Corona-Virus auf Schultafel

Pandemie, rechte Extremisten und das Menschenrecht auf Bildung

Das Recht eines jeden Kindes auf Bildung bleibt für eine immer größer werdende Zahl von Kindern unerfüllt. Das gilt nicht nur für die südliche Hälfte des blauen Planeten, Flüchtlingskinder  haben zudem oft keinen sicheren Ort zum Lernen. Gut die Hälfte der weltweit Geflüchteten sind minderjährig, jedes zweite Kind geht nicht zur Schule. Viele Kinder müssen für ein Taschengeld schuften und zum Einkommen der Familie beitragen. Dabei ist ein Acht- bis Zehnstundentag oft die Regel. Auch für sie ist Bildung „Menschenrecht“.

 UNO-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi  hat ja Recht, dass „Bildung unverzichtbar“ ist, um Flüchtlingen Hoffnung und Würde zu geben. Sie allein seien die Voraussetzungen für Flüchtlinge, eine gute Zukunft für sich mit Wissen und Fähigkeiten zu ermöglichen. Investitionen in die  Bildung von Flüchtlingen zu unterlassen, würde vermutlich daher sehr teuer zu stehen kommen.

 Zudem müssen viele Flüchtlingsfamilien oft über Jahre in überfüllten  Camps ausharren und auf den Abschluss des Asylverfahrens warten, was überforderte Behörden  zu keinem Ende bringen können oder dürfen. Zudem tobt in Ost und West und Süd  Krieg und verschlechtert die Lebensbedingungen vieler Kinder. Deren Zahl stieg in den wachsenden Konfliktgebieten innerhalb eines Jahres von 415 Millionen im Jahre 2018 auf 426 Millionen. 2019.

Naturkatastrophen zerstören Land und Lebensträume von Menschen als Folge des weltweiten Klimawandels. Faschistoide Politiker wie Donald Trump, der das Weiße Haus besetzt hält oder der brasilianische Präsident Jair  Bolsonaro, der den Regenwald niederbrennen lässt, leugnen diesen Zusammenhang ebenso wie das  auch Rechtspopulisten in Europa wie in  Ungarn und in Polen tun. Sie  wollen sich nicht von Rechtsstaatsprinzipien der Europäischen Union, denen sie als Voraussetzung für den Beitritt in die EU zugestimmt hatten, bei der Umwandlung ihrer Länder durch demokratiefeindliche autoritäre Regime behindern oder stören lassen.

Ungarn und Polen-einlenken oder gehen

Noch ist nicht gewiss, ob und wann  trotz Wahlniederlage Donald Trump dem gewählten Nachfolger Joe Biden die Chance öffnen wird, die USA wieder in die Wertegemeinschaft des Westens zurückzuführen. Und Europa? Nur wenn es gelingt, die EU vor dem Kollaps zu bewahren und  Mitgliedsländer wie Ungarn und Polen zum Einlenken oder Ausscheiden aus der Union zu  bringen, wird Europa in der Weltpolitik eine konstruktive und hilfreiche Rolle spielen können. Wie notwendig sie ist, zeigt der Blick auf die Flüchtlingsströme weltweit. Mindestens ebenso notwendig ist die Eindämmung der aggressiven Außenpolitik des türkischen Präsidenten Erdogan und die imperiale Logik des Ausbaus der chinesischen Seidenstraße.

Alle hier aufgeführten Konfliktfelder werden die Zukunft derer bestimmen, die heute noch Kinder sind, und die entweder einen sterbenden oder lebensfähigen  Planeten von heute Erwachsenen übernehmen werden. Ihnen wären wir es schuldig, zu verhindern, dass in den USA, Mittel- und Lateinamerika, aber auch in Europa, Deutschland eingeschlossen,  Rechtsextreme, Querdenker, oder alternativlose Neonazis den Tag X vorbereiten, um den Umsturz herbeizuführen, den sie unterschiedlich intensiv mit Steckbriefen, Waffenlagern und Leichensäcken planen.

 Die Anticorona-Demos anlässlich der Debatte des Bundestages, Rechtssicherheit durch ein Infektionsschutzgesetz im Kampf gegen die Corona-Pandemie herzustellen, zeigen erneut wie gewaltbereit der extreme rechte Rand agiert. Selbst sogenannte Christen hatten Anteil bei der Demo in Berlin mit dem Kampfruf: „Berlin muss brennen“. Sie hielten Holzkreuze hoch, die sie wie eine Waffe schwenkten. Offenbar gibt es nicht nur Islamisten, die ihrem Koran Wahnideen entnehmen, wie in Berlin es zu besichtigen war, auch sogenannte Christen mit der Bibel in der Hand. Schon im Mittelalter fanden sie im Alten- und Neuen Testament Gründe, Frauen als „Hexen“ anzuklagen und auf den Scheiterhaufen zu bringen.

Bildquelle: Pixabay, Bild von athree23, Pixabay License

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Uwe-Karsten Heye

Der Print- und Fernsehjournalist arbeitete unter Gerhard Schröder als Regierungssprecher bevor er als Generalkonsul nach New York ging. Heye ist Autor mehrerer Bücher und bloggt vor allem zu den Themen Rassismus und Antisemitismus.


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