Zinsen - Symbolbild

Langer Marsch durch’s Zinstal

Der einen Freud, der anderen Leid – das ergibt sich bereits seit einiger Zeit beim Blick auf die Zinsentwicklung. Wer etwa einen Kredit für den Kauf eines Autos aufnehmen muss oder eine Hypothek zum Erwerb einer Immobilie benötigt, der freut sich über die günstige Finanzierung. Banken und Sparkassen sind mehr als bemüht, mit ihren Darlehensgeschäften wenigstens noch kleine Erträge einzufahren. Wenn sie die überschüssige Liquidität bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, müssen sie dafür nämlich Strafzinsen bezahlen. Die meisten Kreditinstitute fordern deshalb von ihren Kunden, die höhere Guthaben „verwahren“ lassen, ebenfalls Zinszahlungen oder Gebühren – in der Regel 0,5 %. In früheren Zeiten brachten solche Guthaben noch eine Zinsgutschrift. Doch diese Zeiten sind längst vorbei und werden so schnell nicht wiederkommen.

Billiges Geld für Wachstum und Beschäftigung

Gerade jüngst hat die EZB ihren zinspolitischen Kurs neu justiert. Die Euro-Herrscher werden die Leitzinsen auf dem bisher niedrigen Niveau halten oder sogar noch weiter senken, bis die Inflationsrate 2 % erreicht und dann auch längere Zeit auf diesem Niveau bleiben wird. Damit könnten drei oder gar fünf Jahre ins Land gehen, bis die EZB die Zinsen anheben wird.

Die EZB tut so alles, um die Konjunktur in den Euro-Staaten anzukurbeln und aus dem tiefen Tal der Pandemie herauszukommen. In den Euro-Ländern muss die Wirtschaft wieder kräftig wachsen, damit so die Beschäftigung gesichert werden kann. Mehr Wachstum bringt insbesondere auch höhere Einnahmen für die staatlichen Haushalte und die Sozialsysteme. Ohnehin sind in der Pandemie-Krise die staatlichen Ausgaben zum Teil explodiert, weil nicht nur Milliarden für die Kurzarbeit, sondern auch für Hilfen an Unternehmen gezahlt werden mussten. Mit dem umfangreichen indirekten Anleiheankaufprogramm sorgte die EZB nicht zuletzt dafür, dass viele EU-Mitgliedsstaaten die riesigen Milliarden-Überbrückungshilfen finanzieren konnten.

Minus-Renditen für Staatsanleihen

Die Euro-Länder taten sich nicht schwer, neue Anleihen zu emittieren. Denn die dafür zu zahlenden Zinsen bewegen sich auf Niedrigstniveau. Das gilt insbesondere für die Bundesrepublik Deutschland: Die zehnjährige Bundesanleihe bringt derzeit sogar eine Minusrendite von rund 0,4 % für die Anleger; bei zweijährigen Anleihen ergibt sich gar eine Minusrendite von rund 0,7 %. Auch in Italien sind mit Staatsanleihen gerade 0,6 % zu erzielen. Nach Abzug der Inflationsrate fällt die Rendite überall real noch niedriger aus.

In den USA sieht es für den Anleger zwar etwas besser aus: Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentiert sich derzeit mit knapp 1,3 %, die dreißigjährige mit etwa 1,9 %. Da auch hier die Inflationsrate zur Zeit deutlich darüber liegt, müssen die Käufer von Anleihen ebenfalls Minusrenditen hinnehmen. Die US-Notenbank FED wird dennoch den lockeren geldpolitischen Kurs vorerst nicht verändern.

Bessere Erträge mit Aktien

Wer als Sparer etwas mehr aus seinem Geld machen will, muss ein größeres Risiko dafür in Kauf nehmen. Dafür bietet sich der Einstieg ins Geschäft mit Aktien oder Investmentzertifikaten an. Die Auswahl der Wertpapiere, die der Anleger kaufen will, ist nicht einfach. Dafür ist eine solide Beratung in jedem Fall zu empfehlen. Die Aktien der Unternehmen, die im DAX notiert werden, weisen Kursschwankungen auf; einige bewegen sich bereits auf einem Rekordniveau, sind also recht teuer. Standardpapiere – wie etwa BASF, VW, Daimler, Siemens, Deutsche Post usw. – könnten für Neu-Aktionäre interessant sein, um damit das eigene Depot aufzubauen. Mit ETF’s und Investmentfonds ist indessen eine breitere Streuung der Geldanlage möglich. Damit ergibt sich die Chance, sich am Produktivkapital der Wirtschaft zu beteiligen und auch eine echte Vermögensbildung in breiten Schichten der Bevölkerung zu erreichen. Solche Anlagen setzen jedoch Geduld und einen langen Atem voraus. Der Lohn dafür sind indessen die jährlichen Dividendenzahlungen. Bezogen auf den Kurs, den der Anleger für die jeweilige Aktie zu zahlen hat, ist damit in dieser Niedrigzinsphase eine in der Regel positive Rendite zu erzielen. Zugleich bietet die Beteiligung am Produktivkapital eine gewissen Schutz gegen die Inflation.

Bildquelle: Pixabay, Bild von Gerd Altmann, Pixabay License

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


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