Ex-Schalke Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies

Ohne Tönnies, bitte! Was wollte der auf der Tribüne in München?!

Auch wenn es dem Leser komisch vorkommt, ich bin zwar kein Mitglied von Schalke 04, aber immer noch ein Fan dieses merkwürdigen Vereins.

Und natürlich habe ich das erste Spiel in München im Fernsehen gesehen, zusammen mit Freunden, die Mitleid mit mir hatten. Was im Grunde eine Art Höchststrafe ist. Das Spiel lassen wir mal beiseite, denn die Blauen spielten ja eigentlich gar nicht mit. Ich war froh, als es zu Ende war dieses Trainingsspiel der Bayern gegen eine Mannschaft, die nicht kämpfte, sich nicht wehrte, sich den Bayern nicht in den Weg stellte, die Schalker Spieler begleiteten die Spieler der Roten von der Säbenerstrasse.

Das 0:8 – übrigens haben die Schalker 1976 in München mal 7:0 gewonnen, gegen Beckenbauer, Sepp Maier, Rummenigge, Schwarzenbeck, Gerd Müller, Uli Hoeness – hat mich nicht aufgeregt, sondern eine Szene aus dem Zuschauerblock der Schalker Führungsriege. Da sah ich doch plötzlich den Clemens Tönnies sitzen. „Was hat der da zu suchen?“ fragte ich einen Freund. Schulterzucken, schließlich ist der Metzger aus Rheda-Wiedenbrück nicht mehr Vorsitzender des Aufsichtsrats von S04.

Es tut mir Leid, Herr Tönnies, auch wenn gute Freunde aus Rheda-Wiedenbrück immer wieder eine Lanze für Sie gebrochen haben, ich bin froh, dass Sie nicht mehr den Aufsichtsrat leiten. Ich wäre auch froh, wenn Sie nicht mehr unter den Zuschauern weilten, wenn die mal wieder in Tausenden erlaubt sein sollten. Nein, ich möchte Sie auch nicht mehr die Schalke-Hymne singen hören.

Ich verbinde auch die seit Monaten genannten 200-Millionen-Euro Schulden des Vereins mit Ihrem Namen. Merkwürdig, finden Sie das? Ich nicht. Als Aufsichtsratsvorsitzender hatten Sie doch auch mit den Finanzen zu tun. Warum haben Sie das zugelassen, mitgemacht, dass der Verein wieder mal ins Trudeln gerät, Herr Tönnies? Sie mögen ein erfolgreicher Metzger und Fleischfabrikant sein, Schalke haben Sie nicht nach vorn gebracht. Als Sie damals auftauchten, als Ihr Name genannt wurde als Führungskraft für Schalke, dachte ich, der Mann ist ein erfolgreicher Kaufmann, der müsste Schalke gut tun. Der versteht was vom Geld. Wie passt das zusammen mit den 200-Mio-Euro Schulden? Ich vermisse immer noch eine Erklärung, wie das passieren konnte. Dass Sie Schalke mit Geld unter die Arme gegriffen hätten, dieses Märchen hat mir ein ergrauter Schalke-Freund vor Monaten schon lachend zerstört. Keinen Cent hat der denen geschenkt, die Zinsen für den Kredit hat Schalke bezahlt. Schalke hat von Ihnen nicht profitiert. Eher könnte es umgekehrt der Fall sein. Jetzt haben sie am Schalker Markt wieder mal Probleme mit dem Geld, stehen fußballerisch bescheiden da, höflich formuliert.

Ein Gutes scheint es zu geben:  die Führung-ohne Tönnies- wirkt endlich mal seriös, solide, beides Begriffe, die man in Schalke nicht so kennt. Der Verein machte immer wieder Schlagzeilen mit Affären und Skandalen, es war ja nicht nur der Bundesliga-Skandal, das verschobene Spiel gegen Bielefeld. Immer wieder war der Klub klamm, brauchte Geld, machte Schulden, jetzt hat er eine Bürgschaft des Landes NRW. Und das alles, obwohl der Verein mit der Knappenschmiede und dem dortigen Fußball-Chef Norbert Elgert eine Goldgrube haben müsste: Wer alles hat dort das Spielen gelernt, ist ausgebildet, ja geformt worden zum Nationalspieler, zu Weltstars: Manuel Neuer, Julian Draxler, Leroy Sané, (Goretzka  kam aus der Bochumer Fußballschule) Max Meyer gehört dazu, nicht vergessen Matip, Özil, Höwedes, Kolasinac. Alle sind weg. Um einen tut es mir Leid: Gerhard Rehberg, Jahrgang 1936, der einstige Bergmann, der es bis zum Steiger schaffte, Vorstandschef des Vereins war in den 90er Jahren, heute ist er Ehrenpräsident des Klubs. Rehberg war bescheiden, bodenständig, keiner aus der Champagner-Fraktion, ein ehrlicher Mann. Schalke fehlen Persönlichkeiten wie Rehberg, der ein Mann ohne Skandale ist. Rehberg hätte sich nicht auf die Tribüne gesetzt wie Tönnies, der von Uli Hoeness eingeladen worden war, der sich dann aber in die Schalker Reihe setzte. Fingerspitzengefühl? Fehlanzeige.

Es passt ins Bild, dass die SZ ihrem Bericht zu Schalke die Überschrift gab: „Endspiel am zweiten Spieltag“- gegen Werder Bremen, die auf dem drittletzten Platz der Bundesliga stehen und im letzten Jahr um den Abstieg kämpften. Es sei das „Rendezvous zweier altvertrauter Krisenteams“. Schalke ist seit 17 Spielen ohne Sieg. Nein, Tönnies hat hoffentlich nichts mehr zu Sagen auf Schalke, nicht mehr mitzureden, obwohl es ihn angehen müsste. Denn irgendwie ist es auch sein Schlamassel auf Schalke.

Bildquelle: Screenshot ZDF

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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