Der FC Bayern kann nicht verlieren!

Bis zur 75. Minute  führte der FC Bayern München im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund  ein völlig überlegenes und deswegen fast schon langweiliges Spiel, erspielte sich zahlreiche Torchancen, hatte mehrere Lattentreffer, aber es stand bis dahin eben nur 1:0 durch ein pfiffiges Tor des ehemaligen Dortmunders Lewandowski. Dann schaffte der Dortmunder Aubameyang, was kaum einer noch für möglich gehalten hatte, bei der ersten ernsthaften Torchance den Ausgleich, bei dem Neuer im Tor der Bayern keine überzeugende Figur machte. Bis zum Ende der regulären Spielzeit kippte dann das Spiel; die Dortmunder erkämpften sich immer größere Spielanteile und hatten ihrerseits eine Reihe guter Torchancen, die Torwart Neuer in großartiger Manier zunichtemachen konnte.

In der Verlängerung fanden die Bayern zu ihrer dominanten Spielweise zurück, es blieb jedoch beim für die Dortmunder, alles in allem etwas glücklichen, aber nicht unverdienten Unentschieden. Im abschließenden Elfmeterschießen gelang den Spielern von Bayern München dann das nicht alltägliche Kunststück, vier Strafstöße hintereinander zu versieben: Die ersten beiden von Lahm und Alonso landeten in den Zuschauerrängen, weil beide beim Schuss ausrutschten, der dritte von Götze wurde vom Dortmunder Keeper Langerak gehalten und der vierte Strafstoß von Torwart Neuer klatschte an die Querlatte. Da auch Hummels seinen Strafstoß verschoss, lautete das amtliche Endergebnis 3:1 für Borussia Dortmund. Soweit die Fakten.

Natürlich hatte der FC Bayern, der mit diesem Ausscheiden aus dem Pokal sicherlich nicht gerechnet hatte und so etwas als Majestätsbeleidigung ansieht, sogleich den Schuldigen parat: Schiedsrichter Gagelmann. Laut Aussage des Vorsitzenden Kalle Rummenigge, der oft schon durch verbale Merkwürdigkeiten aufzufallen wusste, musste die Mannschaft gegen zwölf Gegner spielen. Und das ausgerechnet bei Schiri Gagelmann, der in seinen Spielen mit dem FC Bayern meiner Meinung nach früher schon deutliche Sympathien für die Bayern erkennen ließ. Wie war das aber jetzt im Spiel von Dienstagabend?

Am Ende der 1. Halbzeit pfiff Gagelmann Freistoß in der Hälfte der Bayern für Dortmund. Es ist in der Bundesliga eine gängige Praxis, dass bei abgelaufener Zeit Eck- und Freistöße noch ausgeführt werden. Nicht so in diesem Fall, Gagelmann nahm den Ball in die Hand und erklärte zum Erstaunen der Dortmunder Spieler die 1. Halbzeit für beendet.

In der 90. Minute beging Alonso ein derbes Foul, das normalerweise mit Gelb geahndet wird. Da Alonso aber schon verwarnt war und die 2. Gelbe Karte Gelb-Rot bedeutet hätte, unterließ es der Schiri, ihm konsequenterweise Gelb zu zeigen.

In der 108. Minute sah dagegen der Dortmunder Kampl nach einem relativ harmlosen Rempler im Mittelfeld, der Bayernspieler war natürlich zu Boden gegangen, Gelb und musste den Platz verlassen, weil es das zweite Gelb und damit Gelb-Rot war.

Am Ende der 1. Halbzeit der Verlängerung unterband Schiri Gagelmann wieder einen Dortmunder Angriff durch seinen Pfiff zur Halbzeit.

Am Ende der Verlängerung, die Bayern drückten vehement gegen das Dortmunder Tor, ließ Gagelmann unglaubliche drei Minuten Nachspielzeit anzeigen, das sind sage und schreibe 20 % der gesamten Halbzeitzeit von 15 Minuten. In Wahrheit ließ er dann aber nicht diese drei, sondern genau vier Minuten nachspielen, obwohl es überhaupt keine nennenswerten Unterbrechungen gegeben hatte, aber die Bayern waren gerade so schön am Drücker.

Der Zusammenprall von Lewandowski mit Torhüter Langerak – leider mit schlimmen Folgen für den Stürmer des FC Bayern – war regeltechnisch nicht zu beanstanden; Langerak hatte eindeutig den Ball gefaustet, es lag folglich kein Foulspiel vor, der Pfiff von Schiri Gagelmann unterblieb also zu Recht. Dabei von einem nicht gegebenen Strafstoß zu sprechen, ist einfach lächerlich.

Allerdings darf die 56. Minute nicht verschwiegen werden. Da „übersah“ Gagelmann ein regelwidriges Handspiel von Schmelzer im Dortmunder Strafraum. Wie Gagelmann nach dem Spiel zugab, hatten er und sein Assistent an der Linie das Handspiel nicht erkannt. Das war einfach nur Pech für die einen und Glück für die anderen, wie es in den Spielen immer wieder mal vorkommt. Das gehört gewissermaßen zu einem Fußballspiel, wie das Tore-schießen selbst und muss akzeptiert werden, zumindest nach dem Spiel, wenn sich die erste Aufregung gelegt haben sollte. Warum kriegt das Herr Rummenigge einfach nicht hin?

Dass nach dieser Szene Trainer Guardiola sogleich wütend protestierend auf den Platz gelaufen ist und auch wieder den vierten Offiziellen beschimpft hat, muss aber auch erwähnt werden, ebenso wie die bekannten Umarmungen und das Anfassen des Offiziellen (man erinnere sich an die Annäherungsversuche von „Pep“ an Frau Steinhaus). Schiri Gagelmann hat Guardiola zwar freundschaftlich ermahnt, mehr aber auch nicht. Nicht auszudenken, was der Schiri in einer solchen Situation mit Trainer Klopp gemacht hätte.

Fazit: Letztlich ein totales Versagen der Bayern-Spieler bei der Ausnutzung ihrer Torchancen und beim Elfmeterschießen, und der Schiri war alles andere als ein zwölfter Gegner. Menschliche Größe und Souveränität in der Niederlage sind halt nicht jedermanns Sache.

So kommt es am 30.Mai zu dem nach Dienstag erwarteten Endspiel zwischen Borussia Dortmund und VFL Wolfsburg. Letztere gaben sich bei ihrem Spiel auf der Bielefelder Alm keine Blöße und gewannen souverän 4:0. Vielleicht bekommt Trainer Klopp doch noch seinen großen Abschied mit Titel und Autokorso – leicht wird das allerdings nicht.

 

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Hartmut Schmidt

Der Autor war Fußballspieler, Trainer und Schiedsrichter. Heute analysiert Schmidt die deutsche Bundesliga und den DFB-Pokal mit einem scharfen Blick auf die Leistung der Unparteiischen.


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