Saskia und die Folgen

Das gestrige Interview der SPD- Co- Vorsitzenden Saskia Esken ist ein tiefer Einschnitt in die Geschichte der SPD nach 1949. Zum ersten Mal gibt eine Persönlichkeit an der Spitze der SPD den Anspruch preis, mit einem Kanzlerkandidaten oder einer Kandidatin unbedingt die Kanzlerschaft zu erstreben. Auf die Frage der ARD, ob die SPD bereit sei, einen „grünen Kanzler oder eine grüne Kanzlerin“ zu tragen, sagte die Parteivorsitzende, da gehe es „nicht um Eitelkeiten“.

Eitelkeiten? Ich habe ein Problem damit, meine Vorstellung der Sozialen Frage unter Corona- Bedingungen, als „Eitelkeit“ einzuordnen. Ich bin übrigens ziemlich sicher, dass es keine Spezial-Wolke im Himmel für SPD- Vorsitzende gibt. Aber wenn es die gäbe, würde ein verstorbener Vorsitzender auf die Frage, was  er davon halte in seiner unvergessen bedächtig-ironischen Art sagen: Um die Zahl zehn gibt es auch noch schöne Zahlen.

Denn in diese Richtung geht es ja, wenn Spitzen- Repräsentanten der Partei Willy Brandts

  • den Führungsanspruch vor einer Bundestagswahl fakultativ aufgeben;
  • aus einer  erfolgreich arbeitenden Kombination heraus von einem „progressiven Bündnis“ schwärmen, bei dem unsicher ist, ob angedachte
  • Bündnispartner das überhaupt wollen;
  • wenn erklärt wird, faktisch seien die Spitzenleute der  SPD allesamt für ein solches Bündnis – darunter der Fraktionsvorsitzende und der Vizekanzler. Das ist eine nicht gedeckte Vor- Festlegung.
  • Wenn stellvertretende Vorsitzende (Kühnert) einem möglichen Kanzlerkandidaten signalisieren, wir unterstützen dich nur, wenn du uns Angebote machst;
  • wenn ohne Wahlprogramm und ohne Kandidat bereits über eventuelle Koalitionen gequasselt wird. Hat eine SPD- Vorsitzende nichts anderes zu tun? Ist es zu viel verlangt,   wenn ein einfaches SPD- Mitglied von der Vorsitzenden erwartet, dass sie im Sommerinterview der ARD nach 20 Sekunden einfach sagt: T´schuldigung, aber ich wollte mit Ihnen über tragbare Mieten, Verlängerung der Kurzarbeit und anderes mehr reden. Die Karrieren von Frau Baerbock und Herrn Habeck interessieren mich zurzeit nicht.
  • Wenn Saskia Esken meint, die SPD solle sich jetzt bereit erklären, in einer anderen Koalition „den Kellner zu geben“, ist sie schief gewickelt. Darauf  habe ich absolut keine Lust.

Bildquelle: ARD-Sommerinterview 

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Klaus Vater
Über  

Redakteur 1972 und bis 89 in wechselnden Redakteursaufgaben. 90 bis 99 wiss. Mitarbeiter der SPD-Bundestagsfraktion, Büroleiter Dreßler, 2000 Sprecher Bundesarbeitsministerium, dann des Bundesgesundheitsministeriums, stellv. Regierungssprecher; heute: Publizist, Krimiautor, Lese-Pate.


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