Klimawandel

Der Klimawandel erfordert rigoroses Handeln

Es ist der sechste Weltklimabericht. Und wieder schrillen die Alarmglocken. Wieder gibt es eindringliche Appelle. Wieder auch Abwiegler, Beschwichtiger und Vertröster. Sollen mal erst die anderen machen; der technische Fortschritt wird es schon richten. Seit Jahrzehnten warnt die Wissenschaft vor den Gefahren der Erderwärmung, vor steigenden Meeresspiegeln, schmelzenden Gletschern, vor extremen Wetterereignissen, Hitze, Dürre, Fluten. Die todbringenden Folgen sind inzwischen vor der eigenen Haustür angekommen, nur leider noch immer nicht in den Köpfen der Entscheidungsträger.

Wer die Dramatik der Klimakrise leugnet und die notwendigen Maßnahmen unterlässt, versagt auch bei der Vorsorge und überlässt die Menschen ihrem Schicksal, den zerstörerischen Wassermassen und Waldbränden, den Stürmen und der Überhitzung der Lebensräume. Wer beim Klimaschutz ständig „Ja, aber“ sagt und jede Veränderung in unserem Lebensstil und unserer Wirtschaftsweise ablehnt, erkauft den Wohlstand auf Kosten anderer: der globale Norden auf Kosten des Südens, die Industrieländer auf Kosten der Entwicklungsländer, die Vermögenden auf Kosten der Habenichtse. Und all der Raubbau geht zu Lasten der natürlichen Ressourcen, der Artenvielfalt, der Generationen unserer Enkel und Urenkel, der Bewohnbarkeit des Planeten.

Es ist höchste Zeit umzusteuern und die Grenzen des Wachstums zu respektieren, um die Erwärmung um nicht mehr als 1,5 Grad stiegen zu lassen. Dazu haben sich die Länder der Erde in dem historischen Pariser Abkommen von 2015 verpflichtet. Tatsächlich aber ist der Ausstoß von Treibhausgasen, insbesondere CO2, seither gestiegen, und wenn die Staaten zum nächsten Klimagipfel im November in Glasgow zusammenkommen, stehen sie – gemessen an dem Notwendigen – mit enttäuschend leeren Händen da.

Resignation ist natürlich keine Option, doch nach all den Jahrzehnten, die im Kampf gegen den Klimawandel vertan worden sind, keimt ein Gefühl von Vergeblichkeit. 195 Staaten gehören dem 1988 gegründeten Intergovernmental Panel on Climate Change an, Wissenschaftler aus aller Welt tragen seither ihre Erkenntnisse zusammen und informieren über Gegenmaßnahmen. Das rasche Ende der fossilen Brennstoffe ist dabei zentral, doch die Politik in vielen Ländern will das nicht wahrhaben.

Tausende Wissenschaftler aus rund 150 Ländern haben Ende Juli noch einmal gemeinsam einen weltweiten Klima-Notfall erklärt und sofortige Veränderungen gefordert. Im April 2021 sei die Kohlendioxid-Konzentration in der Erdatmosphäre so hoch gewesen wie noch nie seit Beginn von Messungen, warnen sie und fordern unter anderem ein Ende der Verwendung von fossilen Brennstoffen sowie einen besseren Schutz der Artenvielfalt. Es gebe „wachsende Anzeichen dafür, dass wir uns Wendepunkten von verschiedenen Systemen der Erde – wie den Warmwasser-Korallenriffen, dem Amazonas-Regenwald und der Eisdecke der West-Antarktis und Grönlands – nähern oder diese sogar schon überschritten haben“, wird beispielsweise Ko-Autor William Ripple von der Oregon State University zitiert. Er sagt: „Wir müssen unser Handeln rasch ändern, und Klima-Vorgaben sollten Teil der Corona-Wiederaufbaupläne sein, wo immer das möglich ist.“

Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat die Politiker an ihre Verantwortung erinnert und gemahnt: „Die Alarmglocken sind ohrenbetäubend, und die Beweise sind unwiderlegbar.“ Die Treibhausgase erstickten den Planeten und: „Der Bericht muss die Totenglocke für Kohle und andere fossile Brennstoffe sein.“ Wenn wir unsere Kräfte jetzt bündelten, „können wir die Katastrophe abwenden“, sagte Guterres, und auch der Weltklimarat ist überzeugt, dass es noch nicht zu spät ist, das Klimaziel des Pariser Abkommens zu erreichen.

Noch steuern wir allerdings auf drei Grad Erwärmung zu, und ohne Mut zum Umsteuern wird sich die verheerende Entwicklung nicht aufhalten lassen. Verpönte Worte wie Einschränkungen, Verbote und Verzicht brauchen eine neue Deutung; auch der Begriff der Freiheit, die nicht mit Rücksichtslosigkeit, sondern zu allererst mit Verantwortung zu tun hat, will richtig verstanden sein. Einen Vorgeschmack auf eine neue Rigorosität des Denkens – und Handelns – hat uns die Corona-Krise beschert. Der Kampf gegen die Klimakatastrophe braucht mindestens die gleiche Entschlossenheit.

Bildquelle: pixabay, user geralt, CC0 Creative Commons

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Petra Kappe
Über  

Die promovierte Medienwissenschaftlerin arbeitete mehr als 20 Jahre in der Politikredaktion der Westfälischen Rundschau. Recherchereisen führten sie u. a. nach Ghana, Benin, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, China, Ukraine, Belarus, Israel und in das Westjordanland. Sie berichtete über Gipfeltreffen des Europäischen Rates, Parteitage, EKD-Synoden, Kirchentage und Kongresse. Parallel nahm sie Lehraufträge am Institut für Journalistik der TU Dortmund sowie am Erich-Brost-Institut für Internationalen Journalismus in Dortmund wahr. Derzeit arbeitet sie als freie Journalistin.


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