Flugplatz
Flughafen BER kurz vor Baubeginn

Kein Witz: Berliner Flughafen BER wird wirklich eröffnet

Kein Witz, Deutschlands wohl teuerster Flughafen BER ist fertig, reif für die Eröffnung. Das ist sensationell. Eine der größten und stärksten Industrienationen der Welt ist tatsächlich noch in der Lage, einen neuen Flughafen fertigzustellen. 9 Jahre nach dem geplanten ersten Eröffnungstermin, nur 14 Jahre nach Baubeginn. Rekordzeiten sind das, denen entsprechen auch die Kosten. Statt der anfänglich veranschlagten 2 Milliarden Euro kostet der BER, der Berlin-Brandenburger-Flughafen- nun schlappe 7,3 Milliarden Euro, also etwas mehr als angesetzt. Sage noch einer, die Deutschen könnten nicht rechnen. Ist doch fast eine Punktlandung, oder?!

Der etwas ältere Zeitgenosse erinnert sich an all die Geschichten und Witze über den Airport. Kennen Sie noch den: Niemand hat die Absicht einen Flughafen zu bauen. Den Joke gab es auf einer Ansichtskarte, versehen mit dem Konterfei von Walter Ulbricht, der kurz vor dem Bau der Mauer mit seiner bekannten hellen Stimmlage den berühmten Satz von sich gab: Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen.So weit sind wir also schon mit diesem Flughafen, der für Pleiten und Pannen steht. Wie war das noch mit dem Brandschutz? Kein Flughafen in der Welt könne mit den Anforderungen in Deutschland mithalten, wurden Experten zitiert. Oder anders herum: Fast jeder andere Flughafen müsste wohl dicht gemacht werden, würden sich deutsche Brandschutzexperten mit den deutschen Normen ans Werk machen. Ähnlich sieht es wohl mit dem Schallschutz aus.

Nein, der BER ist einmalig. Wie Berlin. Ich las gerade noch einmal nach, wie das vor ein paar Jahren mit den Dübeln war. Im Tagesspiegel konnte man das erfahren. Ganze Kabeltrassen, stand da, müssten neu verlegt werden, weil man nicht zugelassene Dübel verwendet hatte. Warum die den TÜV nicht vorher gefragt haben, welche Dübel man verwenden darf? Jeder private Bauherr hätte sich vorher erkundigt, oder der zuständige Architekt hätte sich schlau gemacht.

Dreieinhalb Jahre tagte ein Untersuchungsausschuss, herauskam ein 1300 Seiten dicker Bericht. Da ging es um die explodierenden Kosten. Da konnte man Erstaunliches lesen: „Unfrieden“ sei im Aufsichtsrat aufgekommen, weil der wieder mal zu spät informiert worden war. Unfrieden, immerhin, man muss ja nicht gleich an die Decke gehen wegen ein paar Milliarden. Wir haben es doch. Zusätzlich, so zitierte es die SZ, konnte man lesen, dass im Aufsichtsrat kein Fachmensch gesessen habe. Warum auch?! Die würden doch mit ihren möglichen Fachfragen nur die Abläufe stören, oder?

Wissen Sie noch, wer alles mit dem Riesen-Projekt BER zu tun hatte ? Kennen Sie noch die Politiker Platzeck, Wowereit? Genau, den Wowi, der Berlin als  Weltmarke pries mit der Bemerkung: Arm, aber sexy. Der machte Politik mit einer gewissen Nonchalance, einer weltläufigen Lässigkeit, da hat man für solche Zahlenspiele keine Zeit. Oder: Wer erinnert sich noch an einen gewissen Hartmut Mehdorn, einen Tausendsassa, der erst die Deutsche Bahn managte, einen Streit über eine millionenfache Abfindung auslöste, dann den BER leitete, aber auch nicht zum Ziel, gemeint Eröffnung des Flughafens gelangte.

Der BER hatte auch mal einen Sprecher namens Daniel Abdou. Also das mit dem Sprecher muss ich verdeutlichen: der Mann war Leiter der Unternehmenskommunikation des Flughafens Berlin-Brandenburg. Und dieser Abdou gab mal ein Interview und bekannte frei. „Kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen.“ Der Mann wurde entlassen. Er hatte neben „kein Mensch“ auch noch hinzugefügt, dass „kein Politiker, kein Flughafendirektor“ besagte Garantien geben würde, es sei denn, und dann sagte er noch das mit den Medikamenten. Abdou wurde freigestellt, weil das Interview nicht abgestimmt gewesen sei mit der Geschäftsführung. Unerhört, dieser Sprecher und dann auch noch die Wahrheit sagen. Er plädierte dafür, offen mit den Versäumnissen umzugehen, weil die „alte Flughafencrew zu viel verbockt“ habe, seien „zu viele Milliarden in den Sand gesetzt worden.“ Sind ja nur Steuergelder.

Übrigens hat das mit der Verspätung des neuen Flughafens auch was Gutes: Neun Jahre hob kein Flugzeug dort ab, neun Jahre landete dort kein Flieger, keine Luftverschmutzung, kein Lärm, kein Benzinverbrauch.

Die Eröffnung soll auf kleiner Flamme gefeiert werden, kein großer Event. Eigentlich schade, nach all den Pannen und Peinlichkeiten gehört Musik dazu, Champagner, höchste Gäste aus der Berliner und Brandenburger Welt, der Hauptstadtszene. Und vielleicht ein neuer Witz über den neuen Airport. Diesen Spruche fand ich im Internet: Mexiko hat dem Bau der Mauer zugestimmt, unter der Bedingung, dass er von den Ingenieuren des Berliner Flughafens durchgeführt wird.

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Alfons Pieper

arbeitete als stellvertretender Chefredakteur und Berliner Chefkorrespondent für die WAZ. 2009 gründete Pieper den Blog "Wir in NRW". Heute ist er Chefredakteur des Blogs der Republik.


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