposition angegriffen. Als Conte sie neulich wieder mal einlud, um gemeinsam das Land aus diesen Schwierigkeiten zu holen, haben sie sich verweigert. Die Conte-Gegner behaupten, es sei schon alles von Conte und Co entschieden und zwar in die falsche Richtung. Und die Einladung käme jetzt nur, um die Verantwortung des Misserfolgs der Opposition in die Schuhe zu schieben. Sie schreien nach Neuwahlen- und das in einer solchen Situation. Italien kommt nicht zur Ruhe.

Bildquelle: iStockphoto, Feverpitched

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Caterina Massai

Caterina Massai stammt aus Florenz, sie hat dort und in München Geisteswissenschaften studiert, sie lebt seit 23 Jahren in Deutschland und wohnt mit ihrer Familie in Bonn. Sie ist VHS-Dozentin und arbeitet als freiberufliche Übersetzerin. Seit 2013 ist sie eingebürgert.


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