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Home Politik

Eine Niederlage, um nicht nach Katar zu fahren – Fußball, wie ihn keiner kennt

Alfons Pieper Von Alfons Pieper
1. April 2021
Flugzeug

Ich gebe zu, ich habe nur ein paar Minuten des Länderspiels gegen Nord-Mazedonien gesehen. Der Abend war zu schön, um sich vor die Mattscheibe zu setzen. Und dann gegen Nord-Mazedonien. Der Enkel fragte: Opa, wo liegt das? Irgendwo auf dem Balkan, in der Nähe von Griechenland. Aber im Fußball ist das Land bis gestern zumindest nicht in der ersten Reihe aufgetaucht. Ich dachte mir auch nichts dabei, außer: Das Spiel gewinnen wir doch ohne Torwart.  Aber wie sagte schon der Altmeister Sepp Herberger. Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Und damit ist auch der Gegner gemeint. Das erste Tor der Mannen vom Balkan sah ich quasi im Vorbeigehen. Flanke von links-oder?- und dann war er drin. Gut, das mit dem Elfmeter, herausgeholt von Sane, nahm ich nicht so ernst. Und dass die Elf von Nord-Mazedonien zuerst einen Elfer hätte kriegen müssen wegen Handspiels des Dortmunder Spielers Can… Na gut, dachte ich. Ist auch nicht so wichtig. Wer will schon freiwillig nach Katar? Und ist Fußball nicht Nebensache? Spiele ohne Zuschauer, das ist es. Kein Geschrei, keine Raketen, keine Umarmungen schweißnasser Spieler.

Ich gebe zu, der gedankliche Sprung ist enorm. Aber egal. Weil ich nämlich gegen die WM in Katar bin. Erstens ist es dort viel zu heiß und dann war die Vergabe der Weltmeisterschaft ja auch unter ungeklärten Umständen zustande gekommen, wenn ich das mal so umständlich formulieren darf. Will sagen: Da gab es Vorwürfe, es sei Geld geflossen, damit das Turnier der besten Mannschaften mitten in der Wüste stattfinden kann. Und Geld haben die in Katar, weil sie Öl haben. Satt. Beides. Fußball wird dort eigentlich nicht gespielt.

Es gibt keinen Grund, traurig zu sein wegen dieser Niederlage. Vielleicht war das auch alles so gewollt. Erstens freuen sich die Kicker von Nord-Mazedonien, dass sie den viermaligen Weltmeister geschlagen haben. Und wir können gönnerhaft sagen: War gut gemeint von uns. Und wir müssen ja nicht immer gewinnen. Wobei das mit dem Gewinnen für Deutschland  eine Seltenheit geworden ist und wir das mit dem Gewinnen-Lassen der anderen auch übertreiben. Erinnern Sie sich noch an das Spiel gegen Spanien? 0:6. Kann sich irgendeiner an den letzten großen Sieg einer deutschen Fußball-Mannschaft erinnern? Ich meine nicht den FC Bayern. Die gewinnen ja immer. Langweilig ist das.

Die Frage wird sein, ob sich Deutschland für das WM-Turnier in Katar qualifizieren wird? Warum sollen wir nicht vorher scheitern? Damit wir hier bleiben können. Wir fahren nicht in ein Land, in dem Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Unsere Mannschaft hat vor dem Spiel gegen Nord-Mazedonien auf einem Gruppenfoto für Menschenrechte demonstriert. Es wäre konsequent, das durchzuhalten und Katar zu meiden.

Auch der Bundestrainer müsste nicht traurig sein wegen der Schlappe. Die Niederlage war konsequent. Insofern war es auch richtig, den Spieler Timo  Werner einzuwechseln, damit er, vor dem Tor freistehend, den Ball neben dasselbe kickt. Wir lassen die anderen gewinnen und bleiben zu Hause. Sollen doch die Spanier und Franzosen und Brasilianer die WM unter sich ausmachen. Die müssen sich dann rechtfertigen für ihre Reise in die Wüste. Hier zu bleiben, wäre auch aus Gründen des Klimaschutzes richtig. So wollen es doch die Grünen: Weniger Flüge, am Boden bleiben. Keine Luftverpestung.  Und wegen Corona üben wir doch seit Wochen schon das Zuhausebleiben. Ist also nichs Neues für die Kicker-Elite.

Also nicht aufregen, wegen eines Fußballspiels. Beim letzten Turnier 2018 haben wir es zumindest bis nach Russland geschafft, ins Land der Gastgeber. Und dort haben wir großzügig zwei Spiele verloren: gegen Mexiko und Südkorea. Die freuen sich noch heute, dass sie den Weltmeister Deutschland geschlagen haben. So macht man sich Freunde weltweit.

Und was Katar betrifft: Wenn wir uns nicht qualifizieren sollten, spart das den DFB viele Kosten. Nicht nur für das Fliegen, sondern auch  für die Hotels in der Wüste, die Klamotten, Trikots genannt, Schuhe, Getränke. Und wenn wir dort nicht spielen, fallen auch keine Prämien an, weder für einzelne Siege noch fürs Halb-, oder das Finale, geschweige den WM-Titel. Die deutschen Vereine müssten keine Spieler abstellen. Die würden geschont für die Bundesliga und die Champions-League. Franz Beckenbauer sollten wir als Beobachter nach Katar schicken. Der Franz war ja vor Zeiten schon mal in dem Wüstenland und hatte angeblich nichts gesehen, keine Quälereien von Arbeitern, keine Toten, keine Menschenrechtsverletzungen. Der Franz würde quasi einen Bericht über die Zustände in Katar schreiben. Kann sein, dass der neue Fernseh-Fußball-Experte Uli Hoeneß ihn begleiten sollte. Der hat auch viel Ahnung, von Fußball und Geld und überhaupt.

Also weiter so. Damit wir zu Hause bleiben können.

Bildquelle: Pixabay, Bild von jorono, Pixabay License

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Tags: DFBFußballFußball-NationalelfKatarQualifikation Fußball-WMWeltmeisterscaft
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