Gold

FINANZVERMÖGEN AUF REKORDHÖHE

Die Deutschen werden immer reicher. Mitte diesen Jahres erreichte ihr Finanzvermögen mit insgesamt 6,55 Billionen € einen neuen Höchststand. Trotz der Pandemiekrise gab es im zweiten Vierteljahr 2020 einen Anstieg um 212 Mrd. €; das entsprach einem Plus von 3,4 %.

Nur Bares ist Wahres!

Besonders groß war der Spargeldzuwachs auf den laufenden Konten und als Bargeld „unter dem Kopfkissen oder in der Kaffeekanne“. Das monetäre Verhalten wurde offenbar von der Covid 19-Krise stark beeinflusst – ganz nach der Devise „nur Bares ist Wahres“. Denn mehr als 20 % des Spargeldes wurde in den letzten Monaten als Bargeld gehortet. Erst an zweiter Stelle rangieren neue Anlagen in Wertpapieren, insbesondere in Aktien und Investmentzertifikaten.

Aktien-Hoch trotz Krise

Viele Banken berichten inzwischen von einem Boom in ihrem Handel mit Wertpapieren und von einem Rekord bei den Neueröffnungen von Depots. Rund 10 % ihres Vermögens investierten die deutschen Anleger in den ersten 6 Monaten diesen Jahres in Aktien. Die Börsen, die Anfang 2020 weltweit heftige Corona-Turbulenzen erlebten, konnten sich inzwischen wieder deutlich erholen. Vor allem an der amerikanischen Wall Street schnellten die Aktienkurse stark nach oben. In Deutschland liegt der DAX, der Index für die Kurse der 30 wichtigsten Aktiengesellschaften, mit derzeit über 13.000 nicht mehr weit von seinem Rekordhoch entfernt. Trotz des gesamtwirtschaftlichen Absturzes bewegen sich die Aktienkurse in den Ländern des Euro-Raumes auf einem höheren Niveau als im Vorjahr. Nur in Griechenland, Italien, Belgien und Spanien gab es an den Börsen schlechtere Notierungen als 2019.

Gold glänzt

Die Zuflucht zum Gold hat noch weiter zugenommen, wie es eine aktuelle Umfrage des Edelmetallkonzerns Heraeus belegt. Der Goldpreis ist in der Tat stark gestiegen. Das Edelmetall schneidet im Vergleich zur Anlage in Wertpapiere, Immobilien und andere Rohstoffe besser ab: Allein seit Anfang diesen Jahres ist der Goldpreis um etwa 35 % gestiegen; mit 2070 Dollar für die Feinunze, das sind 31,1 Gramm, erzielte Gold zwischenzeitlich einen historischen Höchststand. Inzwischen ist der Goldpreis wieder unter die Marke von 2.000 Dollar je Unze gesunken.

Gold – so hat es einst Lord Keynes bezeichnet – ist ein „barbarisches Metall“. Viele Anleger lassen sich davon nicht abschrecken. 59 % von ihnen haben Goldmünzen gekauft. 36 % lagern ihr Gold als Barren und/oder Münzen in ihren eigenen vier Wänden, 45 % bevorzugen ein Schließfach bei einer Bank oder Sparkasse, 21 % in Sammelverwahrung beim Händler. Nur 15 % derjenigen, die Gold erwerben, sind Frauen, 85 % Männer – mehr als die Hälfte davon älter als 50 Jahre.

Angst vor Inflation

Die Sorge um ihr Geld treibt viele ins Gold. Die gigantischen Milliarden-Beträge, die in Deutschland und anderen Euro-Staaten sowie von der EU, aber auch von der Regierung in den USA als Kredite aufgenommen und für den Weg aus der Covid-Krise eingesetzt werden, machen vielen Angst – Angst vor einer Inflation, also Entwertung des Geldes. Dabei herrscht derzeit eine hohe Währungsstabilität. Ein weiteres Motiv für den Run auf’s Gold ist das Sicherheitsgefühl. Mehr als 65 % der Käufer des Edelmetalls setzen auf Werterhalt. Dabei lassen nicht wenige unberücksichtigt, dass Gold ein Rohstoff ist, dessen Bedeutung für industrielle Fertigungen eher abnimmt und dessen Angebot auf den Märkten durch eine stärkere Förderung der Goldminen erhöht werden kann, wozu der hohe Preis gewiss anreizt. Schließlich liegt die Rendite bei der Anlage in Gold bei Null. Die sichere Aufbewahrung in Schließfächern und Tresoren verursacht zudem Kosten. Und der Anstieg des Goldpreises wird nicht auf Dauer garantiert. So könnte der Glanz des Metalls auch wieder verloren gehen. Nur in edlen Schmuckstücken wird Gold auf jeden Fall weiter glänzen.

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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