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Skandal in Dortmund

Betrachtet man nur die reinen Ergebnisse des 19. Spieltags der Fußball-Bundesliga kommt man unschwer zu der Erkenntnis, die Liga geht ihren – langweiligen – Weg unbeirrt weiter. Die Bayern ziehen einsam ihre gewinnorientierten Kreise, nicht immer mit spielerischen Glanzleistungen, die Dortmunder hecheln hinterher und die anderen Mannschaften kämpfen mit wechselnden Erfolgen um die Plätze oder ums Überleben.

Es würde sich also eigentlich nicht lohnen, sich mit diesem Spieltag näher zu befassen, wenn sich nicht eine ganze Reihe von besonderen, unverständlichen bis höchst ärgerlichen Begebenheiten geschehen wären.
Dabei rede ich nicht von dem 1:0 der Leverkusener oder dem dritten Tor der Bremer, als beide Tore dadurch möglich wurden, dass man nach einem Eckball frei zum Kopfball kam und der „lange“ Pfosten im gegnerischen Tor nicht besetzt war. Ich rede auch nicht vom Elfmetertor der Leverkusener zum 2:0 als Geschenk des Schiedsrichters nach einer klaren, völlig eindeutigen Schwalbe. Gemeint ist auch nicht das akute Torwartproblem des Werder Bremen oder dass Wolfsburg sich immer noch in der Selbstfindungsphase befindet.
Die wirklich schlimmen Ärgernisse spielten sich in Dortmund beim 2:0-Sieg der Borussen gegen den FC Ingolstadt ab und gelangten in ihrer Summierung durchaus in die Nähe eines handfesten Skandals.

Borussia Dortmund spielte immerhin gegen eine Mannschaft, die mit der zweitbesten Abwehr, d.h. nach den Bayern mit den wenigsten Gegentoren in den Signal-Iduna-Park angereist war. Ein Unentschieden oder gar eine Niederlage der Dortmunder wäre für den neutralen Beobachter vielleicht überraschend, aber keineswegs eine Sensation gewesen. Es kam aber anders, wobei wieder einmal der Schiedsrichter, in diesem Fall Herr Winkmann, eine entscheidende, unrühmliche Rolle spielte. Die drei strittigen Situationen wurden allesamt zu Ungunsten des Gastvereins entschieden, da mag sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

Doch der Reihe nach. In der 29. Minute, es stand immer noch 0:0, lief der Ingolstädter Lezcano allein auf das Dortmunder Tor zu, hob den Ball über den heran rauschenden Torwart Bürki in Richtung Tor und wurde dabei vom verfolgenden Hummels in einen Zweikampf verwickelt. Die Fernsehaufnahmen zeigen deutlich, dass Hummels seinen Gegenspieler am Arm ziehend zu Fall brachte. Hummels muss man neidlos bescheinigen, dass er diesen Zweikampf äußerst geschickt und mit all seiner Erfahrung und Cleverness geführt hat, dennoch war es ein glasklarer Elfmeter, der den Ingolstädtern aber verweigert wurde. Schiri Winkmann rechtfertigte sich nach dem Spiel damit, dass sein Assistent an der Linie über sein Headset „Weiter“ gerufen habe. Wie in früheren Spielen schon öfter zu beobachten schiebt ein Schiri „uneigennützig“ die Verantwortung auf seinen Kollegen an der Linie, ungeachtet der Tatsache, dass dieser am weitesten weg vom Geschehen stand.

In der 65. Minute, es stand immer noch 0:0, gelang Hummels ein spektakuläres Eigentor, als er aus etwa 25 m Entfernung den Ball über seinen 4 m vor dem Tor stehenden Torwart hinweg unter die Latte ins eigene Tor hob. Auch hier war wieder der Spieler Lezcano beteiligt, der Hummels attackierte und diesen dadurch zu dieser Rückgabe zwang. Ein eindeutiges Foul des Ingolstädters war auch in allen Zeitlupen nicht erkennbar. Eine bestenfalls kleinere, an sich harmlose Berührung, wenn überhaupt, wurde aber vom Schiri als Foul ausgelegt und das Eigentor demzufolge nicht anerkannt, eine nicht nachvollziehbare, höchst merkwürdige Entscheidung.

Als Höhepunkt der schiedrichterlichen Merkwürdigkeiten wurde dann in der 77. Minute das 1:0 der Dortmunder von Aubameyang anerkannt, ein Kopfballtor aus klarer Abseitsposition. Nachdem alle im Stadion, eben auch die Spieler des FC Ingolstadt und natürlich auch der Schiedsrichter selbst, die Szene auf den Bildschirmen im Stadion verfolgen konnten, wehrte dieser die stürmischen Proteste der Ingolstädter mit dem Hinweis ab, dass ein Video-Beweis (noch) nicht zulässig sei, wohl wissend, dass er mit seiner Torentscheidung völlig falsch lag. Schiri Winkmann kann in dieser Situation nicht mal ein Vorwurf gemacht werden, sein Assistent an der Linie muss sich allerdings die Frage gefallen lassen, warum er die Abseitsposition nicht erkannt hat. Vielleicht weil er nicht exakt auf Höhe des letzten Abwehrspielers gestanden hat!?
Eine regelkonforme Entscheidung, bei der sich ein Schiedsrichter gegen eine allgemein ersichtliche Tatsache entscheiden muss. Eine Situation, die in ihrer Absurdität und Lächerlichkeit nicht zu überbieten ist.

Wenn die Wiederholungsszenen auf den Bildschirmen im Stadion verboten werden würden, würde eine falsche Entscheidung auch nicht in eine richtige umgewandelt. Zumindest aber würde das Problem mit dem Videobeweis gewissermaßen aus dem Spiel genommen und auf die Betrachtungen nach dem Spiel verlagert. Und der Schiri könnte sich auf eine echte Tatsachenentscheidung berufen.

Bildquelle: Wikipedia,  Florian K, Stadion Dortmund,  CC BY-SA 3.0

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


'Skandal in Dortmund' hat einen Kommentar

  1. 31. Januar 2016 @ 23:17 Siegfried Gendries

    Also, da spielt eine bayrische Mannschaft gegen eine andere Mannschaft. Eigentor nicht anerkannt und Abseits nicht gesehen. Normalerweise hätte diesen „Dusel“ mit dem Schiri die Mannschaft aus Bayern gehabt, nicht die andere. Warum war das hier anders? Diese Bayern kamen nicht aus München … und jetzt freut sich halt nur der BVB. Das ist Fußball!

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