Clemens Tönnies

In Rheda kennen sie Tönnies als einen der ihren

Entsetzt seien sie in Rheda-Wiedenbrück über die Äußerungen des Fleisch-Milliardärs Clemens Tönnies, über die offensichtliche Instinklosigkeit des Aufsichtsratschefs von Schalke 04. Kopfschütteln in Ostwestfalen über einen der ihren, wie sie ihn schildern und sich immer noch fragen, wie er denn zu diesen Äußerungen über Afrika kam, dessentwegen er als Rassist hingestellt wird. Nein, als Rassist sei der Clemens nie aufgefallen, nie habe man derartige oder ähnliche die Afrikaner beleidigende Äußerungen von ihm gehört. Der Ehrenrat des Bundesligaklubs hat Tönnies für drei Monate beurlaubt, der Vorschlag kam wohl von ihm selbst, die Aufregung über Tönnies hat sich aber nicht gelegt.

Der Afrika-Beauftragte von Kanzlerin Angela Merkel, Günter Nooke(CDU) hat sich in die Debatte eingeschaltet und versucht, Tönnies Flankenschutz zu geben. Unglücklich sei die Wortwahl gewesen, so Nooke, aber die angesprochenen Sorgen  seien durchaus real und müssten diskutiert werden. „Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real.. und darüber muss gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden“, so der einstige DDR-Bürgerrechteer und frühere CDU-Bundestagsabgeordnete.

Tönnies hatte, wie in diesem Blog schon berichtet, auf dem Handwerkertag in Paderborn geplante Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert und stattdessen angeregt, man solle lieber in Afrika pro Jahr 20 Kraftwerke bauen. „Dann werden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenns dunkel wird, Kinder zu produzieren.“ Die Zuhörer, so wird berichet, hätten zunächst still reagiert, dann aber geklatscht und geschmunzelt, auch der anwesende Erzbischof soll geschmunzelt haben. Keiner der Anwesenden habe sich bisher kritisch zu Tönnies geäußert, heißt es in Ostwestfalen.

Günter Nooke bemängelt die Wortwahl und erntet Kritik. Der CDU-Politiker und Ex-Bundesagsabgeordnete Charles M. Huber, besser bekannt als Kommissar in  der Fernsehserie „Der Alte“, hat sich empört über Nooke geäußert und seinen Austritt aus der CDU angekündigt. Begründung: Nooke versuche die rassistisch-motivierte Kommunikation von Tönnies zu relativieren. Huber- im Fernsehen hieß er Henry Johnson- saß für den Wahlkreis Darmstadt im Parlament und kümmerte sich dort vor allem um die Belange Afrikas. Er ist Sohn eines senegalesischen Diplomaten und einer Deutschen. Huber wörtlich zu Nookes Einwurf: „Flankenschutz für eine rassistische Äußerung ist inakzeptabel. Das geht nicht und ist nicht verantwortungsvoll.“  Die CDU lässt Rassismus zu, das kann ich nicht hinnehmen.“

Rheda-Bürgerin: Auf keinen Fall ein Rassist

Zurück zu Rheda-Wiedenbrück, wo Clemens Tönnies lebt. Elisabeth Lewe wohnt auch dort und kennt die Tönnies. Dem Blog-der-Republik schieb sie: „Nach meiner Erfahrung und nach Einschätzung vieler Rheda-Wiedenbrücker ist er auf keinen Fall Rassist.“ Tönnies sei in Rheda geboren und aufgewachsen als eines von vier Kindern. Er habe sich zusammen mit seinem Bruder aus einfachsten Verhältnissen hochgearbeitet. Als so genanntes Rhedaer Kind kennt er- und kennen ihn- alle und jeden. Mit anderen Menschen gehe er „offen, klar, unkompliziert und auf Augenhöhe“ um.  Und dies „ohne Ansehen der Person, der Herkunft, des sozialen Standes oder etwa der Hautfarbe“.

Der kumpelige Tönnies, so wird er beschrieben, so kennen ihn die Nachbarn und Bürgerinnen und Bürger des Ortes, Dass ihm die Hintergründe und Umstände des Waldabholzens und des Kinderreichtums bekannt sein müssten, darf man annehmen. In Paderborn hat er wohl in Stammtischmanier punkten wollen- auf Kosten der Bewohner eines ganzen Kontinents. Tönnies hat sich irgendwie entschuldigt- aber dies nicht an die Adresse der Afrikaner getan. Was man früher einer Gloria von Thurn und Taxis durchgehen ließ- 2010 äußerte sie mal in der Sendung mit Friedmann,   die Schwarzen schnackselten gern- was zwar Empörung auslöste, aber auch viel Gelächter, führt heute zu Forderungen, Clemens Tönnies müsse den Posten des Aufsichtsratschefs  von Schalke niederlegen, anderen plädieren für seinen Ausschluss aus dem Verein. Manfred Beck von der Schalker Fan-Initiative sagte gegenüber Radio Emscher-Lippe: „Clemens Tönnies kann so nicht mehr das Gesicht von Schalke sein.“ Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag(SPD), sieht das ähnlich: „Wenn ich einen ganzen Kontinent und seine Bevölkerung letztlich in eine Ecke stelle, dann erfüllt das für mich  eher den Tatbestand des Rassismus  als „nur“ den der Diskriminierung.“

In der Vereinsatzung von Schalke ist ein Diskriminierungsverbot verankert. Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hält die Entscheidung des Schalker Ehrenrat nicht für ausreichend. Denn: „Herr Tönnies hat sich in seiner Rede eindeutig rassistischer Ressentiments bedient.“

Der Fall Clemens Tönnies- Ende offen.

 

Bildquelle: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Keine wichtigen Nachrichten mehr verpassen!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und werden Sie einer unserer 4 685 Abonnenten.



Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


'In Rheda kennen sie Tönnies als einen der ihren' hat einen Kommentar

  1. Avatar

    11. August 2019 @ 08:06 Kai Ruhsert

    „Der kumpelige Tönnies, so wird er beschrieben, so kennen ihn die Nachbarn und Bürgerinnen und Bürger des Ortes.“

    Naja:
    * Kumpel Tönnies war in Cum-Ex-Geschäfte involviert, die der Steuerhinterziehung dienen (siehe Handelsblatt https://tinyurl.com/y52hf2lr)
    * In seinen Schlachthöfen herrschten 2016 „Zustände wie in einem Entwicklungsland“ (siehe Nordwestzeitung https://tinyurl.com/yy2wwe62)
    * Seine Billigarbeitskräfte aus Osteuropa lässt er unter widrigen Verhältnissen hausen (siehe Neue Westfälische https://tinyurl.com/yyy89z9b)
    * Pfarrer Peter Kossen hat den Eindruck, die Arbeitskräfte würden wie „Wegwerfmenschen“ behandelt (Nordwestzeitung https://tinyurl.com/yyyey7xy)

    Kritischer Journalismus geht anders, Herr Pieper.

    Antworten


Möchten Sie Ihre Gedanken teilen?

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht