WENIG EUPHORIE FÜR WM-TRIKOTS

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist ein großes Geschäft. Gewiss, es geht um Tore und Punkte, um die Siege in diesem Turnier, um schließlich den WM-Titel zu gewinnen. Allerdings geht es auch um viel Kommerz, um teure TV-Übertragungsrechte, um Werbung für chinesische, japanische, amerikanische und andere Produkte. Rund um die Spiele wird von unzähligen Firmen das Merchandising intensiv betrieben: Fahnen, Becher, Tröten und vieles mehr, insbesondere WM-Trikots, werden angeboten. Die Preise dafür sind geradezu abenteuerlich, also sehr hoch. So kostet etwa das WM-Trikot der deutschen Mannschaft, das der Ausrüster Adidas über die verschiedenen Kanäle des Handels verkaufen lässt, 90 €.

Zittern um´s Geschäft

Vor Beginn der Fußballspiele in Russland wollten gerade einmal 2 % der Fans -so eine Forsa-Umfrage- das WM-Hemd der deutschen Spieler kaufen. Die enttäuschende Niederlage beim Auftakt gegen Mexiko war gewiss nicht verkaufsfördernd. Nach dem Sieg in der letzten Minute der Nachspielzeit gegen die Schweden könnte sich das ein wenig ändern. Doch werden viele potenzielle Käufer abwarten, ob das Nationalteam das Weiterkommen im Turnier gegen Südkorea erreichen wird. Für das Achtelfinale werden sich deutsche Fußballfreunde ins richtige Trikot werfen wollen, um dann auf bessere Leistungen und Erfolge zu hoffen. Die Manager von Adidas und die Sportartikel-Händler müssen derweil um ihr Geschäft noch mächtig zittern. Immerhin zahlt Adidas dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) jährlich 28,5 Mio. €; in den nächsten Jahren sollen es gar 60 bis 70 Mio. € werden.

Das ganz große Geschäft wird sich indessen nur einstellen, wenn die Nationalkicker auf dem grünen Rasen die anderen WM-Gegner besiegen und ins Endspiel einziehen werden. Denn nur dann werden einige Millionen Trikots an den Mann und auch manche Frau zu bringen sein. Sollte Löw mit seiner Elf jedoch schon in der Vorrunde am kommenden Mittwoch ausscheiden, dann wird sich kaum noch ein Fan das Trikot zu 90 € anziehen wollen.

90 € für das WM-Trikot

An dem Trikot hängen viele, die verdienen wollen. Die Kalkulation macht dies deutlich: Für die Produktion und den Transport entstehen Kosten in Höhe von 8,60 €. Für das Marketing werden 2,60 €, für den Vertrieb 2,25 € berechnet. Der DFB kassiert 5,50 € pro Hemd als Lizenzgebühr. Der Deckungsbeitrag des Sportartikelhandels liegt bei 39,64 €. Die Firma Adidas kalkuliert mit einer Rohgewinn-Marge von 17 €. Und für jedes Trikot sind schließlich 14,36 € als Mehrwertsteuer zu zahlen.

Experten sind mit ihren Verkaufsprognosen noch sehr vorsichtig. Bislang hat es schätzungsweise zwar schon 1,5 Mio. Trikot-Verkäufe gegeben. Nur wenn Deutschland das Endspiel erreichen sollte, dürften es etwa 3 Mio. werden. Falls es das Wunder in Russland geben und Löws National-Team wider Erwarten erneut Weltmeister werden sollte, dann könnte der Trikot-Absatz die Marke von 3 Mio. erreichen oder auch noch höher gejubelt werden. Siege sorgen nicht nur für sportliche, sondern auch für geschäftliche Erfolge. Bei Niederlagen und vorzeitigem Ausscheiden dürften nicht nur die Trikots, sondern auch andere Fan-Artikel verramscht werden. Denn kaum jemand würde dann noch das Trikot von Özil, Gündogan oder anderen Nationalspielern mit Stolz und Freude tragen wollen.

 

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Friedhelm Ost

leitete die ZDF Wirtschaftsredaktion, bevor er unter Helmut Kohl Regierungssprecher und schließlich CDU-Abgeordneter im Bundestag wurde. Heute ist Ost weiter als Journalist und in der Politik- und Wirtschaftsberatung tätig.


'WENIG EUPHORIE FÜR WM-TRIKOTS' hat 2 Kommentare

  1. 26. Juni 2018 @ 12:20 B. C.

    Hier wird ein Photo von Marco Verch verwendet. Daher der Hinweis auf diesen Artikel von einem Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht:

    „Die Creative Commons-Rechnungen des „Fotografs“ Marco Verch für kostenlose Bildlizenzen“
    http://www.kanzleikompa.de/2018/04/05/die-creative-commons-rechnungen-des-fotografs-marco-verch-fuer-kostenlose-bildlizenzen/

    Auszug:
    „Seit einigen Wochen versendet der Kölner „Fotograf“ Herr Marco Verch „Rechnungen“, mit denen er für die Nutzung von Lichtbildern im Internet Beträge wie etwa in dem Fall 663,40 € fordert.“

    „In der Wikipedia wurde Herr Verch unter seinem Nickname Wuestenigel gesperrt, weil er die Server mit offenbar über 10.000 Bildern geflutet und dann nach obigem Geschäftsmodell versucht hatte, aus – nach meiner Meinung provozierter – fehlerhafter Nutzung Kapital zu schlagen.“

    Antworten

  2. 2. Juli 2018 @ 19:35 Uwe Pöhls

    Herzlichen Dank B.C. für diesen Hinweis. Wir hatten schon vor kurzem so einen Fall, auch über Wikipedia. Wir haben erwartungsfroh dem Prozess entgegen gesehen, aber der Anwalt (aus Österreich) hat dann doch gekniffen!

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