Alabama

Ausgerechnet Alabama!

In einem der konservativsten Bundesstaaten der USA, wo die Republikaner das Siegen gewohnt sind, haben die Wähler ein deutliches Zeichen gesetzt. Äußerst knapp, aber sensationell, hat der Demokrat Doug Jones die Nachwahl zum Senat gewonnen. Das ist ein herber Schlag für den Präsidenten und damit ein Hoffnungswert für das Land. Die Botschaft von Alabama heißt: die Macht gehört nicht in die Hände von zwielichtigen Rowdys.

Der republikanische Kandidat Roy Moore konnte seine Niederlage nicht fassen. Er ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie Donald Trump und hatte dessen volle Rückendeckung. Ein Schurke, der Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe oder sexuellen Neigung verachtet, Waffen und Machos verehrt; einer, der gegen das Establishment wettert, Verbote gegen alles und jeden predigt und sich selbst nicht an Gesetze hält.

Ausschlaggebend waren wohl zuletzt nicht die kruden erzkonservativen politischen Überzeugungen des Bewerbers, sondern seine persönlichen Verfehlungen. Mehrere Frauen warfen Moore sexuelle Übergriffe gegen sie als Minderjährige vor. Und sie fanden Gehör. Die aktuelle Sexismus-Debatte in den USA hat das Klima verändert. Vorwürfe sexueller Gewalt prallen nicht länger an den Beschuldigten ab.

Auch bei den Konservativen werden Stimmen lauter, die solche Vergehen nicht länger als Kavaliersdelikte hinnehmen. Die von Trump ernannte Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, zollte den mutigen Frauen Anerkennung für ihre Offenheit, und Mitt Romney, ehedem Präsidentschaftskandidat der Republikaner, twitterte: „Keine Wahl, keine Mehrheit ist es wert, dass wir unsere Ehre, unsere Integrität verlieren.“

Die Kritik zielte gegen Moore und trifft zugleich Trump. Auch ihm werden sexuelle Übergriffe vorgeworfen, und seine selbstherrliche Überheblichkeit, mit der er solchen Vorwürfen stets begegnete, empört zunehmend auch die eigenen Leute. Seine Beliebtheitswerte sinken von einem Tief zum nächsten. Er wird erkennbar nervös und unternimmt schon erste Klimmzüge für seine Wiederwahl 2020. Das prestigeträchtige Raumfahrtprogramm etwa, bei dem er die NASA zur Eile drängt, damit noch vor dem nächsten Wahltermin eine neue Mondlandung gelingt.

Seine Großmannssucht, die sich in brandgefährlichen und unsinnigen Entscheidungen widerspiegelt, erhält nach der Wahl in Alabama einen Dämpfer. Mit nur noch einer Stimme Mehrheit im Senat wird Trump es mit seinen fragwürdigen Vorhaben noch schwerer haben. Alabama ermutigt die Anständigen.

CC BY-SA 3.0 Nick Youngson / Alpha Stock Images

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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