Madeleine Albright

Albrights Warnung vor dem Faschismus- Rezension ihres neuen Buches

Madelaine Albright hat ihrem Buch „FASCHISMUS- EINE WARNUNG“ eine Widmung vorangestellt: „Den Opfern des Faschismus damals und heute und allen, die den Faschismus der anderen und ihren eigenen bekämpfen.“ Und bevor sie ihr verdienstvolles Buch beginnt steht da dieser Satz von Primo Levi: „Jedes Zeitalter hat seinen eigenen Faschismus.“Die Autorin wurde 1937 als Jüdin geboren. Davon erfuhr sie allerdings erst als erwachsene Frau. Ihre Eltern waren 1941 zum katholischen Glauben übergetreten. Ihr Vater war Professor, so wie sie heute. Die Familie Korbel floh vor den Nationalsozialisten in die USA. Kehrte nach Europa zurück und ging vor den Kommunisten, die nach dem Krieg die Tschechoslowakei erorberten, ins US-amerikanische Exil. Mit dieser sehr persönlichen Geschichte beginnt die 81jährige ihren literarischen Versuch, vor dem Fashismus zu waren. Und dieser Versuch, das sei gleich vorweg gesagt, ist ihr überzeugend gelungen.

Sicher auch, weil sie klugerweise darauf verzichtet hat, den Begrgiff Faschismus zu erklären, zu definieren, wie das häufiger und immer wieder in Deutschland versucht wird. Sie erzählt von ihren Beobachtungen, Erlebnissen und Erfahrungen und wie sie das macht, ist sehr einleuchtend. Die Geschichten sind Männergeschichten über Mussolini und Hitler, Hugo Chavez und Victor Orban, natürlich Donald Trump. Das heißt, es geht um Männer, die sich vermeintlich für die nationale Freiheit einsetzen, für Wohlstand und Fortschritt, die aber zu Führern werden, die ihre Gegner verfolgen, schließlich vernichten. Die die Demokratie, ihre Institutionen verachten, ihre Werte verspotten. Bestimmte Bevölkerungsgruppen werden zu Feinden erklärt, sollen endlich beseitigt werden. Darin liegt für sie die Bedrohung. Darin liegt der wesentliche Grund für die von ihr so nachdrücklich geschriebene Warnung.
Sie verweist in diesem Zusammenhang nicht nur auf Erdogan oder Kaczynski oder Putin, vor allem verweist sie auf Donald Trump, über den sie unter anderem schreibt: „Zu seinen leierkastenartig wiederholten Behauptungen gehört, die amerikanischen Gerichte  seien voreingenommen, beim FBI herrsche Korruption, die Presse lüge notorisch, die Wahlen würden manipuliert.“ Das sei für die meisten Amerikaner neu, schreibt sie weiter, daß ein Präsident so über die Demokratie, ihre Werte und Institutionen herfalle, herziehe. Der Präsident schieße geradezu auf diese Institutionen, weil er sie loswerden, von einem Rechtsstaat nichts wissen wolle. Was sich unter anderem in der Trump`schen Bemerkung über Saddam Hussein zeige: „Wisst ihr, was er gut gemacht hat? Er hat Terroristen getötet. Man hat ihnen nicht erst ihre Rechte vorgelesen. Man hat nicht lange mit ihnen gefackelt.“
Philip Roth hat in seinem letzten großen Interview vor seinem Tod Anfang dieses Jahres in der „Süddeutschen Zeitung“ auf die Frage, haben Sie je ein Amerika wie das heutige vorausgesehen? geantwortet:“ Niemand, den ich kenne, hat ein Amerika vorausgesehen, wie das, in dem wir heute leben. Niemand (außer vielleicht H.L. Mencken, der die amerikanische Demokratie bekanntermaßen als „die Anbetung von Schakalen durch Esel“ bezeichnete) hätte sich vorstellen können, daß die Katastrope des 21. Jahrhunderts, die entwürdigendste Katastrophe der USA nicht in der schrecklichen Gestallt eines orwellianischen großen Bruders auftreten würde, sondern in der beängstigend lächerlichen Commedia-dell`-Arte-Figur des prahlerischen Buffons. Wie naiv war ich, 1960 zu denken, daß ich ein Amerikaner bin, der in absurden Zeiten lebt! Wie drollig! Andererseits – was konnte ich 1960 schon wissen über 1963 oder 1968 oder 1974 oder 2001 oder 2016?“
Medaline Albrights Buch vor diesem Hintergrund zu lesen, ist nötig. Wie nötig zeigt aber ebenfalls die Lektüre von Philip Roth`s 2004 erschienen „Verschwörung gegen Amerika. Denn darin geht  es um diesen schrecklichen, bedrückenden politischen Albtraum, den die Menschen gerade erleben.
Madeleine Albright: Faschismus. Eine Warnung. 320 Seiten. Harper Collins Publishers, New York 2018.ISBN 978-3-8321-8361-5. 24 Euro.Rezension
Bildquelle: flickr, Chatham House, CC BY SA 2.0
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Der Fernseh- und Radiojournalist arbeitete als Kulturredakteur und später als ARD Korrespondent in Washington und Mexiko. Seit 2002 ist Hafkemeyer Professor an der Berliner Universität der Künste.


'Albrights Warnung vor dem Faschismus- Rezension ihres neuen Buches' hat einen Kommentar

  1. 3. August 2018 @ 16:10 Habnix

    Ein Übel unserer Zeit ist die Lohnabhängigkeit, denn die hält stets einen Adolf Hitler bereit.

    Diese falsche Schlange hat doch selbst in ihrer Lohnabhängigkeit selbst zum Faschismus beigetragen.

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