Weltfrauentag 2008 - Womans March in Burkina Faso

Weltfrauentag – warum ein Tag allein nicht ausreicht

Im vergangenen Jahr demonstrierten Hunderttausende Menschen in zahlreichen Ländern der Welt anlässlich des internationalen Frauentags gegen Unterdrückung, Gewalt und für Chancengleichheit. Im Zentrum stehen Frauen und damit Millionen von verschiedenen Lebenswelten. So auch das Schicksal von über 40 Millionen Frauen und Mädchen, die weltweit auf der Flucht sind. Sie fliehen vor Krieg, Unterdrückung, struktureller Gewalt und schrecklichen Menschenrechtsverletzungen wie Femiziden oder genitaler Verstümmelung. Sie wagen die Flucht, weil Ihnen keine andere Wahl bleibt und in dem Wissen, dass sie sich mit diesem Schritt erneut in akute Lebensgefahr begeben. Gerade Frauen und Mädchen werden auf der Flucht häufig Opfer von Ausbeutung und sexueller Gewalt. Gleichzeitig liegt große Verantwortung auf ihren Schultern. Als Mütter, Töchter und Schwestern übernehmen sie für die Familie häufig bereits in frühen Jahren eine zentrale Rolle als Rückgrat der Familie, so auch bei der Integration in die Aufnahmegesellschaft.

Millionen von geflüchteten Frauen und Mädchen wird auch heute noch der Zugang zu Bildung erschwert oder sogar verweigert – der Schlüssel zu einem unabhängigen Leben bleibt ihnen damit dauerhaft verwehrt. Die Corona-Pandemie hat ihre Lage noch verschärft: Flüchtlingsfrauen verlieren Jobs, da sie oft im Niedriglohnsektor arbeiten. Berichte aus mehr als zwanzig Ländern, in denen Menschen innerhalb des Landes fliehen mussten, belegen, dass Frauen und Mädchen teilweise in die Prostitution rutschen, um ihr Überleben zu sichern. Grenzschließungen treiben zudem Flüchtende in die Illegalität, um dennoch in anderen Ländern Asyl beantragen zu können. Menschenhändler nutzen diese Umstände, um Frauen und Mädchen in Fallen zu locken und sexuell auszubeuten.  Die Auswirkungen der Corona-Pandemie dürfen nicht dazu führen, dass bereits Erreichtes im Kampf für mehr Frauenrechte dauerhaft zerstört wird. Die internationale Gemeinschaft muss daher sehr wachsam bleiben, um Projekte für Frauen und Mädchen dauerhaft fortzusetzen und damit die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Pandemie aufzufangen.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, ist deshalb weltweit aktiv, um die Schutzmaßnahmen für Frauen in dieser schwierigen Lage zu verbessern. So steht er ihnen mit medizinischer Hilfe, sicheren Unterkünften und psychosozialer Beratung zur Seite.

Der internationale Frauentag erinnert uns an die besondere Stärke, Widerstandsfähigkeit und Ausdauer dieser Mädchen und Frauen. Das allein reicht aber nicht aus. Dieser Tag darf nicht nur dazu dienen, dass wir uns an das Schicksal dieser Frauen erinnern, sondern muss uns Motivation und Anspruch zugleich sein, um ihnen einen Neustart in Sicherheit zu ermöglichen.

Bildquelle: Von Hugues – Defile sur le stade, CC BY-SA 2.0

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Peter Ruhenstroth-Bauer

....ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe (www.uno-fluechtlingshilfe.de), dem deutschen Partner des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR). Zuvor war er u.a. Stellvertretender Chef des Bundespresseamtes und als Staatssekretär im Bundesfamilienministerium. Er ist Lehrbeauftragter für Politische Kommunikation/Regierungskommunikation an der Universität Potsdam und der Hochschule Magdeburg.


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