Verleihung Hans-Böckler-Preis der Stadt Köln 2021 an Lisa Herzog und Konrad Gilges

Ehrung für „Conny“ Gilges: ein linkes politisches Urgestein

Für sein Lebenswerk in der Gewerkschaftsbewegung ist am vergangenen Donnerstag der Sozialdemokrat und langjährige Bundestagsabgeordnete Konrad Gilges mit dem Hans-Böckler-Preis der Stadt Köln geehrt worden. Die Laudatio auf den achtzigjährigen Gilges hielt der amtierende DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Der Preis wird alle zwei Jahre in Erinnerung an den ersten DGB-Vorsitzenden Hans Böckler vergeben, der den Gewerkschaftsbund nach dem Krieg von Köln aus aufgebaut hatte. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert, die Gilges für das soziale Ausbildungsprojekt „connection“ gespendet hat.

Konrad Gilges, für alle nur Conny, ist ein sozialdemokratisches und gewerkschaftliches Urgestein. 1941 in Köln geboren, absolvierte er nach dem Besuch der Volksschule eine Lehre als Fliesenleger. Ein Beruf, der ihn prägte. Noch heute hat er im Kopf, in welchem Kölner Haus er als Lehrling seinen Beruf begann und in welchem er ihn als Geselle 1970 beendete. Schon 1960 trat er in die SPD ein und engagierte sich in der Gewerkschaft IG-Bau-Steine – Erden.

Aus seinem politischen Engagement wurde 1970 Beruf, als  er seine Arbeit als Jugendsekretär bei den Falken begann, deren Vorsitzender er 1973 wurde. Bis heute ist er der „Sozialistischen Jugend Deutschlands“ verbunden. Getreu dem Motto: Einmal Falke, immer Falke.

1980 zog Gilges als Abgeordneter für den Wahlkreis Köln III als Direktkandidat in den Bundestag ein. Er gehörte dem Parlament bis 2002 an und galt als unbestrittener Experte für soziale Themen. Der anerkannte Kriegsdienstverweigerer engagierte sich immer auch bei friedenpolitischen Themen und war lange Vorsitzender des Förderkreises „Darmstädter Signal“, einem Zusammenschluss von Friedensaktivisten aus Bundeswehr, Politik und Kultur. 2001 hatte Gilges als Abgeordneter große Bedenken gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Er hätte dagegen gestimmt. Aber als Bundeskanzler Gerhard Schröder damit die Vertrauensfrage verband, unterstützte er ihn schließlich doch – vermutlich zähneknirschend. Denn, so seine Begründung: „Ich bin als Sozialdemokrat nicht gewählt worden, um einen sozialdemokratischen Kanzler abzuwählen.“

Neben seiner Abgeordnetentätigkeit war Gilges von 1988 bis Ende der 90er Jahre Vorsitzender des DGB-Bezirks Köln-Leverkusen-Erft. Darüber hinaus engagierte er sich immer im sozialen Bereich. Schon in den 90er Jahren war er maßgeblich beteiligt bei der Gründung eines „Runden Tisch“ zur Unterstützung von Migranten in Köln.

Bis heute ist es bei diesem Engagement geblieben. Als Parteilinker ist er immer noch sehr gut vernetzt und versucht, den Flügel zu stärken. Dabei ist er alles andere als ein sturer Ideologe. Geradlinig, aber nicht hartleibig. Wer mit ihm in seinem Kölner Heimatbezirk Ehrenfeld unterwegs ist, erfährt, das „Conny“ dort immer noch eine Instanz ist, dem man sein Einstehen für die sozialdemokratische Sache uneingeschränkt abnimmt. Konrad Gilges ist ein Vertreter der Partei, der das Verständnis für die arbeitende Bevölkerung nie verloren hat. Manchmal spürt man bei ihm den leisen Spott, den er für die Verkopfung der sozialdemokratischen Mandatsträger empfindet. Dabei ist er selbst ein äußerst belesener Mensch, der in den Themen der deutschen und europäischen Geschichte zu Hause ist. Zu seinem 80. Geburtstag im Februar haben ihm Freunde eine Reise zu den Geschichtsorten des Vormärz und der Revolution von 1848 geschenkt. Begeistert  hat er sich auf die Spuren der Revolutionäre und frühen Demokraten gemacht. Wenn er davon erzählt, hat man den Eindruck, als bedauere er es, nicht schon damals dabei gewesen zu sein, um Demokratie und Sozialdemokratie zu prägen. 

Bildquelle: Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0,

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Norbert Bicher

Als Parlamentskorrespondent der „Westfälischen Rundschau“ arbeitete Bicher als Journalist, bevor er 1998 Pressesprecher der SPD-Bundestagsfraktion wurde. Er war Sprecher des SPD-Fraktionsvorsitzenden wie auch des Bundesverteidigungsministers Dr. Peter Struck.


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