Nationalspieler Özil

Erdogan und die Eigentore deutscher Kicker

Das hatte sich der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, Jogi Löw, sicher anders vorgestellt, sportlicher, vielleicht mit der Absicht, die deutsche Fußball-Nation, also Millionen Fachleute, in seinen Bann zu ziehen, damit sie über seine Auswahl sich Gedanken machen. Aber leider wurde die Präsentation seiner durchaus  edlen Truppe für das WM-Turnier in Russland-darunter viele namhafte Weltmeister- überschattet von den Eigentoren eines Ilkai Gündogan und eines Mesut Özil. Dass beide mit nach Moskau fahren sollen, davon konnte man ausgehen, aber das interessierte an diesem Tag nur am Rande. Gündogan und Özil hatten  sich zusammen mit dem türkischen Autokraten Erdogan ablichten lassen und  so Wahl-Werbung für den umstrtittenen Türken gemacht.  Da reibt man sich die Augen. Was soll das? Wer hat das Foto organisiert, wer steckt dahinter? Mir kann doch keiner sagen, dass die Werbefotos von Özil und Gündogan ausgegangen sind. Sie wurden eher missbraucht für eine solche miese Werbetour. Wer eigentlich sind ihre Manager, die so genannten Spieler-Vermittler, die die Termine ihrer Zöglinge in aller Welt organisieren? Und dafür viel Geld kassieren. Haben sie die Idee dazu gehabt, haben sie die Gespräche mit den Erdogan-Freunden geführt und schließlich ihre Zustimmung  gegeben? Interessant dürfte auch die Höhe der Gage sein, die Erdogan für diese Werbefotos bezahlt hat. Es ist kaum anzunehmen, dass die Fußballspieler sich für Nullkommanull haben  zusammen mit Erdogan ablichten lassen. Zur Erinnerung: Dieser Erdogan sperrt kritische Journalisten und überhaupt Kritiker seiner Politik ins Gefängnis, verbietet Zeitungen, die anderer Meinung sind als er. Über unsere Kanzlerin hat er hergezogen und Angela Merkel vorgeworfen, sie unterstütze Terroristen,  die türkische Regierung, also Erdogan, überzog Deutschland, also Merkel, mit Nazi-Vergleichen.  Und für den machen Gündogan und Özil Werbung? Auf dem Rasen sind beide Kicker, die aus Gelsenkirchen stammen- Özil hat mal für Schalke gespielt, Gündogan für den BVB- als Spielgestalter bekannt, für ihre tödlichen Pässe berühmt. Darauf sollten sie sich künftig mehr konzentrieren und auf Eigentore verzichten. Dem deutschen Fußball, der in aller Welt einen guten, bis sehr guten Ruf genießt, haben sie einen Bärendienst erwiesen.  DFB-Präsident Grindel warf den Spielern vor, sich von Erdogan für dessen Wahlkampfzwecke missbrauchen zu lassen. Die Bundeskanzlerin äußerte sich zu den Fotos kritisch. Regierungssprecher Seibert betonte, als Nationalspieler hätten beide Vorbildfunktion.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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