Garzweiler

Kohlekommission – Folgt dem Kohle-Ausstieg nun das große Nichtstun?

Endlich, endlich gibt endlich ein Datum, scheint man zu denken nach der langen Hängepartie um den Kohle-Ausstieg. Dem kurzen Gefühl der Erleichterung folgt allerdings sofort die Sorge vor kollektivem Nichtstun. Bereits in anderen Branchen zeigt sich eine gewisse Renitenz  gegenüber Umwelt- und Klimamaßnahmen. Das wäre im gesellschaftlichen Groß-Projekt Energiewende eine Katastrophe.

Es ist ein seltsames Gefühl derzeit. Die Kohlekommission kam doch tatsächlich am vergangenen Freitag zu einem offiziellen Ergebnis und verkündete das Ende der Kohleverstromung für das Jahr 2038. Vielleicht sogar noch 2035. Das wären „nur“ noch 16 Jahre. Das Ergebnis scheint gut gewählt:  Erstens stehen die Chancen nun nicht schlecht, nicht mehr noch in den 40ern mit der Kohle zu tun haben, zweitens würde ein zu früh gewähltes Datum sowieso wieder nicht eingehalten werden. Kennen wir doch. Machen wir uns also nichts vor.

Ausstieg 2038: Von der Kohlenation zur Prokrasti-Nation?

Was aber nun nicht passieren darf, ist ein kollektives Dahinsiechen in Umwelt- und Klimamaßnahmen. Man fühlt sich besorgniserregend stark an die Studienzeit und die Anmeldung einer Hausarbeit erinnert, verbunden mit dem Wissen, wann man abzugeben hat. Nur leider führte das Wissen darüber selten zu sofortiger, arbeitswütiger und sogar nachtaktiver Produktivität. Stattdessen regierte die Prokrastination. Da wurde der Haushalt geschmissen, im Internet nach Belanglosem gesurft oder nach ewigen Zeiten mal wieder Sport getrieben. Die Arbeit wurde dann in ein paar Wochen vor Abgabe in einem Hauruckverfahren erledigt. Wird schon reichen. Tat es meistens auch.

Nur hängt am Kohleausstieg deutlich mehr als an der Abgabe einer Uni-Arbeit. Die Politik muss das Ausstiegsjahr als Signal verstehen, ab heute mit der Umsetzung zu beginnen, damit 2035 nicht die Erkenntnis droht, einen Wandel verpennt zu haben. Immerhin weiß sie dafür den Rückhalt der Bevölkerung hinter sich. Auch die starken Umfragewerte für die Grünen zeigen, dass forsche Maßnahmen gewollt sind.

Nicht nur Kohle gefragt: Auch andere Bereiche gefordert

Wie Michael Bauchmüller in seiner Kolumne in der Süddeutschen Zeitung richtigerweise erwähnt, sind auch andere Bereiche gefragt, ihren Beitrag zu leisten. Es passt nur kaum ins Bild, dass so gewaltige Klimatreiber wie der Verkehrssektor oder die Landwirtschaft in diesen Fragen deutlich zu wenig aktiv werden. Dass selbst kleinere Vorschläge die CDU-Vorsitzende, Annegret Kramp-Karrenbauer, zur Aussage verleiten lassen, klima- und umweltschutzrelevante Maßnahmen führten in eine „Hölle“, ist vielleicht zu erwarten, aber dennoch nicht weniger maximal enttäuschend.

Klar, es liegt in der Natur des Menschen, den Dingen, die weiter in der Zukunft liegen, eine geringere Bedeutung beizumessen als dem Hier und Jetzt. Wir verzichten also ungern auf etwas, nur weil es uns in der Zukunft dadurch eventuell besser ergehen könnte. Rational Choice – nur halt eher auf den Augenblick gerichtet. Dazu passen dann wunderbar Aussagen wie von AKK oder Andreas „Menschenverstand“ Scheuer, Bundesverkehrsminister und ebenfalls einer Unionspartei angehörig, der den Wohlstand gefährdet sieht, wenn Menschen auf Autobahnen nicht mehr 250km/h fahren dürfen.

Energiewende von Anfang bis Ende denken

Dass es nun tatsächlich ein Ausstiegsdatum gibt, lässt sich dann ganz gut mit einem Wort beschreiben: Immerhin. Mehr konnte man nicht erwarten. Wem das Ganze noch zu langsam geht, kann im privaten Bereich sicher noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Die Energiewende wird halt nicht an einem Ort bewältigt, sondern Bedarf des Engagements aller.

 

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Matthias Epkes

studiert an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf den Master für Politische Kommunikation. Der gebürtige Ostfriese und bekennende Veganer befasst sich besonders mit politischen, ökologischen und ernährungstechnischen Themen


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